Aus der Naturschutz heute

Unterschlupf für Igel im Winter

Wer Igel fit für den Winter machen will, sollte seinen Garten fit für Igel machen, denn Gärten sind für die stacheligen Tiere wichtige Lebensräume. Für das ideale Winterquartier braucht es nicht viel, denn das besteht aus einem Haufen aus totem Holz, Reisig und Laub.
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  • von Stefan Bosch
© Foto: Dorothea Bellmer

Vorbereitung auf den Winter

Schon ab Mitte Oktober wird das Nahrungsangebot für Igel deutlich knapper, die Alttiere beginnen ihr Winternest zu bauen und Jungigel versuchen noch weiter an Gewicht zuzulegen. Ihre Winterquartiere suchen die Igel bei anhaltenden Bodentemperaturen um null Grad auf. Schutz gegen Kälte finden sie in Erdmulden, unter Hecken oder eben in Reisighaufen. Das ideale Winterquartier besteht aus einem Haufen aus totem Holz, Reisig und Laub. Neben natürlichen Unterschlupfmöglichkeiten kann man zusätzlich ein Igelhäuschen aufstellen. Wer Tieren einen dauerhaften Platz bieten möchte, kann den Reisighaufen mit einer Basis aus Feldsteinen versehen.

Manche verspätete Jungigel sind jetzt noch tagsüber unterwegs, um sich weitere Fettreserven anzufressen. Diese Tiere sollten nicht aus falsch verstandener Fürsorge aufgenommen werden. Nur wenn ein Igel auffallend unterernährt oder krank ist, sollte er versorgt oder einer Igelstation übergeben werden. Unterkühlte Igel werden gewärmt mit einer in einem Frotteehandtuch umwickelten, lauwarmen Wärmflasche.

Wie du mit einfachen Mitteln ein Igelhaus bauen kannst, erklärt unser Experte Julian Heiermann in diesem Video (Anleitung zum Download):

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Richtig füttern

Gefüttert werden sollte nur frisches Feucht- oder Trockenfutter für Katzen, keinesfalls Speisereste oder Hundefutter. Bei Trockenfutter eine Schale mit stets sauberem Wasser zum Trinken bereitstellen und nicht gefressenes Futter durch frisches austauschen. Igel brauchen viel Eiweiß und Fett, die aufgenommen Kohlenhydrate durchs Fressen von Insekten sind unverdaulich und dienen lediglich als Ballaststoffe. Deshalb ist auch Hundefutter aufgrund seiner im Vergleich zum Katzenfutter proteinärmeren und kohlenhydratreicheren Zusammensetzung nicht geeignet. Frisst der Igel in der Nacht nach der Aufnahme nicht, muss eine Tierarztpraxis aufgesucht werden.

Beim Winterschlaf nicht stören

Ab Mitte November schlummern die meisten Igel. Von kurzen Unterbrechungen abgesehen, verschlafen sie die kalte Jahreszeit bis in den März oder April. Bei Schlechtwetterperioden nutzen die eifrigen Insektenvertilger diese Winterquartiere teils noch bis in den Mai hinein. Da die schlafenden Tiere bei Störungen nicht reagieren, also nicht fliehen können, heißt das für den Garten: Einmal geschaffene Unterschlupfe während des Winterhalbjahres bitte nicht mehr umsetzen. Vorsicht gilt auch beim Beseitigen von Sträuchern, beim Mähen unter tief liegenden Zweigen, beim Umgang mit Motorsensen und Balkenmähern.

Beste Hilfe: naturnah gärtnern

Lange Zeit galt das Einsammeln kleiner Igel im Herbst und die Überwinterung im Haus als probates Mittel, dem Wildtier Igel Überlebenshilfe zu geben. Die gut gemeinten Aktionen erwiesen sich jedoch als wenig hilfreich und werden nicht mehr praktiziert. Stattdessen steht heute ein ganzes Maßnahmen-Paket im Vordergrund, das Igeln dort zum Überwintern hilft, wo sie zuhause sind: draußen in der Natur.

Ideale Igelgärten sind naturnah gestaltet und bewirtschaftet. Das heißt: Viele Naturelemente wie Hecke, Teich, Obstbaum, Steinmauer oder Wiese finden Platz und auf Mineraldünger und chemische Bekämpfungsmittel wird verzichtet. Der Rasen wird nicht ständig gemäht, gedüngt und gewässert, die Hecke nur selten geschnitten, nicht jedes Kräutlein gejätet und jedes Laubblatt abgesaugt. Alternativ kommen „sanfte“ Methoden der Bodenbearbeitung, Düngung, Kompostierung und Schädlingsbekämpfung zum Einsatz.

Essenziell für Igel sind Unterschlupfe und Verstecke wie Holzstapel, Geschirrhütten, Wurzelwerk, Trockenmauern, Treppenaufgänge, Kompostmieten, Hecken und Reisighaufen. Dort verkriechen sie sich tagsüber oder legen ihre Winternester an. Ergänzend können selbst gezimmerte Igelhäuschen oder aus Holzbeton gefertigte Igelkuppeln angeboten werden, die mit Laub gefüllt werden.

Igel sind nachts sehr mobil und brauchen freien Zutritt zu Gärten: Hermetisch schließende Zäune und Mauern müssen passierbar sein für nächtliche Streifzüge. Kellertreppen, Lichtschächte und Regensammelgefäße sind oft gefährliche Fallen, die aber einfach entschärfbar sind. 

12 Tipps

Was jede*r Einzelne tun kann:

  • Biete im Garten Unterschlupf- und Nistmöglichkeiten wie niedriges Buschwerk, Laub- und Reisighaufen an.
  • Schaffe natürliche Überwinterungsquartiere oder stelle ein Igelhäuschen auf.
  • Setze heimische Pflanzen in deinem Garten.
  • Gestalten deinen Garten ohne kleinmaschige Zäune, damit sich Igel frei fortbewegen können.
  • Brenne Reisighaufen nicht ab, ohne sie vorher vorsichtige umzusetzen.
  • Vorsicht beim Mähen sowie bei Aufräumungs- und Rodungsarbeiten: In Haufen und Holzstapeln können sich Igelnester befinden.
  • Decke Kellerschächte und Gruben ab, damit sie nicht zur Falle werden.
  • Bringe Rettungsplanken für Teiche und an Wasserbecken mit steilem, glattem Rand an, damit sich Igel im Notfall selbst retten können.
  • Verwende keine Schlagfallen und Vogel-Schutznetze am oder bis zum Boden.
  • Verzichte auf Chemie im Garten und nutze stattdessen umweltverträgliche Alternativen.
  • Sorge regelmäßig für frisches Trinkwasser, zum Beispiel mit einem Vogelbad oder einer Tränke im Garten.
  • Verzichte auf Laubsauger, Laubbläser und Mähroboter!

Futterangebote schaffen

Reichlich Fressbares finden Igel in Gebüschen, an Trockenmauern, unter Obstbäumen und auf Rasenflächen. Im nahrungsknappen Frühjahr und Herbst können zusätzliche Futterstellen hilfreich sein, wenn sie bestimmte Kriterien an Aufbau und Hygiene erfüllen:

  • qualitativ hochwertiges Feucht- und/oder Trockenfutter für Katzen mit hohem Fleischanteil
  • gegartes (niemals rohes Fleisch) ungewürztes Rinderhackfleisch
  • gestocktes Rührei
  • ungeeignet für Igel sind Milch, Nüsse, Obst und Küchenabfälle
  • im Handel erhältlichen Igelfuttersorten sind aufgrund ihrer Zusammensetzung für Igel nicht empfehlenswert
  • immer frisches Wasser anbieten
  • Futter in einem Igelfutterhaus mit Rattenklappe oder Labyrintheingang anbieten, um Ratten. Katzen oder Marder fernzuhalten
  • Futter- und Wasserschalen täglich reinigen und Futterreste täglich entfernen
  • am besten am Abend füttern
  • Tipp: Tonuntersetzer sind praktisch, da sehr gut zu reinigen und zu desinfizieren
Igel auf einer Wiese© Foto: © Marc Scharping

Hilfe nur im Notfall

In Parkanlagen, Gärten und Siedlungsrändern teilt der Igel mit dem Menschen den Lebensraum. Dies führt einerseits zu spezifischen Gefahren wie Tierfallen oder Straßenverkehr, andererseits zum Auffinden verletzter oder kranker Tiere. Dank des putzigen Kindchenschemas ist die Hilfsbereitschaft gegenüber Igeln besonders groß. Doch die Inpflegenahme oder Hausüberwinterung muss die absolute Ausnahme bleiben und kann immer nur die baldige Auswilderung zum Ziel haben. Igel sind Wildtiere, sie sind weder zu zähmen, noch als Haustier zu halten.

Auch wenn sie noch so verlockende Hausgenossen sind, gehören sie weder als Mitbewohner noch als Pflegling in Küche, Wohn- oder Kinderzimmer. Rechtfertigende Ausnahmen für die Aufnahme in menschliche Obhut sind mutterlose, unselbständige Jungtiere, verletzte und kranke Igel, sowie Tiere, die am Tag oder bei Frost und Schnee angetroffen werden. Mit Quartier und Futter ist es jedoch bei weitem nicht getan: Die fach- und tiergerechte Betreuung eines Pfleglings braucht Erfahrung, tägliche Zuwendung und verursacht Mühe und Kosten, was nur zusammen mit Igelstationen und Tierärzt*innen geleistet werden kann.

Nach Versorgung bei Igelstation, Beratungsstelle oder Tierarztpraxis sollten Igelfinder ihr Tier selbst betreuen, wenn die Voraussetzungen wie geeignete Räume, Ernährung und tägliche Betreuung gegeben sind. Die einzelgängerischen Igel werden einzeln in geräumigen Gehegen mit Schlafhäuschen untergebracht. Manche Igel müssen den Winter als Pflegling verschlafen. Dabei gibt es viele Aspekte zu berücksichtigen, ebenso bei der Vorbereitung und Durchführung der Auswilderung im Frühjahr.

Und alle Hilfe hat Grenzen: Nicht jeder Igel ist um jeden Preis zu retten. In solchen Fällen ist mit Igelstation und Tierärzt*innen zu klären, welche Maßnahmen sinnvoll sind oder nicht. Gewisse Verluste vermag eine gesunde Igelpopulation zu verkraften – und ihr eine optimale Lebensgrundlage zu bieten, ist vorrangige Aufgabe bei der Igelhilfe. 

Dieser Beitrag erschien in der Naturschutz heute

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