Wolfspopulationen in Norwegen, Schweden und Finnland
Wölfe in den nordischen Ländern
Die Skandinavische Population in Schweden und Norwegen
Die Skandinavische Population mit 48 Rudeln und 27 Paaren besteht aus Wölfen in Schweden und Norwegen (Winter 2020/21). Der Großteil des Bestandes liegt mit 36 Rudeln und 21 Paaren in Schweden. In Norwegen befinden sich nur fünf Rudel und fünf Paare, jeweils ergänzt durch einige Wölfe im Grenzgebiet.
Ein großes Problem der skandinavischen Population ist deren geringe genetische Vielfalt: Der Inzuchtkoeffizient ist mit 0,23 sehr hoch und fast vergleichbar mit dem einer Verpaarung unter Geschwistern. Die Skandinavische Population geht auf nur drei Individuen in den 1980ern zurück, die aus der Karelischen Population einwanderten.
Seither gab es nur sporadisch Wölfe, die es von dort über die Rentiergebiete im Norden bis nach Mittelschweden geschafft haben, ohne geschossen zu werden – und sich dann auch fortpflanzten. Die Skandinavische Population kann somit als größtenteils isoliert eingestuft werden. Um den Inzuchtkoeffizienten zu senken, ist die Reproduktion von mindestens einem Zuwanderer in fünf Jahren das Ziel. Hierfür gab es sogar schon gezielte Umsiedlungen von Wölfen aus Finnland nach Schweden, die jedoch meist nicht zu einer Verpaarung führten.
Management in Schweden
Norwegen und Schweden haben sich auf 300 Wölfe als „kleinste überlebensfähige Population“ geeinigt, und an diesem Referenzwert wird sich orientiert. In Schweden gibt es eine Lizenzjagd auf Wölfe, die jeweils nach geschätztem aktuellem Bestand ausgelegt wird. 2019 und 2020 wurde die Jagd ausgesetzt, weil der Bestand unter 300 Wölfe gesunken war. 2021 und 2022 wurde die Jagd wieder aufgenommen.
Schweden wird jedoch von der EU-Kommission beobachtet, die das Land zuletzt 2015 aufgefordert hat, sich beim Wolfsschutz an EU-Recht zu halten. NGOs arbeiten daran, die schwedische Lizenzjagd vor den Europäischen Gerichtshof zu bringen. Die Akzeptanz von Wölfen konnte durch legale Bejagung nicht erhöht werden. Gleichzeitig ist illegale Jagd eine der größten Bedrohungen für Wölfe in Schweden.
Fakt ist: 300 Individuen sind als Zielgröße schon für einen gesunden Bestand extrem wenig, um die langfristige Überlebensfähigkeit zu sichern. Die Entscheidung, eine Population wie die Skandinavische, die von Inzucht und illegaler Jagd bedroht ist, auch noch legal zu bejagen, ist nicht nachvollziehbar. Zudem werden bei der Jagd auch zuwandernde Wölfe geschossen, was die Chancen schmälert, dass eine größere genetische Vielfalt entsteht. Zusätzlich werden in Schweden jährlich gezielte Ausnahmegenehmigungen zum Abschuss von Wölfen ausgestellt, die sogenannte Schutzjagd. Hiermit sollen Schäden an Rentieren und Jagdhunden vermieden werden. Seltener geht es um Weidetiere.
Management in Norwegen
Nur fünf Prozent der Landesfläche wird als offizielles Wolfsgebiet eingestuft – nur hier dürfen sich Rudel bilden. Obwohl es in Norwegen viel geeigneten Lebensraum für Wölfe gibt, wird ihre Ausbreitung strikt begrenzt und die Akzeptanz ist traditionell gering. In Norwegen gibt es eine jährliche Lizenzjagd auf Wölfe mit dem Ziel, den (geringen) Anteil an den insgesamt 300 vereinbarten Wölfen mit Schweden nicht zu überschreiten.
Somit soll es laut dem norwegischen Wolfsmanagement nur vier bis sechs jährliche Reproduktionen geben, von denen drei komplett in Norwegen verortet sein sollen. Aufgrund dieses Ziels hat Norwegen für 2022 51 Tiere zum Abschuss freigegeben, was etwa 60 Prozent der norwegischen Wolfspopulation ausmacht.
Norwegen ist nicht Teil der EU und somit nicht an die FFH-Richtlinie gebunden. Dennoch gibt es starken Widerstand aus Teilen der Bevölkerung und von NGOs, die die Regierung auffordern, dem Wolfsschutz entsprechend der Berner Konvention zur Erhaltung der europäischen wild lebenden Pflanzen und Tiere und ihrer natürlichen Lebensräume nachzukommen. Herdenschutz wird nur selten eingesetzt, da es im offiziellen Wolfsgebiet nur wenig Weidetierhaltung gibt.
Quellen: ROVDATA & SLU: Bestandsübersicht Winter 2020/21 (2021); Darpö & Epstein (2015): Thrown to t he Wolves – Sweden once again flouts EU standards on species protection and access to justice.
Die Karelische Population in Finnland
2021 wurden in Finnland 32 bis 38 Rudel sowie 18 bis 25 Paare mit einer durchschnittlichen Territoriumsgröße von 800 bis 1.200 km² vermutet. Die finnischen Wölfe gehören zusammen mit denen Russlands zur Karelischen Population.
Dass es nur in der südlichen Hälfte Finnlands feste Wolfsvorkommen gibt, liegt an der Zweiteilung des Landes bezüglich des Schutzstatus laut FFH-Richtlinie: Zum Schutz der nördlichen Rentierbestände, die als hohes Kulturgut angesehen werden, haben Wölfe dort einen geringeren Schutzstatus. Das bedeutet, dass sie zwar geschützt sind, aber eine Regulierung nach strengen Ausnahmekriterien möglich ist. Das hat Konsequenzen für die benachbarte, isolierte Skandinavische Population: Über Nordfinnland gelangt somit nur äußerst selten ein Wolf nach Schweden, der den Genpool der dortigen Population bereichern könnte. Das hat zur Folge, dass der dortige Inzuchtkoeffizient hoch ist.
Im Rest Finnlands haben Wölfe einen höheren Schutzstatus, was eine Bejagung nur in streng geprüften Ausnahmefällen zulässt. Die finnische Regierung genehmigte jedoch offizielle Jagden auf Wölfe mit der Begründung, so die Akzeptanz zu steigern und die vielen illegalen Tötungen zu reduzieren. Der Europäische Gerichtshof urteilte 2019, dass eine Alternativenprüfung fehle und es keine hinreichenden wissenschaftlichen Belege für eine Akzeptanzsteigerung einer geschützten Art durch Jagd gäbe. Für 2022 sollten dann aus anderen Gründen – in diesem Fall: Populationsmanagement – in Finnland 18 Wölfe gejagt werden. Dortige Gerichte untersagten die Jagd jedoch, bis die Genehmigungen gründlich geprüft seien.
Ein großer Faktor für Konflikte und die geringe Akzeptanz in Finnland sind von Wölfen getötete Jagdhunde. In Finnland sind die Hunde, anders als hier, vor allem bei der Elchjagd lange und mit großer Distanz zu ihren Halter*innen eigenständig unterwegs. Sie können somit von Wölfen als Eindringlinge gewertet und attackiert werden oder verteidigen sich gegen die ihnen nachstellenden Jagdhunde. An alternativen Jagdmethoden wird gearbeitet, Schutzwesten für Jagdhunde sind auch verbreitet.
Quellen: Natural Resources Institut Finland LUKE (2021); Managementplan für die Wolfspopulation in Finnland (2019); EuGH-Urteil in der Rechtssache C-674/17 vom 10. Oktober 2019
Stand: April 2022