Schiffsabgase schädigen Mensch und Natur

Luftreinhaltung in der Seeschifffahrt

Schiffe stoßen große Mengen an Schwefeloxiden, Stickoxiden, Feinstaub und Ruß aus. Diese Schadstoffe verursachen Atemwegs- und Herz-Kreislauf-Erkrankungen, schädigen Ökosysteme und belasten vor allem Hafenstädte und Küstenregionen.
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Kreuzfahrschiff liegt in einem Hafen, stößt Ruß aus.
Kreuzfahrtschiff© Foto: NABU/Thomas Lauch

Die internationale Seeschifffahrt basiert nahezu vollständig auf fossilen Energieträgern. Das bedeutet: die Schiffe fahren mit Erdöl oder Erdgas, bei deren Verbrennung erhebliche Mengen an Treibhausgasen frei werden, die die Klimakrise weiter vorantreiben.

Folgen der Luftverschmutzung

Schon jetzt leidet zudem unmittelbar die Gesundheit von Menschen und Natur: Die Schornsteine von Containerschiffen, Kreuzfahrtriesen, Fähren und anderen Schiffen blasen eine Vielzahl von Schadstoffen in die Luft. Darunter beispielsweise Schwefeloxide, Stickoxide, Rußpartikel und Feinstaub. Diese Schadstoffe belasten die menschliche Gesundheit etwa durch Atemwegserkrankungen und Herz-Kreislauf-Probleme.

In den besonders stark von Schadstoffen betroffenen Hafenstädten und in Küstenregionen mit hohem Schiffsverkehr führen sie sogar nachweislich zu zahlreichen vorzeitigen Todesfällen. Ein eindrückliches Beispiel ist das Mittelmeer: Dort ist der Schiffsverkehr laut aktuellen Studien wahrscheinlich für bis zu 85 Prozent der gesamten Stickstoffdioxid-Emissionen verantwortlich.

Auch die Ökosysteme an Land und im Meer leiden unter den giftigen Wolken. Luftschadstoffe mindern zudem Erträge in der Landwirtschaft und schädigen Gebäude und Kulturerbe aus Sandstein und Marmor. 

So entstehen und wirken die Luftschadstoffe

Schwefeloxide (SOx)

Schwefeloxide entstehen bei der Verbrennung schwefelhaltiger Treibstoffe und gehören zu den besonders gefährlichen Schadstoffen in unserer Atemluft. Sie reizen die Atemwege, fördern Herz-Kreislauf-Erkrankungen und tragen zur Bildung von Feinstaub sowie saurem Regen bei, der Böden, Gewässer und Pflanzen schädigt.

2020 wurde der Grenzwert für den Schwefelgehalt in Schiffskraftstoffen endlich reduziert: Der maximal zulässige Schwefelanteil wurde von zuvor 3,5 Prozent auf 0,5 Prozent gesenkt – ein wichtiger Fortschritt. In sogenannten Schwefelemissionskontrollgebieten (engl. Sulphur Emission Control Area, SECA), einer Art Umweltzone auf dem Meer, gilt sogar ein noch niedrigerer Grenzwert von 0,1 Prozent. Dennoch liegen diese Werte noch immer etwa 500 beziehungsweise 100-mal höher als der EU-Grenzwert für Kraftstoffe im Straßenverkehr (maximal 0,001 Prozent).

Stickoxide (NOx)

Stickoxide zählen zu den bedeutendsten Schadstoffen aus der Schifffahrt – mit weitreichenden Folgen für Mensch und Umwelt. Sie entstehen bei der Verbrennung fossiler Kraftstoffe unter hohen Temperaturen, wie sie in Schiffsmotoren typisch sind. Der weltweite Schiffsverkehr verursacht zum Beispiel rund zehn Prozent aller globalen Stickstoffdioxid-Emissionen.

Stickoxide tragen maßgeblich zur Bildung von bodennahem Ozon bei, das die Atemwege reizt und Erkrankungen wie Asthma verschärfen kann. Auch Herz-Kreislauf-Probleme stehen in Zusammenhang mit hoher Stickoxidbelastung.

Unter den hohen Stickoxidemissionen leidet nicht nur die menschliche Gesundheit, sondern auch die Natur: Sie sind ein wesentlicher Treiber der Eutrophierung von Gewässern, also der Überdüngung durch Stickstoffeinträge. Dies führt zur Verarmung von Flüssen, Seen und Meeren in den Küstenregionen, zum Beispiel durch Algenblüten und Sauerstoffmangel.

Trotz dieser Risiken gelten für die Schifffahrt weiterhin nur unzureichende Grenzwerte. Zwar schreibt die Internationale Seeschifffahrtsorganisation (engl. International Maritime Organization, IMO) für Schiffe, die nach dem 1. Januar 2011 gebaut wurden, strengere Stickoxid-Limits vor, und in sogenannten Stickoxid-Emissionskontrollgebieten (engl. Nitrogen Emission Control Area, NECA) gelten nochmals verschärfte Vorgaben. Dennoch bleiben diese Standards weit hinter den EU-Grenzwerten für Pkw und Lkw zurück.

Technische Lösungen wie Stickoxidkatalysatoren, die im Straßenverkehr längst etabliert sind, finden sich auf Schiffen bislang nur vereinzelt – meist beschränkt auf Fahrten in den NECAs. Flächendeckende Anreize zur Stickoxid-Minderung fehlen weiterhin.

Feinstaub und Ruß

Bei der Verbrennung fossiler Kraftstoffe, insbesondere von minderwertigem, unzureichend gereinigtem Treibstoff wie Schweröl, werden erhebliche Mengen an Feinstaub und Rußpartikeln freigesetzt. Diese ultrafeinen Partikel dringen tief in die Atemwege ein und stehen im Zusammenhang mit Atemwegserkrankungen, Herz-Kreislauf-Problemen sowie einem erhöhten Risiko für Lungenkrebs.

Auch für die Umwelt haben Feinstaub und Ruß schwerwiegende Folgen: Sie können sich auf Pflanzenoberflächen ablagern und die Photosynthese stören, Böden versauern sowie Gewässer verunreinigen. Trotz der bekannten Risiken existieren bislang keine spezifischen Grenzwerte für Rußemissionen aus der Schifffahrt. 

Ein Werkzeug für bessere Luft? Die EU-Luftqualitätsrichtlinie

Neben den Grenzwerten für Kraftstoffe gibt es auch verbindliche, europäische Richtwerte für die oben genannten Schadstoffe, die tatsächlich in der Luft gemessen werden. Diese Grenzwerte werden in der EU-Luftqualitätsrichtlinie festgelegt (engl. Ambient Air Quality Directive). Sie gelten nicht nur für die Schifffahrt, sondern müssen überall in der EU eingehalten werden.

Umweltzonen auf dem Meer

Was regeln die Emissionskontrollgebiete?

Emissionskontrollgebiete (engl. Emission Control Area, ECA) sind Meeresgebiete in denen die IMO verbindliche strengere Regeln für Schwefel und für Stickoxide beschlossen hat.

So soll die Gesundheit, insbesondere der Hafen- und Küstenbewohner*innen, geschützt und die lokalen Ökosysteme entlastet werden. Indirekt haben sie auch einen positiven Einfluss auf die Klimawirkung der Schifffahrt, da sie einen Anreiz für klimafreundliche Kraftstoffe setzen.

Seit 2025 ist auch das Mittelmeer Umweltzone

Neben den bereits länger etablierten Emissionskontrollgebieten in Nordamerika, der Karibik sowie in Nord- und Ostsee, in denen sowohl Schwefel- als auch Stickoxidgrenzwerte gelten, ist seit Mai 2025 auch das Mittelmeer offiziell als SECA ausgewiesen. Ab 2026 werden zudem die kanadische Arktis und die norwegischen Küstengewässer zu ECAs erklärt (jeweils SECA und NECA). Im September 2027 wird auch der Nordostatlantik als weiteres Gebiet sowohl als SECA als auch als NECA gelten. 

Fazit

Für alle Schadstoffe gilt: Besonders betroffen von der Verschmutzung der Luft sind die Menschen in den Hafenstädten und Küstenregionen. Um die Gesundheit und das Leben von Mensch und Natur zu schützen, gibt es europaweite und internationale Richtwerte sowie Emissions-Kontrollgebiete auf dem Meer.

Diese können wirksame Maßnahmen sein, um die Atemluft in den Hafenstädten und Küstenregionen zu verbessern. Die Länder müssen jedoch ihrer Verpflichtung nachkommen, die Grenzwerte auch einzuhalten und dafür technische und strukturelle Lösungen bereithalten.

Letzte Aktualisierung: 09/2026

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