Pflege, Auswilderung und Umweltbildung im Herze

NABU-Rehazentrum schützt bedrohte Schneeleoparden

Im Hochgebirge Kirgisistans betreibt der NABU ein einzigartiges Rehazentrum für Schneeleoparden und weitere Arten. Verletzte Tiere werden hier auf ihre Auswilderung vorbereitet. Außerdem dient die Einrichtung zur Umweltbildung der einheimischen Bevölkerung.
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Eingangstor zum Reha Zentrum Terek
© Foto: NABU/ Alimzhan Zhorobaev

Im Hochgebirge Kirgisistans betreibt der NABU das weltweit größte Freigehege für Schneeleoparden. Ziel des angeschlossenen Rehazentrums ist es, verletzten, geschwächten oder in Gefangenschaft gehaltenen Wildtieren zu helfen und ihnen – soweit möglich – eine Rückkehr in die freie Wildbahn zu ermöglichen. Schneeleoparden, die meist dauerhaft pflegebedürftig sind oder nicht mehr ausgewildert werden können, erhalten hier eine sichere Umgebung und artgerechte Betreuung.

Das Zentrum liegt im Ort Suluu-Terek in der Chui-Region, rund drei Autostunden östlich von Bischkek. Die Lage ist bewusst gewählt: kurze Wege für Rettungsaktionen, naturnahe Bedingungen für Pflege und Beobachtung sowie eine gute Verkehrsanbindung für alle Mitarbeitenden, Ranger*innen, Tierärzt*innen und zu Behörden. Die Umgebung ist außerdem Lebensraum vieler Wildtiere, so dass Auswilderungen direkt vor Ort durchgeführt werden können.

In Kirgisistan existieren nur wenige Zoos und Museen. Umweltbildung findet an Schulen bislang kaum statt. Aus diesem Grund dient das Rehazentrum auch als Ort der Umweltbildung: Schulklassen lernen die heimische Tierwelt kennen. Für die Öffentlichkeit werden Informationsmaterialien aufbereitet. Studierende mehrerer kirgisischer Universitäten besuchen regelmäßig das Rehazentrum im Rahmen von Exkursionen und Praxisprojekten. Seit 2024 besteht außerdem eine offizielle Kooperation mit dem kirgisischen Bildungsministerium.

Das neue NABU-Rehazentrum wurde 2022 eröffnet und löste das erste Zentrum ab, das rund 20 Jahre lang mehrere Autostunden weiter östlich nahe Ananyevo betrieben wurde. Mehr zur Geschichte findest du weiter unten.

Neben dem neuen Rehazentrum betreibt der NABU ein weiteres Umweltbildungszentrum in der Projektregion im Kara-Kujur-Tal. Dort gibt der NABU Kirgisistan Kindern und Jugendlichen aus den umliegenden Dörfern Einblicke in die Projektaktivitäten vor Ort sowie Umweltbildungsseminare.

Erfolge des Zentrums

Über 100 Tiere ausgewildert

Seit ihrer Gründung konnten die Mitarbeiter*innen unserer Rehazentren zahlreiche Wildtiere retten, pflegen und in ihre Lebensräume zurückbringen. Jede erfolgreiche Auswilderung ist ein wichtiger Beitrag für den Schutz der Artenvielfalt in Zentralasien. Nur wenn Tiere schwer verletzt sind und in freier Wildbahn nicht mehr überleben können – im Regelfall betrifft dies vor allem die Schneeleoparden – bleiben sie dauerhaft in der Obhut des NABU.

Seit 2004 wurden in den beiden NABU-Zentren in Kirgisistan bereits über 100 Wildtiere erfolgreich rehabilitiert und wieder in die Freiheit entlassen. Jede dieser Auswilderungen ist ein kleiner, aber bedeutender Erfolg für den Artenschutz in den kirgisischen Gebirgsregionen. Insgesamt konnten bisher 108 Tiere ausgewildert werden (Stand: November 2025) – darunter 87 Greifvögel und Eulen, sechs Luchse, drei Wölfe, zwei Rehe sowie weitere kleinere Wildtierarten wie Füchse und Wildkatzen.

Der Großteil der im Zentrum betreuten Tiere sind Greifvögel – darunter Adler, Bussarde, Falken und Milane. Sie werden nach Unfällen oder illegalem Fang im Zentrum medizinisch versorgt und trainieren anschließend in großen Volieren ihre Flugfähigkeit. Nach ihrer Genesung kehren sie dann in die Berge und Steppen des Landes zurück.

Luchse, Wölfe und Schneeleoparden: Behutsamer Umgang mit jedem Tier

Auch Säugetiere wie Luchse und Wölfe konnten nach intensiver Pflege wieder ausgewildert werden. Besonders bei Luchsen ist die Rehabilitation aufwendig, da sie scheue Einzelgänger sind, die für die Jagd ein intaktes Instinktverhalten benötigen. Da manche Tiere in freier Wildbahn nicht überleben können, bleiben sie dauerhaft im NABU-Rehazentrum oder anderen geeigneten Institutionen – so etwa Wolf Dirk hier im Bild, oder die beiden Schneeleopardinnen, die wir Euch im nächsten Abschnitt vorstellen, und die heute als Botschafterinnen ihrer Art gelten. Generell wird das Auswildern von jung gefangenen Schneeleoparden, die die Jagd nicht von ihrer Mutter erlernen konnten und eine Zeit lang von Menschen versorgt wurden, als zu riskant eingeschätzt – und bisher noch nie versucht.

Neben der praktischen Artenschutzarbeit ist das Rehazentrum heute auch ein fester Bestandteil der nationalen Umweltbildungsarbeit. Durch die Zusammenarbeit mit Universitäten und Behörden werden dort regelmäßig Workshops und Freiwilligenaktionen organisiert – etwa zu Anlässen wie dem Weltumwelttag oder gemeinsamen Umweltaktionen mit Studierenden. Auch in den nationalen Medien wird regelmäßig über die Arbeit des Zentrums berichtet, wodurch das Bewusstsein für Wildtierschutz und das NABU-Engagement in Kirgisistan weiter gestärkt wird: über 300 Medienbeiträge in TV, Radio, Print, und Online konnten bisher dokumentiert werden. (Stand: November 2025)

Schneeleopard im Rehazentrum

© Foto: Christian Martischius & Sara Sun Hee Schuh

Wir denken Tiermedizin, Forschung und Naturschutz zusammen

Die Erfolge zeigen, wie Tiermedizin, Forschung und Naturschutz im Rehazentrum ineinandergreifen. In enger Zusammenarbeit mit der Anti-Wilderei-Einheit „Gruppa Bars“ und kirgisischen Wildtierärzt*innen gelingt es, verletzten Tieren eine zweite Chance zu geben und so einen dauerhaften Beitrag zum Schutz der Artenvielfalt in Zentralasien zu leisten.

Die Gruppa Bars (deutsch: „Gruppe Schneeleopard“) sind im Autrag des NABU unterwegs, um effektiv gegen Wilderei vorzugehen. Sie gehen jedem Hinweis auf Wilderei nach, überprüfen Fellhändler auf Märkten und suchen im Gebirge nach aufgestellten Fallen. Die Ranger sind vorwiegend im Norden und Süden Kirgisistans aktiv.

Ausstattung des neuen Rehazentrums

Baktybek Azhybekov ist der Tierarzt des Rehazentrums und für die medizinische Versorgung aller tierischen Patienten zuständig. Da die Anlage über eine Veterinärstation mit OP-Raum verfügt, kann er schnell reagieren und fast alle medizinischen Eingriffe selbst vornehmen. Das Rehazentrum besteht aus einem Haupthaus und Volieren für Wildvögel. Dahinter, an grünen Hängen gelegen, befinden sich die riesigen Freigehege für Schneeleoparden und andere Wildtiere.

Das sind die aktuellen Bewohner des Rehazentrums

Stand: November 2025

Im NABU-Rehazentrum in Kirgisistan leben derzeit mehrere Tiere verschiedener Arten. Ihre Geschichten zeigen, wie wichtig engagierter Artenschutz vor Ort ist.

Schneeleopardin Kolijuchka wurde 2009 im Rehazentrum geboren. Da sie noch nie in freier Wildbahn gelebt hat, weiß sie nicht, wie man jagt und ist so sehr an Menschen gewöhnt, dass sie nicht ausgewildert werden kann. Kolijuchka ist ein ruhiges Tier. Die Mitarbeiter des Rehazentrums lässt sie nah an sich heran, vor allem, wenn sie ihr Futter bringen. Fremde lässt sie nicht in ihre Nähe. Der Name Kolijuchka bedeutet „Stachel“.

Schneeleopardin Ak-Moor wurde im Januar 2020 von Mitarbeitern der Anti-Wilderei-Einheit „Gruppa Bars“ in das Rehazentrum gebracht. Ak-Moor ist ein älteres Weibchen, das in einen Hühnerstall einbrach und versuchte, Haustiere zu töten. Da sie schon schwach war und drei ihrer Eckzähne beschädigt sind, scheiterte sie jedoch. Tierschützer übergaben die Schneeleopardin an den NABU, da sie in Freiheit nicht mehr überleben würde. Ak-Moor verhält sich Menschen gegenüber scheu und wild.

Luchs Leopold wurde 2012 gemeinsam mit zwei weiteren Luchsen in der Provinz Osch von der staatlichen Umweltinspektion beschlagnahmt. Die Beamte brachten die Tiere in das NABU-Rehazentrum, wo zwei der Luchse nach einem 1,5-jährigen Rehabilitationsprogramm in die Freiheit entlassen werden konnten. Da Leopold jedoch völlig zahm war, lebt er dauerhaft unter der Obhut des NABU. Leopold ist menschenbezogen, verspielt und schnurrt ziemlich viel.

Gib Schneeleoparden eine zweite Chance!

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Mit deiner Patenschaft kannst du Pflege und Auswilderung dieser und weiterer verletzter Tiere und Schneeleoparden unterstützen, außerdem unsere Umweltbildungsmaßnahmen in Kirgisistan.

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Greifvögel bevölkern fast ständig die Vogelvolieren im Rehazentrum. Aktuell (Stand: November 2025) sind hier Bussarde und ein Adler untergebracht und werden je nach Gesundheitszustand auf ihre Auswilderung vorbereitet.

Zu den Greifvogelarten, die in Kirgisistan vorkommen, zählen neben Adlern und Bussarden auch Falken, Milane, Weihen, sowie Habichte, Geier, und diverse Eulenarten.

Das Reh (noch) ohne Namen. Im Dorf Shaidan-Sai (Nooken Rajon) wurde dieses junge Reh im August 2024 von Jagdspezialist*innen entdeckt und einen Monat später von Mitarbeitenden der NABU-Partnerorganisation Gruppa Bars in das Rehabilitationszentrum gebracht. Das Tier war geschwächt und verängstigt, konnte jedoch dank fachgerechter Pflege stabilisiert werden. Nun steht eine behutsame Aufzucht im Vordergrund – mit dem Ziel, es später wieder in die Natur zu entlassen.

Die Geschichte unserer Reha- und Umweltbildungszentren in Kirgisistan

Der NABU engagiert sich seit vielen Jahren für den Schutz des Schneeleoparden in Zentralasien. Das erste Rehazentrum wurde 2002 eröffnet und war bis 2021 in Betrieb – stolze 20 Jahre! Es befand sich nahe dem Dorf Ananyevo am Nordufer des Issyk-Kul-Sees in der Region Yssykköl, rund 250 Kilometer östlich von Bischkek. In unmittelbarer Nähe zum Issyk-Kul-Biosphärenreservat bot der Standort günstige klimatische Bedingungen und Zugang zu den Hochgebirgshabitaten des Schneeleoparden.

Dort wurden bereits zahlreiche verletzte Tiere betreut, wie die Familie Bagira im Bild unten. Doch die räumlichen Bedingungen stießen bald an Grenzen. Mit Unterstützung kirgisischer Partnerorganisationen und vieler Spender*innen entstand schließlich der Neubau in Suluu-Terek, der 2022 eröffnet wurde. Das neue Zentrum bietet größere Gehege, moderne tierärztliche Versorgung und mehr Raum für Umweltbildungsprogramme – vor allem aber: eine bessere Verkehrsanbindung für Mitarbeitende und Besucher*innen gleichermaßen.

Einige Impressionen aus der Zeit des ersten Zentrums (2002 bis 2021)

Rehazentrum

Zentrums-Blog zum Nachlesen – Tagebuch von Tolkunbek Asylkulov (2022 - 2024)

Der Blog rund um die ersten Jahre des neuen Rehazentrums ist inzwischen abgeschlossen, bleibt aber als Archiv erhalten – ein beeindruckendes Zeugnis des Mitarbeitendenengagements vor Ort und vieler spannender Tiergeschichten.