Platt gemacht und zubetoniert
Bodenversiegelung und ihre Folgen

Der Boden hat vielfältige Funktionen und Fähigkeiten. Er filtert und speichert unser Wasser, ist Lebensgrundlage und Anbaufläche für unsere Nahrung und hat zudem eine klimatische Ausgleichsfunktion. Doch immer mehr Flächen im Siedlungsbereich und auch auf dem Lande, werden asphaltiert, zugepflastert und verwandeln sich in zubetonierte und verbaute Flächen. Die Folgen sind verheerend, denn ist er versiegelt, kann der Boden seine Aufgaben nicht mehr erfüllen: Zum Beispiel können Wassermassen nicht aufgenommen werden, die Folge sind lokale Hochwasser.
Zudem geht die Fruchtbarkeit verloren, denn Wasser, Sauerstoff und Licht können durch die Versiegelung den Boden nicht mehr erreichen und das Bodenleben somit auch nicht mehr versorgen, es stirbt ab. Auch lang bestehende Wanderkorridore der lokalen Flora und Fauna werden unterbrochen und die Landschaft zerschnitten. Staub und andere Luftschadstoffe werden nicht mehr durch die Pflanzen aus der Luft gefiltert, Wind trägt sie weit übers Land, die Feinstaubbelastung steigt. Auch die klimatische Ausgleichsfunktion geht verloren, es entstehen Hitzeinseln. Durchschnittlich werden in Deutschland jährlich bis zu 158 Quadratkilometer offener Boden neu versiegelt, der Trend ist zwar abnehmend, aber noch weit entfernt von einem Optimalwert. Der anhaltende Bau von Siedlungsflächen, Infrastruktur und Industrieflächen schafft neue Versiegelung.
Selbstverständlich kann man Flächen auch wieder entsiegeln, aber es dauert eine lange Zeit, bis sich der Boden wieder erholt und seine alte Qualität zurückerhält. Zudem ist die Prozedur aufwendig und schlägt den Kommunen zu Buche.
Wer der Bodenversiegelung entgegen wirken möchte, kann auf dem eigenen Grund und Boden beginnen.
Der Privathaushalt kann durch das Entsiegeln der Flächen im Garten sogar Geld sparen: Da das Regenwasser versickern kann, entfallen Abwasserkosten.
Alternativen im Garten
Für Gartenbesitzer*innen, denen ihr Boden lieb und teuer ist, sind unversiegelte Flächen und Wege unverzichtbar. Hier gibt es viele verschiedene Alternativen. Parkplätze, Zufahrten, Höfe, Abstellflächen und andere betonierte Flächen können leicht durch unversiegelte, wasserdurchlässige Bodenbeläge ersetzt werden. Diese wären zum Beispiel ein strapazierfähiger Kräuterrasen auf Spielflächen, Schotterrasen oder bewachsene und begrünte Rasengittersteine auf Parkplätzen, Holzterrassen mit Drainageschicht darunter oder Pflasterung mit Recyclingmaterialien wie alten Backsteinen oder Pflastersteinen für kleine Wege im Garten. Auch Wege mit einem Belag aus gehäckseltem Gehölzschnitt sind im Garten gute Alternativen zu versiegelten Wegen. Wer Insekten und Vögeln etwas Gutes tun möchte, verzichtet ganz auf einen Bodenbelag. Sand und Schlamm sind Bau- und Nistmaterial für viele Arten und daher immer willkommen.
Wer in seinem Garten schnell selbst einen kleinen Weg anlegen möchte, findet hier eine Anleitung.
So gelingt der unversiegelte Gartenweg problemlos.
Tipp: Fugen einsäen statt kratzen
Fugen kratzen ist im Naturgarten passé! Denn die Fugen seines Weges zieren niedrig wachsende, trockenheitstolerante Kräuter. Ein anmutiger Bauerngarten-Charme umweht so jeden Garten. Die Pflanzen können leicht ausgesät werden: Anstatt mit Sand wird der verlegte Weg einfach mit einem Sand-Humus-Gemisch eingeschlämmt (Achtung: Der Humus sollte unkrautsamenfrei zertifiziert sein). Dem Gemisch kann gleich das Saatgut (Fugenmischung) beigefügt werden. Insgesamt nimmt man dazu weniger Sand als beim konventionellen Weg, denn die Fugen sollten nach dem Einschlämmen noch einen Zentimeter tief sein, so können die Wurzeln der Pflanzen nicht verletzt werden. Auf diese Weise bereichern Scharfer Mauerpfeffer, Thymian und Mastkraut jeden Garten.