Interview mit Bodo Rudolph aus Brandenburg
Naturschutz bei Wind und Wetter

Es ist ein kalter Novembertag in Brandenburg. Doch der Schneeregen hält die Mitglieder des Regionalverbands Brandenburg/Havel nicht von ihrem geplanten Arbeitsansatz ab. Die Pflege einer Orchideenwiese bzw. eines Trockenrasens steht heute auf dem Plan. Natur- und Umweltschutz machen keine Winterpause und so treffen sich die Aktiven an diesem Samstag und legen los. Unter ihnen auch Bodo Rudolph, Vorstandsvorsitzender und ein erfahrener Naturschutzmacher.
Seit wann bist du beim NABU und was hat dich dazu bewegt, Mitglied zu werden?
Bodo Rudolph: Seit 1. Februar 1990 bin ich Mitglied beim NABU, weil mein Engagement auch schon in der DDR dem Naturschutz insbesondere der Vogelkunde galt, und es für mich wichtig war, im nun geeinten Deutschland einen „Ziele und Inhalte, Ort und Raum“ mit Gleichgesinnten zu teilen. Der NABU (damals noch DBV, Deutscher Bund für Vogelschutz) wurde es, da ich Gelegenheit bekam, die Naturschutzakademie Gut Sunder und den damaligen Vorsitzenden Klaus Dürkop kennenzulernen.
Stichwort Natur: Was war dein erstes oder prägendstes Erlebnis in oder mit der Natur?
Ich war noch nicht mal Schulkind, da haben meine Eltern den Garten der Großeltern übernommen im Umfeld der Stadt Brandenburg. In unserem Garten stand eine Kopfweide, in der der Grünspecht seine Höhle gezimmert hatte. Das konnte ich als Kind schon beobachten. Im Frühjahr konnte ich in der Nähe des Gartens die Rohrdommel im Schilf hören – ein geheimnisvoller Vogel! Es gab immer wieder Erlebnisse in der Natur, die mich erfreut haben, die ich spannend fand und die mir gezeigt haben, dass mein Herz für die Natur schlägt.
Als Mitglied engagierst du dich aktiv ehrenamtlich – was gehört dazu und was macht dir besonders viel Spaß?
Ich bin Vorsitzender vom NABU Regionalverband Brandenburg/Havel e.V. und koordiniere gemeinsam mit den anderen Vorstandsmitgliedern viele Pflege- und Arbeitseinsätze. Dabei wirke ich auch selbst mit, nehme Freischneider bzw. Harke in die Hand. Sehr viel Spaß machen mir Exkursionen mit anderen Experten, damit ich mich weiterentwickeln kann. Aber genauso gern bin ich mit neuen Mitgliedern unterwegs, zeige ihnen unsere Naturschätze, gebe mein Wissen weiter. Begeisterung zu entfachen und zu erleben, das ist wunderbar. Und wenn ich sehe, dass unsere Artenschutzprojekte den Zielarten die weitere Existenz ermöglichen, bin ich auch sehr froh.
Was sind für dich die größten Herausforderungen, mit denen du im Ehrenamt umgehen musst, und wie meisterst du sie oder ihr in eurer Gruppe?
Ich sehe eine große Herausforderung darin, wie wir die Themen des Klimawandels mit Naturschutz-Fragen in Verbindung bringen. Hier am Rietzer See läuft ein Moorschutzprojekt und wir müssen die Moormineralisierung und CO2-Freisetzung aus den Mooren stoppen. Gleichzeitig haben wir hier auf verschiedenen Flächen auch sehr wertvolle Pflanzen-Bestände, die durch die Wiedervernässung mehr Wasser kriegen als bisher. Wie werden die darauf reagieren? Bei solchen Fragen im Gespräch zu bleiben, ist auch bei uns im Ehrenamt sehr wichtig. Da braucht es sicherlich auch wissenschaftliche Begleitung, damit wir die Artenvielfalt erhalten und gleichzeitig gegen die Klimakrise vorgehen können.
Was gibt dir die Motivation, dich aktiv für die Natur und Umwelt zu engagieren? Welcher Erfolg des NABU hat dich besonders begeistert?
Naturschutz ist für mich die Erhaltung der Lebensgrundlagen auf unserer Erde. Das ist ganz eng mit uns selbst verknüpft. Wir sind ein Bestandteil der Natur. Wir sind eine Art in dieser Natur. Wir denken zwar immer, dass wir uns darüber erheben können, aber das ist falsch. Wir müssen im Einklang mit der Natur leben, viel stärker als wir es jetzt tun. Das motiviert mich.
Mich begeistert vor allem, dass wir im NABU Brandenburg/ Havel so gewachsen sind. Es gibt viele spannende Aktivitäten. Seit 20 Jahren veranstalten wir zum Beispiel das NABU-Camp für Kinder, die mittlerweile erwachsen sind. Wir haben viele Menschen für das Thema Natur sensibilisiert und ihnen gezeigt, dass uns die Natur viel Stärke, Kraft, Freude geben kann.
Was würdest du neuen Mitgliedern empfehlen – was sollen sie unbedingt machen oder ausprobieren?
Neue Mitglieder sollten unsere Exkursionen besuchen. Und sie sollten sich auch mal erfahrenen Experten anschließen. Bei individuellen Touren kann man seine Artenkenntnisse besonders gut vertiefen. Ich glaube, man muss sich auf den Weg machen und sich das Wissen selbst erarbeiten. Wir haben heute mit dem Smartphone tolle Technik und hervorragende Apps für Pflanzen oder Vogelstimmen. Aber das ist sehr flüchtiges Wissen. Um Artenkenntnis zu vertiefen, muss der Kopf die Dinge verarbeiten und das geht bei Exkursionen besonders gut.
(Das Interview führte Theresa Schunk.)
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