Ihre Musik erklingt immer seltener

Die Feldgrille im Porträt

Die schwarz gefärbten, bis zu zwei Zentimeter langen Feldgrillen sind vor allem wegen ihrer Musik bekannt. An warmen Sommertagen hat wohl jeder Spaziergänger das Zirpen schon einmal gehört. Die Grillen selbst sind sehr schreckhaft und verstecken sich bei drohender Gefahr sofort.
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© Foto: Andre Baumann

Feldgrillen sind sehr wärmebedürftig und bevorzugen daher trockene, schütter bewachsene Böschungen und Hänge. Auch in Feldrainen und Heiden, auf trockenen Brachflächen und sogar Äckern halten sie sich auf.

Die Männchen zirpen, indem sie die Flügel rasch gegeneinander bewegen, wobei eine glatte Schrillkante über eine Sägeblatt ähnliche Schrillader streift. Die Weibchen hören mit den Ohren auf den beiden Vorderbeinen. Mit jeweils einem großen und kleinen Trommelfell kann das paarungsbereite Weibchen den Partner bis zu zehn Meter Entfernung orten, um ihm dann zielsicher entgegenzulaufen. Daraufhin beginnt das Männchen einen für Menschen kaum hörbaren Werbegesang.

Frühe Musikanten

Die meisten heimischen Heuschrecken lassen sich erst ab etwa Mitte Juli hören und musizieren dann bis in den September hinein. Die Feldgrille dagegen legt bereits im Mai los und zirpt dann durch bis Juli. Im Frühjahr 2020 waren die ersten Grillen sogar schon Mitte April aktiv. Das Zipen der Grillenmännchen ist vom späten Vormittag bis in die warmen Abendstunden in einem Umkreis von bis zu 50 Metern zu hören.

Grillen sind sehr scheu. Schon bei den ersten Annäherungsversuchen hört der Gesang auf. Das Insekt versteckt sich in einem selbst gegrabenen Erdloch und bewacht den Eingang der Höhle. Nähert sich ein konkurrierendes Männchen, entstehen häufig Kämpfe, wobei sich die Tiere beißen und mit den Köpfen zusammenstoßen.

Im schwarzen Frack

Die Grille ist mit ihrem großkugeligen, schwarzglänzenden Kopf und den langen Fühlern eine imposante Erscheinung. Der Körper und die Flügel erinnern an einen schwarzen, mit feinen Goldsamt besetzten Frack. Wie alle Heuschrecken ähneln die Larven den erwachsenen Tieren, nur haben sie noch keine Flügel. Im Gegensatz vielen der 80 anderen heimischen Heuschreckenarten kann die Feldgrille naber auch als erwachsenes Tier nicht fliegen.

Das stumme Weibchen ist an seiner Legeröhre zu erkennen. Es legt einige hundert Eier in Haufen zu jeweils 20 bis 40 und hinterlässt sie ohne jegliche Brutpflege. Die nach zwei bis drei Wochen schlüpfenden Larven sind nicht wählerisch. Sie fressen eigentlich alles, auch kleinere Bodentiere, bevorzugen jedoch Blätter und Wurzeln von Gräsern und Kräutern. Sie häuten sich bis zu zehnmal, bevor sie sich für den Winter in selbstgegrabene Erdgänge zurückziehen.

Bestandserholung dank Klimawandel?

Die Feldgrille ist ein echter, wärmeliebender Europäer, sie kommt aber auch in Nordwestafrika vor. Im südlichen Deutschland ist sie an vielen Stellen noch häufig zu finden, nach Nordwesten hin dünnen die Vorkommen aus. Hinzu kommen Verluste an Lebensräumen, so dass die Feldgrille inzwischen in vielen Landschaften vom Rückgang betroffen und in manchen Gegenden sogar schon ausgestorben ist. Andererseits profitert die Grille als wärmeliebende Art vom Klimawandel, so dass es dort, wo die Lebensräume stimmen, in jüngster Zeit auch wieder zu einer stärkeren Ausbreitung kommt.

Dass auch Menschen Grillen haben können, ist altbekannt. Die wechselnden Stimmungen und psychischen Eigenheiten, verwunderlichen Einfälle und Launen werden bei Luther und Goethe mit Grillen bezeichnet. Ein Zusammenhang mit der Feldgrille und der nahe verwandten Hausgrille, dem Heimchen, ist aber nicht erkennbar.