Wie sieht nachhaltige Waldwirtschaft heute aus?

Praxisnahe Erforschung mit Projekt „Gläserner Forstbetrieb“

Wie lassen sich die Förderung der Naturnähe und die Stabilität der Wälder unter einen Hut bringen? Das deutschlandweit einmalige Projekt gibt Aufschluss über Artenvielfalt, Holzernte und Klimaresistenz im Wirtschaftswald.
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Hitzerekorde, schwerste Bodendürre und Waldbrandschäden auf großer Fläche: In Brandenburgs arten- und strukturarmen Forsten wurde die Wald-Klima-Krise in den vergangenen Jahren so deutlich wie nie zuvor. Und nie waren die Anforderungen an die Waldbewirtschaftung höher als jetzt.

Wie kann eine naturverträgliche Waldwirtschaft in Zeiten der Klimakrise gelingen? Das interdisziplinäre Forschungsprojekt „Gläserner Forstbetrieb“ (2017 bis 2023) liefert dazu Antworten. Im Revier der Landeswaldoberförsterei Reiersdorf wurden dabei neue Ansätze einer ökologisch, sozial und ökonomisch nachhaltigen Waldwirtschaft erarbeitet.

Zentrales Ziel der Waldbewirtschaftung in der Landeswaldoberförsterei Reiersdorf ist die Entwicklung:

• dauerhaft stabiler (möglichst resistent gegenüber biotischen und abiotischen Einflüssen),

• anpassungsfähiger (im Hinblick auf Veränderungen der Umwelt),

• leistungsfähiger (bezogen auf die ökologischen und ökonomischen Wirkungen) und

• artenreicher Wälder (entsprechend der jeweils waldtypischen Ausstattung).

Datei-Pfad aus Imperia:

Download-Beschreibung: Konzept zur Waldbewirtschaftung in der Landeswaldoberförsterei Reiersdorf
Download-Link: /imperia/md/content/nabude/veranstaltungen/20230421_nabu_konzept_landesoberfoersterei_reiersdorf.​pdf

Ziel des Projektes war es, eine naturnahe sowie ökologisch, sozial und ökonomisch nachhaltige Waldwirtschaft im nordostdeutschen Tiefland auf Grundlage der Prinzipien des Ökosystemansatzes praxisnah zu erforschen. Das Ökosystem Wald – in seiner Funktion als Wirtschaftswald – soll stabilisiert und gleichzeitig die Ökosystemdienstleistungen gefördert werden.

Deutschlands Wälder im Wandel

Schon seit langem befinden sich Deutschlands Wälder in einem Wandel und Spannungsfeld der gesellschaftlichen Erwartungen. Standen in der Vergangenheit fast ausschließlich bereitstellende Funktionen – wie etwa Holzernte im Vordergrund, rückten zuletzt auch die Bildung von Boden, der Erhalt der genetischen Vielfalt und in neuerer Zeit die Suche nach Erholung und Naturtourismus in den Fokus.

Dieses Spannungsfeld stellt unsere Wälder vor enorme Herausforderungen, auch im Hinblick auf die Klimakrise. In Wirtschaftswäldern gilt es die verschiedenen Ansprüche unter einen Hut zu bringen. Im Vordergrund steht dabei die Förderung der Naturnähe und Stabilität der Wälder. Das Projekt „Gläserner Forstbetrieb“ war daher ein wichtiger Schritt, um gemeinsam in bewirtschafteten Wäldern zu testen, wie die verschiedenen Waldbewirtschaftungsmaßnahmen langfristig wirken. Im Normalbetrieb wäre das nicht möglich.

Für diesen Zweck stellten die NABU-Stiftung Nationales Naturerbe und der Landesbetrieb Forst Brandenburg mehr als tausend Hektar Wald für die Forschungszwecke zur Verfügung. Die beiden Gebiete liegen im nördlichen Brandenburg, in der Nähe von Gollin sowie am Wittwesee bei Rheinsberg.

Im Rahmen des Projektes wurden die Auswirkungen auf verschiedene Ökosystemleistungen (wie beispielsweise die Rohholzversorgung oder die Klimaschutzleistung) untersucht. Dabei kamen auch sogenannte mikroklimatische Datenlogger zum Einsatz. Diese kleinen Geräte messen permanent die Temperatur und relative Luftfeuchtigkeit im Wald. So konnte erforscht werden, welchen Einfluss etwa Holzernte- oder Verjüngungsmaßnahmen auf das Innenklima des Waldes haben – eine entscheidende Frage im Hinblick auf die Stresstoleranz der Wälder im Klimawandel.

Eine Ausgangsthese des Projektes war, dass ein naturnahes Waldmanagement der Erhaltung und Entwicklung von Ökosystemdienstleistungen dient, ohne die langfristige ökonomische Rentabilität von Forstbetrieben zu beeinträchtigen.

Projektpartner Forschungsprojekt „Gläserner Forstbetrieb“