Kulturelles Erbe und wertvoller Lebensraum

Tscherkessische Streuobstwälder

Sie sind lebendige Zeugen einer fast vergessenen Obstbautradition: die tscherkessischen Streuobstwälder im Nordkaukasus. Gemeinsam mit der lokalen Bevölkerung schützte der NABU die wertvollen Lebensräume und fördert die Wiederbelebung dieser Tradition.
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Im Nordkaukasus existieren noch letzte Überreste einer einzigartigen Landschaftsform: die tscherkessischen Streuobstwälder. Diese uralten Kulturlandschaften finden sich in den Waldgebieten der Vorgebirge der Republik Adygea im russischen Teil des Kaukasus. Sie sind Resultat einer traditionellen Landnutzungsform der Tscherkessen – die ursprünglich in dieser Region lebende Bevölkerung.

Was macht die tscherkessischen Streuobstwälder so besonders? Durch Veredelung werden Kulturobstsorten mit ihren wilden Verwandten kombiniert. So entstehen einzigartige und besonders robuste Obstsorten, die an die lokalen klimatischen Bedingungen optimal angepasst sind. Dank dieser Volkstradition entwickelten sich die Landschaften der tscherkessischen Siedlungen zu fruchtbaren Waldgärten. Mit der Vertreibung der Tscherkessen aus ihrer Heimat im 19. Jahrhundert ging das Wissen über den traditionellen Obstbau jedoch weitgehend verloren. Die verbleibenden Relikte der Streuobstwälder sind etwa 150 Jahre alt und zu einem großen Teil stark verwildert.

Extensive Kulturlandschaften, wie die tscherkessischen Streuobstwälder, sind wertvolle Lebensräume. Der traditionelle Obstbau verzichtet auf den Einsatz von chemischen Düngern und Pestiziden. Die alten Obstbäume bieten deshalb einer Vielzahl von Insekten, Vögeln und Säugetieren ein Zuhause. Gleichzeitig stellen sie ein wichtiges Bindeglied zwischen Naturschutz und lokaler Kultur dar: traditionelle Praktiken zu erhalten kann dabei helfen, die Identifikation der Menschen mit der heimischen Natur zu stärken und sie motivieren, die Naturschätze vor der eigenen Haustür zu schützen. Der NABU engagierte sich deshalb für den Erhalt der verbliebenen Streuobstwälder und förderte die Wiederbelebung der tscherkessischen Obstbautradition.

Im Projekt „Streuobstwälder – kulturelles Erbe des Kaukasus“ unterstützte der NABU ehrenamtliche Gruppen, die sich für den Erhalt der Streuobstwälder einsetzen. Wir ermöglichten Schulungen und den Erfahrungsaustausch mit ehrenamtlichen Naturschutzgruppen in Deutschland und führten Maßnahmen zur Wiederbelebung dieser alten Gartenbauform, wie Obstbau-Workshops und Pflanzungen, durch.

Auch zwei Kulturveranstaltungen, in Adygea und Berlin, und mehrere Dorffeste waren Teil des Projekts. Die Veranstaltungen verbanden den Erhalt lokaler Traditionen mit der Wertschätzung der heimischen Natur.

Projektname
Streuobstwälder – kulturelles Erbe des Kaukasus

Land/ Region
Republik Adygea, Nordkaukasus, Russland

Laufzeit
Mai 2021 bis Dezember 2021

Partnerorganisationen
NABU-Kavkaz und ECOland

Gefördert/ unterstützt durch
Auswärtiges Amt im Rahmen des Programms „Ausbau der Zusammenarbeit mit der Zivilgesellschaft in den Ländern der Östlichen Partnerschaft und Russland“