Interview mit Frederik Schawaller aus Hamburg
Engagement im Kleinen wie im Großen

Als wir Anika am Öjendorfer See in Hamburgs Osten getroffen haben, gesellt sich auch Frederik zu uns. Er ist ebenfalls in Hamburg aktiv. Ein persönlicher Schwerpunkt von ihm ist die Beschäftigung mit den großen Eingriffen in die Natur, wie sie im Süden Hamburgs immer wieder drohen – ganz akut durch den geplanten Bau der A26-Ost mitten durch ein hochgradig wertvolles Niedermoor oder die geplante Rodung eines natürlich gewachsenen Waldes in der Stadt, dem Wilden Wald in Wilhelmsburg. Hierbei findet auch viel Zusammenarbeit mit NABU-Hauptamtlichen statt, etwa bei Erarbeitung von Stellungnahmen oder der Organisation öffentlicher Kampagnen gegen die Naturzerstörungen. Gerade kürzlich endete die Kampagne zur Rettung des Wilden Waldes. Wie er zum NABU gekommen ist und was ihn so begeistert, hat er uns im Interview verraten.
Seit wann bist du beim NABU und was hat dich dazu bewegt, Mitglied zu werden?
Frederik Schawaller: Ich bin offizielles NABU-Mitglied seit dem Jahr 2000. Dies war weniger ein guter Vorsatz für das neue Jahrtausend, sondern schon die Folge einer ausgedehnten Schnupperphase in der NABU-Gruppe bei mir vor Ort, der Gruppe Süd in Hamburg. Ich bin zum NABU gekommen, um mich im Naturschutz zu engagieren.
Stichwort Natur: Was war dein erstes oder prägendstes Erlebnis in oder mit der Natur?
Über das wirklich erste oder prägendste Erlebnis müsste ich, fürchte ich, länger nachdenken. Aber es haben sich viele schöne, relativ frühe Naturerlebnisse eingeprägt. Zum Beispiel auf einer Reise mit einer Jugendgruppe in Mecklenburg-Vorpommern - ich war wohl 13 Jahre alt -, als der Pastor eines Ortes aus heiterem Himmel anbot, mir die Kraniche zu zeigen, die sich fast immer an einer bestimmten Stelle in der Nähe aufhalten sollten. Den Anblick des Kranichpaares an einer wassergefüllten Senke in der weiten Landschaft erinnere ich sehr genau. Oder eine Winterwanderung bei strahlendem Sonnenschein durch den verschneiten, stillen Hochharz, bei der dann ein Trupp bunter, ganz eigentümlich singender Vögel in den Baumspitzen erschien: Meine erste Begegnung mit Fichtenkreuzschnäbeln.
Als Mitglied engagierst du dich aktiv ehrenamtlich – was gehört dazu und was macht dir besonders viel Spaß?
In der NABU-Gruppe, in der ich aktiv bin, wechseln die Schwerpunkte etwas im Jahresverlauf. Im zeitigen Frühjahr schützen wir zum Beispiel an mehreren Straßen wandernde Amphibien mit mobilen Zäunen. Im Laufe des Sommers pflegen wir durch schonende Mahd eine Feuchtwiese, die an einem Bach gelegen ist, ein absolutes Kleinod. Im Winter „entkusseln“ wir im Winter Heide- und Moorflächen in Naturschutzgebieten. Diese gemeinsamen Einsätze haben etwas sehr Befriedigendes. Besonders interessant ist es für mich, die Entwicklung der Natur auf unseren Betreuungsflächen genau zu beobachten, im besten Falle, wie sich Tier- und Pflanzenarten dort wieder ausbreiten. Ich selbst gehöre in der Gruppe auch zum Leitungsteam, welches die Sitzungen plant, den Austausch mit Behörden pflegt und generell auch als Ansprechpartner für Naturschutz-Fragen zur Verfügung steht. Uns erreichen vor allem im Frühjahr und Sommer viele Emails und Anrufe.
Was sind für dich die größten Herausforderungen, mit denen du im Ehrenamt umgehen musst, und wie meisterst du sie oder ihr in eurer Gruppe?
Es gibt zeitliche Herausforderungen - hier hilft Aufgabenteilung. Wir haben die Leitung der Gruppe daher zum Beispiel auf ein vierköpfiges Team aufgeteilt. Die größte Herausforderung ist sicher die, sich immer wieder mit umfangreichen Planungen für große Bauvorhaben auseinanderzusetzen, bei denen - entgegen aller öffentlichen Bekundungen - weder Naturschutz noch Klimaschutz eine Rolle spielt. Es ist aber gut und tut gut, sich dann gemeinschaftlich für den Schutz der betroffenen Gebiete zu engagieren.
Was gibt dir die Motivation, dich aktiv für die Natur und Umwelt zu engagieren?
Ich habe über die Jahre erlebt, dass das Engagement einen positiven Unterschied macht: Bäume, die nicht gefällt werden, eine Fläche, die unter Schutz gestellt wird, vielleicht auch nur, dass ein Eingriff abgeschwächt werden kann. Was die Motivation aufrechterhält, sind auch die vielen Kontakte zu anderen Menschen im Naturschutz, die ja alle eine Faszination für die Natur eint, und aus denen häufig freundschaftliche Verbindungen entstehen.
Welcher Erfolg des NABU hat dich besonders begeistert?
Konkret konnten wir in zwei Gebieten, die teilweise von der NABU-Gruppe gepachtet wurden, Maßnahmen mit sehr schönen Effekten selbst umsetzen oder veranlassen. Auf einer Feuchtwiese, die wir seit gut 10 Jahren pflegen, haben sich bedrohte Pflanzenarten wie die Kuckucks-Lichtnelke und das Moor-Labkraut wieder stark ausgebreitet, und sogar die Schachblume und das Breitblättrige Knabenkraut sind nach Jahren in Einzelexemplaren wieder aufgetaucht. Und an einer Gewässergruppe in der Elbmarsch brüten nach der Anlage einer Brutinsel heute wieder Kiebitze und auch der Flußregenpfeifer.
Ein anderer Erfolg aus jüngerer Zeit war, zusammen mit anderen Akteuren die schon akut geplante Rodung des Vollhöfner Waldes stoppen zu können, eines seit Jahrzehnten unberührten Pionierwalds von über 40 Hektar Größe. Die Baugrunduntersuchungen waren dort bereits im Gange. Im Rahmen der NABU-Kampagne „Völli bleibt!“ schickten über 15.000 Menschen einen Protestbrief an Hamburgs Bürgermeister.
Was würdest du neuen Mitgliedern empfehlen – was sollen sie unbedingt machen oder ausprobieren?
Ich würde empfehlen, bei praktischen Naturschutz-Einsätzen des NABU mitzumachen, sei es eine Müllsammelaktion im Auwald, eine Moorschutzmaßnahme oder eine Aktion zur Renaturierung eines Bachlaufes. Einerseits tut man etwas Gutes für die Natur, andererseits lernt man die Landschaft auf besonders intensive Art kennen, nicht selten in Bereichen, die normalerweise gar nicht zu betreten sind. Wer überlegt, sich kontinuierlich für die Natur vor Ort einzusetzen, dem kann ich nur empfehlen, Kontakt zur örtlichen NABU-Gruppe aufzunehmen. Es ist hier immer möglich, so wie ich es gemacht habe, zunächst nur „hineinzuschnuppern“.
(Das Interview führte Theresa Schunk.)
Wir sind für Sie da




