Wissenswerte Fakten

Wie gefährlich sind Eichenprozessionsspinner?

Es juckt und brennt: Immer mehr Menschen kommen mit den Gifthaaren der Eichenprozessionsspinner-Raupen in Kontakt. Durch den Klimawandel breitet sich die Art immer weiter in Deutschland aus. Wer gern in Parks, Wäldern und Straßen mit vielen Eichen spazieren geht oder joggt, sollte ab Mai vorsichtig sein.
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Eichenprozessionsspinner-Schild
Achtung, Eichenprozessionsspinner!© Foto: NABU/Jan Piecha

Der Eichenprozessionsspinner (Thaumetopoea processionea) ist ein Nachtfalter aus der Unterfamilie der Prozessionsspinner und ist heimisch in den Eichenwäldern in Süd- und Mitteleuropas. Durch den Klimawandel breitet sich die Art auch immer weiter nördlicher aus. Neben Wäldern kommt der Spinner aber auch im Siedlungsbereich vor, etwa in Alleen, Gärten, Parks oder auf Friedhöfen. 

Bekannt und gefürchtet ist der Eichenprozessionsspinner wegen der Brennhaare der Raupen. Ab dem dritten Larvenstadium bilden die Raupen feine Brennhärchen, die innen hohl sind und das Eiweißgift Thaumetopoein enthalten. Gelegentlich kommt es zu Massenvermehrungen. Diese natürliche Phänomen sind in der Vergangenheit stets auch ohne Eingriffe des Menschen zurückgegangen.

Merkmale

Ausgewachsene Falter sind relativ unauffällig braun-grau, mit einem buschigen Kopf und einigen schwachen Querstreifen auf den Vorderflügeln, welche meist direkt über dem Hinterleib gehalten werden. Wie bei den meisten Nachtfaltern sind die Antennen des Männchens größer und stärker gefächert als die des Weibchens. Die Flügelspannweite beträgt etwa 30 Millimeter, der Falter fliegt zwischen Ende Juli und Anfang September.

Die Raupen häuten sich sechs Mal bis sie ein vollendeter Falter werden. Ab dem dritten Larvenstadium – je nach Wetter kann das bereits ab Ende April/Anfang Mai geschehen – bilden sich die für den Menschen gesundheitsgefährdenden Brennhaare. Anfänglich sind die Larven braun-gelblich, in späteren Stadien haben sie außerdem einen breiten dunklen Streifen auf dem Rücken. Der schwarze Kopf ist in etwa so breit wie der Körper. Im letzten Stadium vor der Verpuppung sidn die Raupen bis zu fünf Zentimeter lang. Sie kommen meist in großen Ansammlungen (Nester) auf Eichen vor.

Achtung Verwechslungsgefahr: Die Gespinnste von Eichenprozessionsspinnern sind oft nur an einer oder wenigen Stellen im Baum. Wenn Sie im Frühjahr und Frühsommer Büsche und Bäume entdecken, die komplett eingesponnen sind, handelt es sich wahrschinlich um die harmlosen Gespinnstmotten.

Lebenszyklus

Die adulten Falter fliegen hauptsächlich im Juli und August. In dieser Zeit findet auch die Paarung statt. Anschließend legt das Weibchen die Eier in großen Paketen an Baumstämmen ab (vor allem an Eichen) und bedeckt diese mit Härchen, um sie vor Kälte und Fressfeinden zu schützen.

Die Larven überwintern in diesen Eiern, das erste Raupenstadium schlüpft im April oder Mai des nächsten Jahres. Die geschlüpften Raupen bleiben in einer Gruppe und spinnen Nester, aus denen sie meist nur nachts zur Nahrungssuche kommen. Im Laufe des Frühsommers häuten sie sich mehrfach und lassen die Larvenhäute (inklusive der Brennhärchen) in den Nestern zurück. Nach der Verpuppung in den Gespinnstnestern, ab etwa Ende Juni, und einer drei- bis sechswöchigen Puppenruhe schlüpfen im August die Falter, die eine Lebensdauer von nur wenigen Tagen haben.

Schäden

Auch wenn die Raupen der Eichenprozessionsspinner liebend gerne Eichenblätter fressen, ist der Schaden für die Forstwirtschaft relativ gering. Die vermehrte Bekämpfung hat vielmehr mit den möglichen gesundheitlichen Schäden bei Mensch und Tier zu tun. Die Brennhärchen der Raupen ab dem dritten Larvenstadium enthalten das Nesselgift Thaumetopoein (benannt nach dem wissenschaftlichen Namen des Eichenprozessionsspinner), welches eine Immunreaktion auslösen kann. Diese äußert sich in Juckreiz, Hautentzündungen und vereinzelt in Nesselsucht. Vor allem wenn die Brennhaare in die Augen oder Atemwege kommen, kann es zu stärkeren Reaktionen kommen.

Fakten und Tipps

Weitere Tipps für den Garten

Die Nester dürfen nicht selbständig entfernt werden, dies sollte man den Expert*innen überlassen. Beim mechanischen Verfahren, werden die Raupen und deren Nester mit Hilfe entsprechender Geräte abgesaugt, verbrannt oder eingesammelt. Hier ist der Vorteil, dass auch die Brennhaare der Raupen dauerhaft entfernt werden. Dies wird von professionellen Schädlingsbekämpfungsbetrieben durchgeführt.

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Der NABU empfiehlt das Absaugen der Nester, denn beim Abflammen könnten zum einen die Bäume geschädigt werden und durch die Erzeugung der warmen Luft, könnten die Brennhäarchen umhergewirbelt werden. Leider entscheiden sich einige Eigentümer*innen von „befallenen“ Bäumen diese zu fällen: Wir plädieren, die Bäume zu erhalten. Besonders alte Eiche sind selten. Sie sind Lebensraum für viele Tiere, sie spenden Schatten, liefern uns Sauerstoff, reinigen die Luft und kühlen die Umgebungstemperatur.

Auch chemische Bekämpfung ist für viele Besitzer*innen eine Option. Hier werden Insektiziden genutzt, das ist aber nur dann besonders effektiv, wenn dies während der ersten beiden Larvenstadien geschieht – also etwa zwischen Mitte/Ende April und Mitte/Ende Mai. Achtung: Insektizide töten aber nicht nur die Eichenprozessionsspinner, sondern alle Insekten, die damit in Kontakt kommen. 

Der Einsatz von Mitteln ist über das Pflanzenschutzgesetz und das Chemikaliengesetz reguliert. Alternativ bieten naturnahe Gärten Lebensraum für natürliche Fressfeinde der Prozessionsspinner – hier gibt es aber leider noch keine weitreichenden Studien. Auch das Aufhängen von Meisenkästen oder Pheromonfallen, die Eichenprozessionsspinner spezifisch anlocken, könnten eine Hilfe sein.

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