Bestände in Italien, Frankreich, der Schweiz und Österreich
Wölfe im Apennin und in den Alpen
Wölfe in Italien
Italien hat Anteil an zwei Populationen: die Alpen- und die Apenninpopulation. In Italien überlebte eine Unterart des Eurasischen Grauwolfes, der Italienische Wolf (Canis lupus italicus). In den 1970er Jahren war der Bestand durch intensive Verfolgung auf nur knapp 100 Tiere in den Abruzzen östlich von Rom geschrumpft. Nach der Unterschutzstellung breiteten sie sich im Apennin langsam wieder aus. Auch in den Außenbezirken Roms gibt es Wölfe mit einem festen Revier. Durch den engen ligurischen Apenninkorridor im Nordwesten gelangten Anfang der 90er Jahre erste wenige Wölfe in den italienischen Alpenraum, wo es zu einer Verpaarung mit einem dinarischen Wolf aus Südosteuropa kam. Die heutige Alpenpopulation geht genetisch überwiegend auf Canis lupus italicus zurück. Der italienische Anteil der Alpenpopulation war 2017/18 auf 51 Territorien mit knapp 300 Tieren angewachsen. Aktuelle Monitoringzahlen werden für Mai 2022 erwartet.
Strenger Schutz in Italien
Wölfe sind in Italien streng geschützt, es gab noch keine legalen Abschüsse. Die Apenninpopulation wächst, ist jedoch aufgrund der jahrhundertelangen Isolation und des kleinen Gründungsbestands von genetischer Verarmung bedroht. Das könnte ein Nachteil für die Fähigkeit der künftigen Generationen darstellen, sich an veränderte Lebensumstände anzupassen.
Zudem stellt die Verpaarung mit wilden Hunden, Hybridisierung genannt, im Apennin eine weitere Gefährdung dar. In der Toskana liegt die Hybridisierungsrate bei 30 Prozent.
Eine dritte Gefährdung geht von illegalen Tötungen aus. In Italien fallen jährlich schätzungsweise 300 Wölfe Abschüssen, Vergiftungen oder Fallen zum Opfer. Je nach Region wird Herdenschutz gefördert. Entschädigungen für Risse werden landesweit gezahlt, die Höhe unterscheidet finanziell jedoch je nach Region.
Quellen: Alpine Population 2017/18: LIFE WOLFALPS (Marucco et al. 2018), Italienische Population 2019: ISPRA (Marucco et al. 2020)
Wölfe in Frankreich
In Frankreich gab es 2020 etwa 580 Wölfe. Diese Zahl beruht allerdings auf Hochrechnungen und nicht auf einem umfassenden Monitoring. Wissenschaftler*innen haben berechnet, dass es für ein langfristiges Überleben der Art beziehungsweise einen günstigen Erhaltungszustand in Frankreich eine Population von 2.500 bis 5.000 erwachsenen Wölfen als Minimum bräuchte.
Weitreichende Abschussgenehmigungen dürfen bis zu einer bestimmten Quote vergeben werden. Diese wurde von zwölf Prozent (2019) auf zunächst 17 Prozent (2020) und schließlich auf 19 Prozent (2021) angehoben. Eine weitere Erhöhung auf 21 Prozent wurde außerdem in Aussicht gestellt. Es darf also fast ein Fünftel der Gesamtpopulation getötet werden. Abschüsse ohne zuvor eingehende mildere Maßnahmen, wie Herdenschutz und quotenbasierte Tötungen sind nicht mit Europäischem Recht vereinbar.
Vergleichsweise viele gerissene Nutztiere in Frankreich
Frankreich gibt im Jahr 25 bis 35 Millionen Euro für Herdenschutz aus. Entschädigungen werden unkompliziert gezahlt und sind nicht an Herdenschutzmaßnahmen gekoppelt. Trotz der hohen Kosten und der hohen Abschusszahlen liegt Frankreich im europäischen Vergleich jedoch weit vorn bei der Zahl der gerissenen Nutztiere – sowohl absolut als auch in Relation zur Anzahl der Wölfe, Tendenz steigend.
Quelle (u.a.): Interview mit Benoit Gangloff, Wissenschaftlicher Koordinator der Association pour la protection des Animeaux Sauvages et des Milieux Naturel, 2022. / Office français de la biodiversité (2020) / Duchamp et al., 2017. Expertise scientifique collective sur le devenir de la population de loups en France à long terme. Démarche d’évaluation prospective à l’horizon 2025/2030 et viabilité à long terme. ONCFS-MNHN.
Wölfe in der Schweiz
Wölfe wanderten 1996 erstmals nach der Ausrottung wieder von Italien aus in die Schweiz. 2012 bildete sich das erste Rudel am Gebirgsmassiv Calanda im östlichen Landesteil. 2021 wurden in der Schweiz 15 Rudel nachgewiesen, vier davon grenzüberschreitend. Hinzu kommen sechs Wölfe mit festen Revieren und 52 kurzfristig gemonitorte Einzelwölfe. Auch heute noch tragen die allermeisten Wölfe in der Schweiz den genetischen Haplotyp HW22,. Das zeigt, dass sie von den italienischen Wölfen abstammen. Ein paar einzelne Wölfe aus der dinarischen Population in Südosteuropa und der zentraleuropäischen Flachlandpopulation konnten seit 2020 nachgewiesen werden.
Keine reguläre Jagd auf Wölfe in der Schweiz
Auch in der Schweiz sind Wölfe nach Berner Konvention streng geschützt. Die FFH-Richtlinie der EU gilt dort jedoch nicht. Es gibt zwar keine reguläre Jagd auf Wölfe, allerdings besteht die Möglichkeit zur Genehmigung legaler Abschüsse. Diese wird erteilt, wenn zuvor zumutbar geschützte Weidetiere gerissen wurden. Risse werden in der Schweiz entschädigt.
Die Schweiz ist Vorreiter beim Thema Herdenschutz: Die AGRIDEA ist als landwirtschaftliche Beratungsstelle für das nationale Schutzprogramm zuständig. Sie berät die Kantone und ist für die Zertifizierung von Herdenschutzhunden zuständig. Zudem stehen Forschung und der Wissenstransfer für Praxis, Wissenschaft und Bevölkerung im Vordergrund. Herdenschutzhunde werden auf immer mehr Almen eingesetzt. Sie arbeiten noch eigenständiger als in Deutschland, da sie die Schafe zumindest tagsüber im ungezäunten Weidegang begleiten. Doch auch Elektrozäune werden für die Almbeweidung wichtiger.
Quellen: KORA (2021): Homepage und Zwischenbilanz 25 Jahre Wölfe in der Schweiz, BAFU (2020): Konzept Wolf Schweiz, AGRIDEA (2020): Jahresbericht 2020
Wölfe in Österreich
In Österreich konnten im Jahr 2021 drei Rudel nachgewiesen werden, alle im Nordosten des Landes. Diese Wölfe entstammen der Zentraleuropäischen Flachlandpopulation. Zusätzlich konnten 32 Einzelwölfe genetisch identifiziert werden, hauptsächlich aus der Alpenpopulation, ergänzt durch einige Wolfsnachweise ohne individuelle Zuordnung.
Auffällig ist jedoch, dass diese Wölfe gerade im Süden und Westen des Landes wieder verschwinden, bevor es zu einer Verpaarung kommt. Von den Einzelwölfen konnten nur zwei länger als sechs Monate genetisch gemonitort werde. Obwohl Wölfe hochmobile Tiere sind, ist es doch ungewöhnlich, dass sich bei so vielen Einzeltieren keine festen Territorien bilden oder sie sich paaren/fortpflanzen. Um natürliche oder illegal verursachte Sterblichkeit der Wölfe ausschließen zu können, müsste das staatenübergreifende genetische Monitoring intensiviert werden.
Ein wichtiger Hotspot für genetischen Austausch
Österreich könnte einer der wichtigsten Hotspots für den genetischen Austausch verschiedener Wolfspopulationen werden. 2021 wurden im Südwesten des Landes vor allem Wölfe der Alpenpopulation nachgewiesen, aber auch vereinzelt Tiere der zentraleuropäischen und dinarischen Vorkommen in Südosteuropa.
2020 wurden in Österreich knapp 108.000 Euro an Entschädigungen nach Wolfsrissen ausgezahlt. In Tirol gab es im selben Jahr mit großem Abstand die meisten Rissvorfälle: 257 von insgesamt 293. Zwischen den Jahren 2016 bis 20 wurden 60 Prozent der Risse auf Almen registriert, 40 Prozent auf Heim- und Talweiden.
Quelle: Österreichzentrum Bär Wolf Luchs (Monitoringbericht 2020)
Stand aller Berichte: 30. April 2022