Die Uckermark ist geprägt von einer weitgehend offenen, stark meliorierten Kulturlandschaft mit intensiv genutzten Ackerflächen, Grünland und kleineren Waldfragmenten, die inselartig auf der Karte erscheinen.
Zukunftsfähige Landschaften in Deutschland sind „grün, feucht und kühl“
Neue Studie zeigt Hitzezonen und verweist auf Handlungsmöglichkeiten
Der Grün-Feucht-Kühl-Index zeigt auf: Je grüner und kühler die Landoberfläche war, desto mehr Niederschläge fielen. – Foto: NABU/Jan Piecha
Grün, feucht und kühl – das sind Eigenschaften von Ökosystemen, die sich wechselseitig begünstigen und damit für die Klimakrise am besten gewappnet sind: Das ist das Ergebnis einer Auswertung von umfangreichen Datensätzen, die unter anderem auf Satellitenaufnahmen beruhen.
Nicht nur Städte heizen sich auf
Die neuen Daten zeigen zum einen, dass sich besonders Ballungsräume und Industriegebiete an heißen Tagen überproportional aufheizen. Zum anderen wird deutlich, dass auch in Regionen mit strukturarmer Landwirtschaft großflächige Hitzelandschaften entstanden sind. Ohne Bäume, Hecken und Feldgehölze – also ohne angemessene Anteile naturnaher Vegetation – trocknen die Böden aus, heizen sich auf und verstärken einen Teufelskreis. In der Folge wachsen Pflanzen schlechter, es drohen Wasserknappheit und somit Ernteverluste.
Die Forscher*innen des von Prof. Pierre Ibisch, Peter Wohlleben und Kolleg*innen gegründeten Econics Instituts haben erstmals einen „Grün-Feucht-Kühl-Index“ (Link zur Studie) für Deutschland veröffentlicht und in Partnerschaft mit dem NABU präsentiert. Wichtigste Ergebnisse: Die Art der Landnutzung ist für fast ein Fünftel der Temperaturunterschiede verantwortlich. Und je grüner und je kühler die Landoberfläche war, desto mehr Niederschläge fielen in den Jahren 2018 bis 2024 – und zwar nicht nur in Bergregionen. Der Untersuchungszeitraum umfasst die fünf wärmsten Jahre seit Beginn der Wetteraufzeichnungen. Die Studie zeigt zudem deutlich, dass die Veränderung der Landnutzung ein Schlüssel für die Zukunftsfähigkeit Deutschlands ist.
Landwirtschaftliche Gebiete heizen sich besonders stark auf und weisen eine geringe Leistungsfähigkeit auf. Grafik: NABU/M. Michalka
Kühle Landschaften – mehr Regen – gesündere Ökosysteme
Regionen mit Wäldern, Feuchtgebieten, vielen Hecken und Dauergrünland sind hingegen deutlich kühler. Sie speichern und verdunsten Wasser und fördern sogar den Niederschlag. Besonders Wälder sind natürliche Klimaanlagen. Sie nutzen Sonnenlicht für die Fotosynthese, spenden Schatten am Boden, speichern und verdunsten Wasser und wandeln die Strahlungsenergie unter anderem in Biomasse und Ökosystemarbeit um. Auch Moore und andere Feuchtgebiete kühlen die Landschaft und fördern den Wasserhaushalt der Landschaften. Versiegelte Flächen in Städten oder intensiv genutzte Äcker hingegen heizen sich an heißen Tagen stark auf und trocknen aus – durch Rückkopplungen entsteht eine Hitze- und Austrocknungsspirale.
Die Leistungsfähigkeit stellt die Dreiecksbeziehung „grün-feucht-kühl” sowie die damit verbundenen positiven oder negativen Rückkopplungseffekte in der Landschaft dar. Grafik: NABU/M. Michalka
Starke regionale Unterschiede
Beim Blick auf die Deutschlandkarte zeigen sich starke Unterschiede zwischen Bundesländern und Regionen, die nicht nur durch Höhe über dem Meeresspiegel zu erklären sind, sondern wie die Untersuchung zeigen konnte – in noch größerem Maße durch die vorherrschende Vegetation. Unter den Flächenländern mit den am wenigsten leistungs- und widerstandsfähigen Landschaften finden sich etwa Sachsen-Anhalt, Mecklenburg-Vorpommern, Thüringen und Brandenburg. Dies ergibt sich nicht nur aus der geographischen Lage und natürlicherweise geringeren Niederschlägen, sondern wird auch durch die ausgedehnten Agrarlandschaften mitgeprägt. Stark bewaldete Regionen in der Müritzregion und der Schorfheide zeigen, wie sehr die Vegetation hilft, Extreme abzupuffern. In allen Bundesländern gibt es Regionen, in denen dringend in die Verbesserung oder Erhaltung der Leistungsfähigkeit der Ökosysteme investiert werden muss.
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Das Oderbruch ist eine der größten Meliorationslandschaften Mitteleuropas. Ausgedehnte Sümpfe, Moore und Auenwälder wurden schon im 18. Jahrhundert trockengelegt. Heute gibt es hauptsächlich Acker- und Grünlandnutzung sowie Wälder und Agrarlandschaften auf dem angrenzenden Barnim-Plateau.
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Die Millionenmetropole ist geprägt von dichter Besiedlung, Versiegelung, Industrie und Infrastruktur. Wälder wie Grunewald, Tegeler Forst sowie die Wälder um den Müggelsee und Agrarflächen im Süden als auch Nordosten wirken ausgleichend.
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Im Thüringer Becken gibt es fruchtbare Löss- und Ackerböden, die intensiv für den Getreide-, Obst- und Gemüseanbau genutzt werden. Wälder und Gehölze sind weitgehend verschwunden.
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Nordöstlich des Harzes prägen fruchtbare Lössböden mit Getreide-, Kartoffel-, Rüben- und Rapsanbau die Agrarlandschaft. Siedlungen sind selten.
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Der urbanisierte Raum mit Siedlungs- und Verkehrsinfrastruktur erstreckt sich von Frankfurt am Main bis Hanau und geht im Osten in den Büdinger Wald und den Vorderen Spessart über.
Hitze- und Austrocknungsspirale kann durch andere Landnutzung durchbrochen werden
Die gute Nachricht: Wir können die Leistungsfähigkeit der Landschaften trotz Klimakrise durch eine veränderte Nutzung verbessern. Grüne, intakte Naturlandschaften, die viel Feuchtigkeit speichern, produzieren sogar ihren eigenen Regen. Das funktioniert nicht nur am Amazonas, sondern auch bei uns in Deutschland. Und wo es kühler und feuchter ist, blüht zugleich die Artenvielfalt und wird natürlicher Klimaschutz betrieben.
Was jetzt zu tun ist
Die neuen Erkenntnisse zeigen, wie groß die Chance ist, über eine veränderte Landnutzung Widerstandsfähigkeit gegen die Klimakrise herzustellen. Nur „grün-feucht-kühle“ Landschaften bleiben auch in Zukunft produktiv. Beispiele wie das Biosphärenreservat Schorfheide-Chorin zeigen, wie eine Balance aus naturnaher Vegetation sowie Land- und Forstwirtschaft aussehen kann. In die Zukunfts- und Leistungsfähigkeit unserer Landschaften muss in den nächsten Jahren und Jahrzehnten investiert werden. Finanzielle Mittel für Klimaanpassung müssen dabei helfen, folgende Anpassungsmaßnahmen konsequent umzusetzen:
- Maßnahmen der Regenerativen Landwirtschaft wie dauerhafter Bodenbedeckung fördern (Untersaaten, Zwischenfrüchte)
- Nadelbaum-dominierte und naturferne Forste zu naturnahen Laubmischwäldern entwickeln
- Wiederherstellung von Mooren, Auen und Kleingewässern
- Mehr Agroforstsysteme und Hecken in der Agrarlandschaft
- Grünland erhalten und extensive Grünlandbewirtschaftung für Betriebe attraktiv gestalten
- Entsiegelungsmaßnahmen und mehr Grün in Städten und Industriegebieten
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