Tragödien auf dem Meer für Mensch und Tier

Havarien und Umweltkatastrophen

Schiffshavarien und Ölunfälle hinterlassen tiefe Spuren: Meere, Tiere und Menschen leiden. Von Costa Concordia bis Deepwater Horizon – wir schauen auf die Umstände und Folgen einiger großer (Beinahe-)Unglücke der letzten Jahrzehnte.
Schmierfettklumpen zwischen Seegras am Strand, Verschmutzungen durch Nord Stream 2.
Schmierfettklumpen© Foto: NABU/Nils Möllmann

1. Schiffshavarien vor der deutschen und europäischen Küste

1.1 Brennender Autofrachter im Wattenmeer

Am 25. Juli 2023 geriet das Frachtschiff „Fremantle Highway“ vor der niederländischen Wattenmeerküste in Brand, vermutlich durch eine defekte Autobatterie. Niederländische Rettungskräfte konnten das Schiff löschen und stabil halten. Nach einer Woche gelang schließlich das Abschleppen nach Eemshafen. Eine größere Umweltkatastrophe für das Wattenmeer – das Schiff hat auch 1,6 Millionen Liter giftiges Schweröl geladen – konnte verhindert werden.

Gefährliches Schweröl

Das hochgiftige Schweröl sinkt schnell zum Meeresboden ab, erstickt das dortige Leben und wird auf natürlichem Weg erst nach Jahrzehnten abgebaut. Der Marinediesel treibt länger an der Oberfläche und kann deshalb besser durch Ölsperren eingesammelt werden. Insbesondere bei Seevögeln führt der Treibstoff aber ebenso schnell zu Verunreinigungen. Ihr Gefieder verliert bereits durch wenige Tropfen Öl seine isolierende Wirkung, die Tiere unterkühlen und sterben, da sie eine Körpertemperatur von über 40 Grad Celsius aufrechterhalten müssen. Über das Öl gelangen auch beispielsweise krebserregende Substanzen in die Nahrungskette und reichern sich in größeren Tieren an. 

Erste Opfer des auslaufenden Öls wären also verölte Vögel. Aber auch sämtliche andere Tiere wie Schweinswale, Seehunde und Kegelrobben wären betroffen, wenn sie die giftigen Substanzen wie aromatische Kohlenwasserstoffe aufnehmen. 

1.2 Havarie vor Langeoog – Blaues Auge fürs Weltnaturerbe Wattenmeer

Am 29. Oktober 2017 warf der Herbststurm „Herwart“ den über zweihundert Meter langen, mit 1.800 Tonnen Schweröl betankten Frachter „Glory Amsterdam“ auf eine Sandbank vor der ostfriesischen Insel Langeoog, wo er tagelang festhing. Tausende Ringelgänse, Eiderenten und Watvögel hielten sich derweil in dem einzigartigem Naturraum des Nationalpark Wattenmeer auf, fraßen sich Fettreserven an oder kamen, um zu überwintern. Glücklicherweise trat kein Öl aus.

Vier Tage nach der Havarie gelang es am frühen Morgen des 2. November zwei Hochseeschleppern, den Frachter in tieferes Wasser zu ziehen. Zuvor wurden mehr als 16.000 Tonnen Ballastwasser abgepumpt.

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1.3 Benötigte Konsequenzen aus den Beinahe-Katastrophen

Glücklicherweise ist das Wattenmeer in beiden Fällen mit einem blauen Auge davongekommen. Dass das Wattenmeer explizit gefährdet ist, zeigt auch die Einstufung des Wattenmeers als international anerkanntes „besonders sensibles Meeresgebiet“, wodurch Maßnahmen für verstärkte Sicherheit auf Schiffen oder Routenänderungen explizit ermöglicht werden sollen.

Nach wie vor fordert der NABU Konsequenzen aus den Havarien, wie ein Verbot von Schweröl als billigen Schiffstreibstoff. Insbesondere in sensiblen Lebensräumen wie dem Wattenmeer aber auch in der Arktis ist es unverantwortlich, mit Schweröl betankte Schiffe als tickende Zeitbomben fahren zu lassen. Als Abfallprodukt der Erdölraffinerie stellt Schweröl gleich in zweierlei Hinsicht ein Umweltrisiko dar.

NABU-Forderungen zum Schutz des Wattenmeers

Der Schutz des Wattenmeers muss endlich Vorrang vor wirtschaftlichen Interessen haben:

  • Der Seeverkehr muss neu geordnet werden, sodass eine Gefährdung von Meeresschutzgebieten durch potenzielle Havarien deutlich reduziert wird.
  • Ebenso der Transport von Batteriefahrzeugen: er braucht strengere Transport- und Brandschutzauflagen
  • Deutschland muss im Schulterschluss mit den Niederlanden und Dänemark eine aktive Rolle in der Internationalen Seeschifffahrtsorganisation einnehmen und entsprechende Standards für zukünftige Autotransporte und die Verkehrslenkung in der südlichen Nordsee erarbeiten

Da es kein Einzelfall ist, dass Schifffahrtslinien quer durch Meeresschutzgebiete führen – gleich fünf zerstückeln das Naturschutzgebiet „Sylter Außenriff – Östliche Deutsche Bucht“ – gibt es großen Nachholbedarf der Bundesregierung beim Schutz von Nord- und Ostsee.

  • Die Bundesregierung muss mindestens die Hälfte aller Meeresschutzgebiete der Natur vorbehalten. Nur so wird Deutschland den Verpflichtungen der EU-Biodiversitätsstrategie gerecht, halten wir Klimakrise und Artensterben vor unserer Haustür auf.

1.4 Die Tragödie der „Costa Concordia“

Am 13. Januar 2012 verunglückte das Kreuzfahrtschiff Costa Concordia vor der Insel Giglio, 32 Menschen starben. Zwar konnte die große Umweltkatastrophe, die ein Austreten der 2.400 Tonnen Schwer- und Dieselöl ausgelöst hätte, abgewendet werden, dennoch hat die Havarie die Insel verändert. NABU-Meeresschutzexperte Kim Detloff lebte drei Jahre auf der kleinen Insel im Nationalpark Toskanischer Archipel und machte sich auch nach dem Unglück ein Bild vor Ort.

2. Ölkatastrophen

Deepwater-Horizon: Ölkatastrophe im Naturparadies

Im Juli 2010 versank nach einer Explosion die Förderplattform „Deepwater Horizon“ im Golf von Mexiko. Elf Menschen starben und fast 800 Millionen Liter Erdöl verschmutzten eines der wertvollsten Ökosysteme entlang der Südküste der USA.

Die Explosion der „Deepwater Horizon“ verschmutzte mehr als 1.500 Kilometer Küste, zehntausende Meerestiere starben, allein der US Fish and Wildlife Service sammelte 7.258 tote Vögel ein. Über 40.000 Menschen verloren ihre Lebensgrundlage.

Die ganze Golfregion leidet auch lange nach der Katastrophe noch unter den Folgen des Öls. Große Mengen Öl verbergen sich in den marinen Sedimenten und den Salzwiesen der Küsten. Bei Sturm werden die giftigen Stoffe ausgewaschen und belasten das Ökosystem. Bis zu einer Erholung des Tiefseeökosystems, samt seiner Korallenriffe könnte es 50 Jahre dauern. Als großer Fehler stellte sich nachträglich auch der massenhafte Einsatz des Dispersionsmittels Corexit dar. Dieses ist zusammen mit dem gebundenen Öl giftiger als das Öl allein.

Menschliches Versagen und Schlamperei haben maßgeblich zu dem Unglück beigetragen. Monate dauerte es, den Ölausstrom in großer Tiefe zu stoppen. Entgegen aller Vernunft geht die riskante Ölförderung auf See weiter. Aus Profitgier setzen internationale Konzerne die Zukunft ganzer Ökosysteme aufs Spiel und gefährden Menschen und die Umwelt gleichermaßen.

Letze Aktualisierung: 05/2026

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