Grundsatzprogramm zum Planen und Bauen in Deutschland

Wie geht nachhaltige Siedlungsentwicklung?

Vieles hat sich in Sachen Siedlungsentwicklung in den letzten 20 Jahren getan. Deshalb hat der NABU sein Grundsatzprogramm „Nachhaltige Siedlungsentwicklung“ auf den neuesten Stand gebracht. Unser Ziel: lebenswerte Räume und mehr Nachhaltigkeit.
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Der Siedlungsbereich ist der zentrale Ort des Zusammenlebens von Mensch und Natur. Auf engstem Raum prallen unterschiedliche Interessen aufeinander. Städte und Gemeinden sind für den Menschen Wohn-, Lebens- und Arbeitsort; für Tiere und Pflanzen steht ein reichhaltiges Mosaik an verschiedensten Lebensräumen zur Verfügung. Deshalb ist es umso wichtiger, in Siedlungen als Schnittstelle für „beide Parteien“ gemeinsame Lösungen zu entwickeln, die ein nachhaltiges Miteinander möglich machen. Ein Umdenken auf unterschiedlichen Ebenen, Innovationen und gesetzliche sowie planerische Änderungen schaffen den erforderlichen Rahmen dafür.

In den zurückliegenden 70 Jahren wurde weltweit mehr Fläche für Siedlungen verbraucht als in den 4.000 Jahren zuvor, dabei braucht es 2.000 Jahre bis sich eine Schicht von zehn Zentimeter fruchtbarem Boden bildet. Der knappen und endlichen Ressource Boden muss eine stärkere Bedeutung zugestanden werden, um wirksam den horrenden Flächenverbrauch zu reduzieren. Die Zerstörung und Versieglung des Bodens hat weitreichende Konsequenzen für Wasserhaushalt, Luftqualität, Hitze in Siedlungen und Lebensräumen von Flora und Fauna.

So grün wie möglich, so dicht wie nötig

In schnell wachsenden Städten sind es Frei- und Grünflächen, die als Erstes neuen Gebäuden weichen müssen. Dabei gibt es im Bestand jede Menge Möglichkeiten, Wohnraum zur Verfügung zu stellen und gleichzeitig Grünflächen zu erhalten. Eines der Kernthemen des Grundsatzprogrammes ist die „doppelte Innenentwicklung“, also die bauliche Nachverdichtung bei gleichzeitigem Erhalt der Grünflächen. Weiterhin wird so der Außenbereich von Siedlungen geschont und bietet Platz für ungestörte Naturräume. Im Hinblick auf existentielle Herausforderungen wie Klimawandel, Ressourcenknappheit, Artensterben und Verkehrswende könnte der Siedlungsbereich keine größere Bedeutung haben, da hier die negativen Auswirkungen am schnellsten spürbar werden.

„Naturschonendes Planen und Bauen sind wichtige Bausteine im Kampf gegen die Arten- und Klimakrise. Eine zeitgemäße Raum- und Stadtplanung nimmt den Druck von den Ökosystemen, unterstützt die Energie- und Verkehrswende und bildet die Grundlage dauerhaft lebenswerter Siedlungen. „Netto-Null“ bedeutet nicht, dass nach 2030 keine neuen Bauflächen mehr ausgewiesen und bebaut werden dürfen. Vielmehr sollen als Ausgleich für Bebauung anderenorts versiegelte Flächen entsiegelt und vor erneuter Bebauung freigehalten werden. Dazu ist ein generelles Umdenken nötig: Nicht der Schutz einer Fläche vor Bebauung muss zukünftig besonders begründet werden, sondern ihre Inanspruchnahme durch Bebauung. Die kommunale Planung muss sich mehr und mehr auf die sogenannte „doppelte Innenentwicklung“ konzentrieren, also auf die Nachverdichtung im Ort bei gleichzeitigem Erhalt von Grünflächen, um so den Flächenfraß an den Stadträndern zu begrenzen.

(NABU-Präsident Jörg-Andreas Krüger)

Die Handlungsfelder des Grundsatzprogrammes:

Datei-Pfad aus Imperia:

Download-Beschreibung: NABU-Grundsatzprogramm „Nachhaltige Siedlungsentwicklung“ (11/2019)
Download-Link: /imperia/md/content/nabude/nachbarnatur/200130-grundsatzprogramm-nachhaltige-siedlungsentwicklung.​pdf