Was muss bei der Freilandarbeit in und an Gewässern beachtet werden?
Umgang mit Amphibienkrankheiten
Infektionskrankheiten sind Bestandteil natürlicher Interaktion zwischen Organismen. Zu den Erregern (Pathogenen) gehören Viren, Bakterien und andere Einzeller sowie Pilze und Flechten. Diese haben sich häufig im Laufe der Zeit mit ihren Wirten entwickelt und sind auch Motoren der Evolution. Allerdings hat der Mensch heute die Umwelt auf vielfältige Weise so verändert, dass Krankheitserreger zu einem Gefährdungsfaktor geworden sind. Dazu gehört der weltweiten Tierhandel, durch den auch eine Verbreitung von Pathogenen gefördert wird, ebenso wie der Klimawandel, der die Bedingungen für die Ausbreitung von Pathogenen begünstigt oder die Bedingungen von Amphibienpopulationen negativ beeinflusst. Außerdem gibt es eine Vielzahl von Stressfaktoren (zum Beispiel Agrochemikalien), welche die Fähigkeit von Amphibien schwächen, mit Pathogenen „fertig zu werden“.
Pathogene – eine „neue“ Gefahr?
Heute ist klar, Pathogene gehören zu den wichtigsten Faktoren des weltweiten Amphibiensterbens. Auch wenn die Forschung insbesondere in den letzten zwei Jahrzehnten zu enormen Zuwächsen an Kenntnis über Amphibienkrankheiten geführt hat, so wissen wir heute noch immer vergleichsweise wenig über die Auswirkungen vieler Krankheitserreger und die aktuelle Betroffenheit heimischer Amphibienpopulationen.
Pathogene können an Individuen nachgewiesen werden, ohne dass diese im Einzelfall erkranken. Ob die Krankheit bei einem Individuum ausbricht, hängt neben den bereits erwähnten allgemeinen Faktoren auch von der Aggressivität des Pathogens, dem individuellen Ernährungszustand, dem Status des Immunsystems, dem Lebensalter und dem allgemeinen Gesundheitszustand ab. Bei der sogenannten Prävalenzrate spricht man von dem Anteil der Population beziehungsweise der untersuchten Tiere, bei denen das Pathogen nachgewesen werden konnte, unabhängig davon, ob es eine Erkrankung der betroffenen Individuen hervorgerufen hat, oder nicht. Diese Handlungsempfehlungen beschränken sich zunächst auf die drei am besten bekannten und nach allgemeinem Kenntnisstand für Deutschland relevanten Pathogene, die beiden Chytridpilze Bd und Bsal sowie die Ranaviren aus der Familie der Iridioviren.
Pathogene vorgestellt
Die Übertragungs- und Ausbreitungswege von Chytridpilzen und Ranaviren sind noch unzureichend erforscht. Bekannt ist, dass alle drei Pathogene durch direkten Kontakt sowie durch Wassertransport verbreitet werden können. Ranaviren sind darüber hinaus auch auf vollständig abgetrockneten Substraten noch fähig, Wirte zu infizieren.
Weder Panikmache noch Ignoranz werden dem Problem gerecht
Als Amphibienschützer*innen sollten wir besonnen mit Pathogenen umgehen und die bisweilen durch Medien geschürte Hysterie nicht zum Maßstab unseres Handelns machen. Uns ist bewusst, dass wir nur eine Minderheit unter den in der Landschaft aktiven Menschen sind. Dennoch kann man nur für ein Problem überzeugend sensibilisieren, wenn man selbst mit gutem Beispiel voran geht und nicht unbeabsichtigt selbst Pathogenen zur weiteren Ausbreitung verhilft und wichtige praktische Amphibienschutzmaßnahmen in Verruf bringt. Daher ist bei der Freilandarbeit an und in Gewässern sowie an Amphibienschutzzäunen die sorgfältige Einhaltung minimaler Hygieneanforderungen geboten.
Handlungsempfehlungen
Um eine weitere Verbreitung dieser Pathogene zu verhindern oder zumindest nicht als Amphibienschützer*innen unbeabsichtigt zu ihrer Verbreitung beizutragen, empfiehlt der NABU-BFA Feldherpetologie/Ichthyofaunistik folgende Maßnahmen bei der Arbeit in und an aquatischen Lebensräumen sowie bei Amphibienschutzmaßnahmen an Straßen:
Wir möchten mit dieser Handlungsempfehlung nicht vor der weiteren Arbeit mit Amphibien abschrecken, sondern in erster Linie eine Hilfestellung im Umgang mit den derzeit auftretenden Pathogenen geben. Die Maßnahmen sollen die unbeabsichtigte Verbreitung von Krankheitserregern bei der Amphibienkartierung und praktischen Amphibienschutzmaßnahmen verhindern.
Sascha Schleich, Tom Kirschey, Philipp Wagner und Holger Buschmann für den NABU-Bundesfachausschuss Feldherpetologie/Ichthyofaunistik
Datei-Pfad aus Imperia:
Download-Beschreibung: Die Handlungsempfehlungen zur Freilandarbeit in und an aquatischen Lebensräumen zum Download
Download-Link: /imperia/md/content/nabude/artenschutz/160331-nabu-handlungsempfehlungen-amphibienkrankheiten.pdf