Eine Brückentechnologie ins Leere
LNG als Schiffstreibstoff
Aufgrund ihres erheblichen Beitrags zu Luftschadstoff- und Treibhausgasemissionen kommt der Schifffahrt eine besondere Bedeutung im Klimaschutz und in der Luftreinhaltung zu. Zwar gilt die Seeschifffahrt, bezogen auf die transportierte Gütermenge, als vergleichsweise energieeffizienter Verkehrsträger, dennoch verursacht sie rund drei Prozent der weltweiten Treibhausgasemissionen. Darüber hinaus trägt die Schifffahrt in erheblichem Umfang zur globalen Luftverschmutzung bei: Etwa zehn Prozent der weltweiten Emissionen von Stickstoffdioxid und Schwefeldioxid sind auf den Schiffsverkehr zurückzuführen, ebenso ein relevanter Anteil an Ruß- und Feinstaubemissionen.
Das heute primär als Schiffstreibstoff eingesetzte Schweröl, aber auch der höherwertigere Marinediesel verursachen aufgrund ihrer Abgase sowie im Falle von Havarien enorme Klima- und Umweltbelastungen. Eine Alternative ist unumgänglich, wenn die Schifffahrt als das zentrale Transportmittel einer globalisierten Weltwirtschaft eine ökologisch verträgliche Zukunft haben soll. Als eine mögliche Lösung wird der Einsatz von LNG als maritimer Kraftstoff diskutiert, insbesondere auch vor dem Hintergrund der Grenzwerte für Schwefel- und Stickoxide auf globaler Ebene. Doch tatsächliche Klimaauswirkungen während des gesamten Lebenszyklus des Kraftstoffs sowie bestehende technische Probleme sind nicht abschließend untersucht und von bestehender Regulatorik nicht vollständig abgedeckt. Eine vom NABU in Auftrag gegebene Studie liefert aktuelle Untersuchungsergebnisse.
Entweichendes Methan als Klimakiller
Aus Klimasicht hat LNG in der Schifffahrt keine Daseinsberechtigung und darf, auch mit Blick auf das Ziel einer klimaneutralen Schifffahrt bis 2050, keine Rolle spielen. Während LNG durch den niedrigen Preis und geringe Luftschadstoff-Emissionen als Treibstoff in der Schifffahrt diskutiert wurde, ist der dabei nicht zu verhindernde Methanschlupf ein wahrer Klimakiller. Denn das entweichende Methan hat kurzfristig eine 85-mal stärkere Klimawirkung als CO2. Die Klimabilanz von LNG verschlechtert sich durch diesen Effekt grundlegend und kann laut einer Studie des International Council for Clean Transportation (ICCT) mit Schweröl und Marinediesel auf eine Stufe gestellt werden.
Gerade bei Kreuzfahrtschiffen kann die Klimabilanz mit LNG sogar schlechter ausfallen als mit Diesel, da die hier genutzten Motoren besonders hohe Methanemissionen verursachen. Aufgrund der langen Lebensdauer von Schiffen birgt eine Umstellung auf LNG die Gefahr langfristiger Lock-In-Effekte für fossiles Erdgas. Die Argumentation, dass LNG als „Übergangstechnologie“ diene, trägt so nicht, da hierdurch Investitionen in langfristig nachhaltige Lösungen verhindert werden. Die Erhöhung der Attraktivität klimafreundlicherer Treibstoffe, insbesondere Wasserstoff, Ammoniak oder Methanol, wäre stattdessen entscheidend, um diese mittelfristig in ausreichenden Mengen zu produzieren.
Probleme LNG-betriebener Schiffe mit Landstrom
Eine vom NABU in Auftrag gegebene Studie zeigt einen weiteren zentralen Zielkonflikt bei der Nutzung von LNG in der Schifffahrt: Viele LNG-betriebene Schiffe können während ihrer Liegezeit im Hafen technisch nicht problemlos auf Landstrom umschalten – obwohl diese emissionsmindernde Maßnahme in der EU ab 2030 vorgeschrieben ist. Grund dafür ist sogenanntes Boil-Off-Gas (BOG), das durch die Lagerung von LNG bei extrem niedrigen Temperaturen (-162°C) unvermeidlich entsteht und kontinuierlich gemanagt werden muss, um gefährliche Druckanstiege in den Tanks zu vermeiden. Werden beim Landstrombetrieb die Schiffsmotoren abgeschaltet, fehlt oft eine sichere Möglichkeit zur Verwertung dieses BOGs. Die Folge können Methanemissionen oder ineffiziente Verbrennung sein, die die Klimavorteile der Landstromnutzung teilweise wieder aufheben.
Die zentralen Ergebnisse der Studie
Die Studie macht deutlich, dass die technische Auslegung von LNG-Schiffen und regulatorische Vorgaben zur Landstromnutzung bislang nicht ausreichend aufeinander abgestimmt sind und dringend nachgebessert werden müssen. Die Energiewende im maritimen Bereich braucht nicht nur ambitionierte Ziele, sondern auch systemisch durchdachte Lösungen.
Die Studie zum Nachlesen
Datei-Pfad aus Imperia:
Download-Beschreibung: Zusammenfassung der Studie: LNG-Schiffe (26-02-04)
Download-Link: /imperia/md/content/nabude/verkehr/260204_nabu_zusammenfassung_lng_studie.pdf
Datei-Pfad aus Imperia:
Download-Beschreibung: Gesamte Studie auf Englisch: LNG boil-off gas at berth (26-02-04)
Download-Link: /imperia/md/content/nabude/verkehr/300126-study-lng_boil-off_gas_at_berth-nabu.pdf
Datei-Pfad aus Imperia:
Download-Beschreibung: Infografiken zur LNG-Studie auf Englisch - Grafik: Margherita Gagliardi (26-02-04)
Download-Link: /imperia/md/content/nabude/verkehr/260202-lng_shipping_infographic-logo.pdf