Interview mit Sabrina Hennig aus Rangsdorf
Im Einsatz für den Amphibienschutz

Von Februar bis Ende April heißt es für Sabrina Hennig aus Rangsdorf bei Berlin Abend für Abend und Morgen für Morgen: Wer braucht sicheres Geleit über die Straße? Es ist ein recht kühler Aprilabend, langsam geht die Sonne unter und ein Kranichpärchen sucht auf dem Feld neben der Landstraße nach einem abendlichen Snack, als wir Sabrina und weitere Ehrenamtliche bei ihrem Einsatz begleiten. Ihre Aufgabe: Erdkröten, Wasserfrösche, Teichmolche, Knoblauchkröten und Moorfrösche vor der Gefahr des Straßenverkehrs zu bewahren. Denn kaum wird es dunkel, wandern die Tiere von einem Feuchtgebiet auf der einen Straßenseite zum gegenüberliegenden. Doch dazwischen lauern tödliche Gefahren in Form von Autos und Motorrädern. Um die Amphibien zu schützen, stellen die Ehrenamtlichen links und rechts der Straße 238 Meter Zaun auf. Alle paar Meter befindet sich ein mit Moos und Laub befüllter Eimer, in den die Tiere weich fallen, wenn sie am Zaun entlanglaufen oder hüpfen. Dort können sie gemütlich auf helfende Hände warten, die sie behutsam über die Straße tragen. Über ihre Arbeit, Motivation und den Weg zum NABU hat Sabrina mit uns im Interview gesprochen.
Seit wann bist du beim NABU und was hat dich dazu bewegt, Mitglied zu werden?
Sabrina Hennig: Im Jahr 2021 sind wir mit der Familie in den NABU eingetreten. Schon lange kreisten meine Gedanken um eine Mitgliedschaft in einer Organisation, die sich für die Natur und den Artenerhalt einsetzt. Doch durch mein damaliges Reithobby, eigene Pferde und zwei Kinder habe ich keine Zeit gefunden, mich für anderes zu engagieren, geschweige denn, mich intensiv um eine Mitgliedschaft zu kümmern. Um etwas zu helfen, übernahm ich Tier-Patenschaften in verschiedenen Organisationen.
Irgendwann fing ich an, das Internet zu durchforsten, um eine Gruppe zu finden, bei der ich vor Ort helfen konnte, jedoch hatte ich für mich nicht so das Richtige gefunden. Entweder waren die Wege zu lang oder ich habe mich nicht mit den Angeboten identifizieren können. Dass ich ein NABU-Mitglied geworden bin, kam daher, dass ich schon seit Jahren in unserem Ort die Vielzahl an überfahrenen Amphibien in einem sensiblen Straßenbereich beobachtete. Im Frühjahr 2021 hatten meine Familie und ich versucht, die Lurche in feuchten Nächten von der Straße zu sammeln und umzusetzen. Leider konnten wir nur sehr wenige retten.
An einem Abend gab ein nicht sehr schönes Erlebnis. Ein Autofahrer fuhr die Straße einmal hoch und wieder runter und hatte damit etliche Amphibien überfahren. Teilweise zuckten die Tiere noch, andere lagen mit ausgestreckter Zunge auf der Straße. Diese Bilder gingen mir sehr ans Herz und nach diesem Abend ließ mich der Gedanke nicht mehr los, etwas ändern zu wollen. Des Weiteren sah ich unsere Natur in Gefahr, da immer mehr Flächen in unserem Ort bebaut wurden.
Durch Zufall lernte ich ein NABU-Mitglied kennen, der die Idee hatte, alle Rangsdorfer NABU-Mitglieder zu einem Treffen einzuladen, zu dem circa 15 Mitglieder erschienen. Dies war im Dezember 2021. Seitdem besteht die NABU- Rangsdorf und ich bin ehrlich gesagt sehr stolz auf diese kleine Gruppe, da wir mit einem kleinen Stamm von Aktiven nicht nur die Amphibienrettung, sondern auch eine Streuobstwiese betreuen. Seit letztem Jahr arbeiten zwei unserer Mitglieder mit einem ortsansässigen Hort und zwei Kitas zusammen, um den Kindern die Natur und den Artenschutz näher zu bringen.
Stichwort Natur: Was war dein erstes oder prägendstes Erlebnis in oder mit der Natur?
Naturerlebnisse habe ich jeden Tag, wenn ich aus dem Haus gehe. Ich beobachte gern die Tiere und es fasziniert mich immer wieder, wenn im Frühjahr die Natur mit dem Zwitschern der Vögel, dem jungen Grün an den Bäumen und den ersten Frühblühern erwacht und sich später über den Herbst langsam für die Winterruhe vorbereitet.
Ein Erlebnis ist mir tatsächlich im Gedächtnis geblieben. Anfang der 90er hatte ich mit einer Freundin meine erste Fernreise in die Dominikanische Republik unternommen. Was nicht fehlen durfte, war das Baden im Atlantik. Als ich hüfthoch im Wasser stand, erfasste mich plötzlich eine Welle und drückte mich mit Wucht an den Meeresboden. Obwohl die Welle nicht sonderlich groß gewesen ist, hatte sie eine gewaltige Kraft, so dass ich große Mühe hatte, wieder hochzukommen.
Als Mitglied engagierst du dich aktiv ehrenamtlich – was gehört dazu und was macht dir besonders viel Spaß?
Neben dem Amphibienprojekt engagiere ich mich für den Schutz der Schwalben und Fledermäuse. Des Weiteren setzt ich mich für die Aufklärung zu den Gefahren beim Einsatz von PP-Erosionsschutzmatten in der Böschungssicherung ein, da in diesen Reptilien, Amphibien sowie Insekten verenden. Für viele Themenbereiche wird Durchhaltevermögen benötigt. Dies ist manchmal nicht so einfach. In der Gemeinschaft etwas zu bewirken, was ein Einzelner nicht bewerkstelligen kann, und Neues zu erleben und zu erlernen finde ich sehr spannend.
Was sind für dich die größten Herausforderungen, mit denen du im Ehrenamt umgehen musst, und wie meisterst du sie oder ihr in eurer Gruppe?
Viele Menschen, haben verschiedene Meinungen. Die Herausforderung ist, Kompromissbereitschaft und den Mittelweg zu finden. In der Gruppe kann es einfacher sein, da wir im Grunde alle das gleiche Anliegen haben: die Artenvielfalt und Umwelt zu schützen. Um Dritte zu überzeugen, kann nur gehofft werden, dass Aufklärung und Öffentlichkeitsarbeit hilft zu verstehen, dass wir nicht mehr so verschwenderisch mit unseren Ressourcen umgehen können wie bisher.
Was gibt dir die Motivation, dich aktiv für die Natur und Umwelt zu engagieren?
Fortschritt und Wachstum kann man nicht aufhalten, aber mit dem Wissen, welches heute vorhanden ist, muss es möglich sein, mit der Natur und nicht gegen die Natur zu arbeiten. Profit und Konsum darf nicht mehr Wert haben, als die aufregenden und wunderschönen Facetten unserer Erde, die es zu schützen und zu bewahren gilt, damit auch der Mensch ihn ihr noch lange existieren kann.
Welcher Erfolg des NABU hat dich besonders begeistert?
Unser Erfolg ist die Amphibienrettung. In diesem Jahr haben wir bereits bis Mitte April über 1.700 Tiere - im Vorjahr insgesamt 848 - umgesetzt. Unser Ort kann sich glücklich schätzen, noch so viele Amphibien zu haben, andere NABU-Gruppen berichten von einem konstanten Rückgang der Amphibienbestände.
Was würdest du neuen Mitgliedern empfehlen – was sollen sie unbedingt machen oder ausprobieren?
Es gibt neben vielen interessanten Veranstaltungen auch Arbeitseinsätze, an denen teilgenommen werden kann. Einfach mal hingehen und ausprobieren. In allen Fällen trifft man auf Gleichgesinnte, mit denen Gedanken und Erfahrungen ausgetauscht werden können.
(Das Interview führte Theresa Schunk.)
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