Multitalente in Gefahr
Mangroven
Bäume, Wälder oder Ökosysteme?
Mangroven sind salztolerante Bäume oder Sträucher, die an tropischen und subtropischen Küsten und Flussdeltas wachsen. Sie sind berühmt für ihre verzweigten Wurzelsysteme, die ihnen in schlammigen Böden und brackigem Wasser Halt geben. Der Begriff „Mangrove“ bezeichnet nicht nur eine einzelne Art, sondern eine ganze Pflanzengemeinschaft, die weltweit etwa 80 verschiedene Arten von Bäumen und Sträuchern umfasst. Zusammen mit verschiedenen immergrünen Palmen, Sträuchern und Farnen sowie einer Vielzahl von Tierarten bilden die Mangrovenbäume eigenständige Ökosysteme. Diese Ökosysteme werden ebenfalls als „Mangrove“ oder „Mangrovenwald“ bezeichnet.
Mangroven sind wahre Überlebenskünstler. Da sie entlang von Küsten und Flussdeltas wachsen, sind sie ständig extremer Hitze, hohem Salzgehalt, anaeroben Bodenbedingungen, Sturmfluten, Küstenerosion und vielen anderen Faktoren ausgesetzt, die das Pflanzenwachstum einschränken. Im Laufe der Jahrmillionen haben die Mangrovenarten ausgeklügelte Anpassungen entwickelt, um diesen schwierigen Bedingungen zu trotzen.
News: NABU tritt der Global Mangrove Alliance bei
21. November 2024 – Gemeinsam erreichen wir am meisten: Deshalb ist der NABU jetzt Mitglied bei der Global Mangrove Alliance (GMA), einem internationalen Netzwerk für den Mangrovenschutz. Das Bündnis bringt die wichtigsten Akteur*innen aus Zivilgesellschaft, Wissenschaft, Wirtschaft, Regierungen, Förderlandschaft und lokalen Gemeinden zusammen.
Ziel der Mitglieder ist es, den Schutz und die Wiederherstellung von Mangroven zu stärken. Konkret heißt das: den Verlust aufhalten, die Hälfte degradierter Mangroven wiederherstellen und den Schutz verdoppeln!
Verbreitungsgebiet
Mangroven sind an den tropischen und subtropischen Küsten in Äquatornähe fast aller Kontinenten zu finden. Es wird zwischen der westlichen und der östlichen Mangrovenfamilie unterschieden. Während die westlichen Mangroven an den Küsten Amerikas und Westafrikas gedeihen, kommen die östlichen Mangroven an den Küsten Ostafrikas und Süd- bis Südostasiens vor. Das größte Vorkommen von Mangroven findet sich in Südostasien, insbesondere in Indonesien. Der Inselstaat umfasst die größten Mangrovenfläche der Welt: Rund 22 Prozent aller Mangrovenwälder sind hier zu finden.
Indonesiens Mangroven entdecken, Klima weltweit schützen
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Ökosystemleistungen der Mangroven
Mangrovenbiome sind Brücken zwischen terrestrischen und marinen Ökosystemen und richtige Alleskönner. Sie erbringen viele lebenswichtige Ökosystemleistungen, wie zum Beispiel:
- Lebensräume und Brutgebiete: Mangrovenwälder sind haben eine komplexe Struktur und bieten Lebensraum für eine Vielzahl von Arten aus unterschiedlichen taxonomischen Gruppen. Während Seevögel und Affenarten ihre Jungen in den Baumkronen aufziehen, jagen Tiger auf dem Waldboden zwischen Schlammspringern und Krabben nach Beute, und Delfine suchen nur wenige Meter entfernt nach jungen Fischen. Außerdem sind die Mangroven Brutstätten für viele Fisch-, Weichtier-, Krebs- und Vogelarten.
- Kohlenstoffspeicherung: Mangroven speichern enorme Mengen an Kohlenstoff in ihrer Biomasse und, noch wichtiger, in den Bodensedimenten. Daher sind sie wichtige Verbündete im Kampf gegen die Klimakrise.
- Küstenschutz: Mangroven bieten den Menschen in tropischen Küstengebieten natürlichen Küstenschutz gegen den steigenden Meeresspiegel, Erosion und zunehmende Sturmfluten.
- Wasserfilterung: Mangroven filtern Sedimente und Nährstoffe aus dem Landesinneren, die sonst die Korallenriffe vor der Küste gespült und diese ersticken würden.
- Natürliche Ressourcen: Mangroven sichern den Lebensunterhalt von Millionen von Menschen, insbesondere in Küstengemeinden, da sie Fischgründe und natürliche Ressourcen, wie Holz, liefern.
Warum die Mangrovenwälder verschwinden
Weltweit verschwinden Mangrovenwälder in alarmierendem Tempo. In der Vergangenheit wurden überall dort, wo sich Menschen in großer Zahl an tropischen Küsten niederließen, Mangroven für Ackerland, Häfen, Infrastruktur, Holz oder Holzkohle gerodet. In den letzten Jahrzehnten hat die Zunahme von Fisch- und Garnelen-Aquakulturen zu einer weitreichenden Zerstörung und Degradation der Mangroven geführt. Einige Länder und Regionen haben bereits mehr als die Hälfte ihrer Mangrovenwälder verloren. Zwar hat sich dieser Trend in den letzten Jahren etwas verlangsamt, doch die Klimakrise und ihre zahlreichen Folgen, wie der Anstieg des Meeresspiegels und die Zunahme tropischer Wirbelstürme, setzen den einzigartigen Ökosystemen noch zusätzlich zu. Tragischerweise wären eben diese Mangroven wichtige Verbündete bei der Abschwächung des Klimawandels und der Anpassung an ihn: Sie speichern enorme Mengen an Kohlenstoff und können die Schäden durch Extremwettereignisse, wie Wirbelstürme, verringern.
Was wir zum Schutz der Mangroven tun
Der NABU schützt verbleibendende Mangrovenwälder, identifiziert geeignete Gebiete für die Wiederherstellung und entwickelt Konzepte für die nachhaltige Nutzung der Mangroven zur Sicherung von Lebensgrundlagen. Dafür arbeitet er eng mit Küstengemeinden, Nichtregierungsorganisationen, Wissenschaftler*innen, lokalen Akteur*innen und Regierungsbehörden zusammen. Zudem ist er Mitglied bei der Global Mangrove Alliance, einem globalen Netzwerk für den Mangrovenschutz.