Im März und April ist der Wunderlauch erntereif

Wenn es im Wald nach Knoblauch riecht

Wer ihn nicht kennt, hält den Wunderlauch, auch „Berliner Lauch“ genannt, für ein kräftig gewachsenes Gras. Wie der bekanntere Bärlauch, sein breitblättriger Verwandter, lässt sich Wunderlauch vor allem in der „kalten Küche“ verwenden, zum Beispiel als Pesto.
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Was ist eigentlich das wundersame am Wunderlauch? Der Mann, der es wissen müsste, Friedrich August Marschall von Bieberstein, ist leider schon lange tot. Vor mehr als 200 Jahren bereiste der in Stuttgart geborene Adlige im Auftrag des russischen Zarenhofs den Kaukasus und dort stieß er auf die kleine weißblütige Pflanze. Scilla paradoxa nannte von Bieberstein die Art. Später sortierte sie der schottische Botaniker George Don von der Gattung Blaustern (Scilla) zu Lauch (Allium) um, deshalb heißt sie nun wissenschaftlich Allium paradoxum. Das paradoxe, wunderliche im Namen ist geblieben.

Heimat der bei uns auch als Seltsamer Lauch oder Berliner Knoblauch bekannten Pflanze ist also die Kaukasusregion westlich des Kaspischen Meeres von Südrussland über Georgien und Armenien bis Aserbaidschan. Sie kommt zudem im Iran und in Turkmenistan vor. Aus Botanischen Gärten ins Freiland gelangt, gedeiht der Wunderlauch in seiner neuen Heimat Mitteleuropa vor allem in Flussauen und deren Wäldern sowie in Parks.

Während viele heimische Laucharten rötlich blühen, wächst beim Wunderlauch eine meist einzelne reinweiße Blüte aus einem pergamentartigen Hochblatt. Die Blütenfarbe und die Vorliebe für gut durchnässte Auwälder teilt der Wunderlauch mit dem Bärlauch. Ebenfalls gemein ist ihnen der deutlich Knoblauch- oder Zwiebelgeruch, den die Blätter verströmen. Riecht es im Wald also nach Knoblauch, wächst dort Wunderlauch oder Bärlauch. Der Wunderlauch unterscheidet sich durch seine schmalen, fast grasartigen Blätter vom breitblättrigen Bärlauch. Eine Verwechslung wäre aber nicht schlimm. Beide Arten sind essbar, wobei der Bärlauch etwas würziger schmeckt.

Geruch und Geschmack rühren von ätherischen Ölen und dem von Knoblauch bekannten schwefelhaltigen Allicin her. Wunderlauch enthält zudem Vitamin C sowie entzündungshemmende und antibakterielle Flavonoide. Am schmackhaftesten ist Wunderlauch vor der Blüte. Die Blätter sind recht zart, ausdauerndes Erhitzen vertragen sie schlecht. Sie kommen daher bevorzugt in der kalten Küche zum Einsatz. Klassische Speisen sind Pestos, bei denen der Lauch püriert und dann mit Öl sowie meist auch mit Nüssen zu einer Masse gemischt wird. Gut macht sich Wunderlauch kleingeschnitten in Frischkäsezubereitungen oder in Kräuterbutter.

Wunderlauch pflücken: Wenn es im Wald nach Knoblauch riecht - NABU