Die Bewirtschaftung nasser Moore ist ein entscheidender Hebel beim Klimaschutz

Paludikultur trifft auf Moorschutz

Die meisten Moore in Europa werden forst- und landwirtschaftlich genutzt. Sie stoßen viel CO₂ aus. Für Naturschutz, Landwirtschaft und Wirtschaft heißt das: An einem Strang ziehen und diese Moore wieder zu Klimaschützern machen! Das kann gelingen, wenn wir Moore nass bewirtschaften.
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Landwirtschaft auf nassen Böden hat eine jahrhundertalte Tradition. Die in Norddeutschland typischen Reetdachhäuser sind ein Beispiel dafür. Für das Reet wurde vorher Schilf angebaut und verarbeitet. Diese Anbauform wird heute auch Paludikultur genannt. Der Begriff ist jedoch recht neu und stammt aus den 1990er Jahren. Palus ist lateinisch und bedeutet übersetzt Sumpf.

Mit Paludikultur ist Landwirtschaft oder Forstwirtschaft gemeint, die auf nassen Mooren stattfindet. Bedingung für Paludikultur ist, dass das Gebiet das ganze Jahr nass bleibt: Ist der Wasserstand nah an der Oberfläche, bleibt der in großen Mengen im Torf gespeicherte Kohlenstoff im Boden und gelangt nicht als CO₂ in die Atmosphäre. Zudem kann sich bei idealen Bedingungen auch weiterhin Torf bilden.

Paludikultur begegnet uns auch im Alltag: Wer in der Seenlandschaft Mecklenburg-Vorpommerns unterwegs oder in Mooren spazieren geht, ist sicher schon Zeuge von „nasser Landwirtschaft“ geworden – zum Beispiel bei Heuernten auf feuchten Wiesen oder grasenden Wasserbüffeln auf nassen Weiden. Heute geht es darum, das Wissen um Paludikultur wiederzubeleben, weiterzuentwickeln und marktfähig zu machen.

Paludikultur konkret

Moore schützen und nass bewirtschaften

Intakte Moore sind großartige Ökosysteme und bieten wertvolle Ökosystemleistungen: Denn sie schützen uns Menschen vor Hochwasser, speichern und filtern Wasser, helfen, das Klima zu stabilisieren, indem sie Kohlenstoff speichern und haben eine hohe Bedeutung für den Schutz der biologischen Vielfalt.

Durch die Wiedervernässung degradierter Moorböden lassen sich diese natürlichen Funktionen wiederherstellen. Solche Flächen müssen also keinen Verlust für die Land- und Forstwirtschaft bedeuten, im Gegenteil: Paludikultur ermöglicht eine nachhaltige und wirtschaftliche Nutzung nasser Böden. Die gewonnene Biomasse kann zur Herstellung traditioneller, aber auch innovativer Produkte eingesetzt werden. Der Bedarf nach klimaschonenden Anbaumethoden ist groß. Neben Produkten wie Papier oder Dämmplatten, kann Paludikultur auch energetisch eingesetzt werden: Pflanzenmasse kann in einer Biogas-Anlage vergoren werden und zu Öko-Gas werden.

Reet, Verpackungen, Medizin: Das alles steckt im Moor

Vom wiedervernässten Moor zum Produkt: Aus Rohrkolben lässt sich Isoliermaterial herstellen. Aus Schilf werden Reetdächer oder Verpackungen. Paludikultur schlägt die Brücke zwischen Moorschutz und Landwirtschaft. Die Palette an möglichen Paludikultur-Produkten ist schon jetzt breit. Hier einige vielversprechende Beispiele:

Was wir jetzt brauchen, ist der politische Wille, bessere Rahmenbedingungen für diese nachhaltige Land- und Forstnutzung zu ebnen. Naturschützer*innen und innovative Unternehmen stehen längst in den Startlöchern.

Der NABU-Klimafonds ist ein Beispiel, Paludikultur mit Unternehmen zusammenzubringen und voranzutreiben. Ziel ist es, Paludikultur weiter zu professionalisieren und marktfähig zu machen.

Politik in die Pflicht nehmen

Wer Klimaschutz sagt, muss auch Paludikultur sagen

Wird Paludikultur etabliert, ist die Senkung von Treibhausgasen das primäre Ziel, während die land- oder forstwirtschaftliche Nutzung beibehalten werden kann. Unter idealen Bedingungen ist auch Torfwachstum möglich. Wir haben es hier also mit einem entscheidenden Instrument im Kampf gegen die Klimakrise zu tun. Das wird deutlich, wenn wir auf die aktuellen Treibhausgasemissionen in Europa blicken.

In Europa gehören entwässerte Moore zu den größten Emittenten von Treibhausgasen: Rund fünf Prozent der gesamten EU-Treibhausgasemissionen stammen aus Mooren, die für die Land- oder Forstwirtschaft entwässert wurden. Nur mit besseren Rahmenbedingungen auf europäischer Ebene und in Deutschland kann die „Moorwende“ gelingen. So benötigen Grundeigentümer*innen und Landnutzer*innen klare politische Zielvorgaben, um den Ausstieg aus der entwässerungsbasierten Moorbodennutzung und den Umstieg auf Paludikultur zu meistern.



Vor allem in moorreichen Regionen muss eine großflächige Umstellung der entwässerungsbasierten Landnutzung auf Paludikultur durch staatliche Förderung unterstützt werden.

Standpunkt Moorschutz

Der NABU hat seine Forderungen an die Politik auf Bundes- und Länderebene in seinem Standpunkt Moorschutz zusammengefasst und umfangreich mit Argumenten untermauert.  

Zum NABU-Standpunkt

Häufige Fragen über Paludikultur

Moore wiedervernässen und nachhaltig nutzen - so geht's

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