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Tote Grünfinken durch Trichomonaden

Tote Grünfinken durch Trichomonaden

Sommerhitze fördert Verbreitung des Erregers

21. August 2013 - Beim NABU gehen in diesem Sommer wieder vermehrt Meldungen zu erkrankten oder toten Grünfinken ein. Vor allem aus dem südlichen Bayern und Baden-Württemberg sowie aus Nordrhein-Westfalen, dem westlichen Niedersachsen und aus dem Raum Berlin sind seit Juli viele erkrankte oder tote Vögel gemeldet worden. In allen Fällen wird von apathisch wirkenden oder bereits verendeten Grünfinken, in seltenen Fällen auch von anderen Arten, stets in der Nähe von Futterstellen berichtet.

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Es ist davon auszugehen, dass die gemeldeten Grünfinken mit dem einzelligen Erreger „Trichomonas gallinae“ infiziert sind. Nach NABU-Schätzungen starben in diesem Jahr bereits 70 bis 80.000 Grünfinken an der tödlichen Krankheit, die im Sommer 2009 erstmals in größeren Teilen Deutschlands beobachtet wurde.

Seitdem trat die Krankheit in jedem Jahr wieder auf, sobald anhaltend sommerliche Temperaturen herrschen. „Die vermehrten Meldungen an den NABU weisen darauf hin, dass die Krankheit in diesem Jahr aufgrund des lange anhaltenden warmen Wetters wieder größere Ausmaße erreicht. Futter- und insbesondere Wasserstellen für Vögel sind gerade im Sommer ideale Ansteckungsherde, so dass ein kranker Vogel schnell andere Vögel infizieren kann.

Als Trichomonaden-Infektionsquelle kommt neben dem direkten Kontakt der Tiere untereinander vor allem Trinkwasser an Futterstellen in Frage, in dem der Erreger bei sommerlich warmen Temperaturen bis zu 24 Stunden überleben kann.

Krankheitsfälle melden und Maßnahmen ergreifen

Um die weitere Verbreitung von „Trichomonas gallinae“ zu unterbinden rät der NABU dringend, das Füttern sofort bis zum nächsten Winter einzustellen, sobald mehr als ein kranker oder toter Vogel an einer Sommerfutterstelle beobachtet werden. Ebenso sollten unbedingt alle Vogeltränken entfernt werden.

Selbst die tägliche Reinigung von Futterstellen und Wasserstellen reicht nicht aus, um die Vögel vor Ansteckung zu schützen, sobald kranke Artgenossen in der Nähe sind“, sagt NABU-Vogelschutzexperte Lars Lachmann.

Mit dem Trichomonaden-Erreger infizierte Tiere zeigen folgende Merkmale: Schaumiger Speichel, der die Nahrungsaufnahme hemmt, großer Durst, scheinbare Furchtlosigkeit. Eine Medikamentengabe ist nicht möglich, da Wirkstoffe bei freilebenden Tieren nicht dosiert werden können. Die Infektion verläuft immer tödlich. Nach Angaben von Veterinären besteht für den Menschen, Hunde und Katzen keine Gefahr einer Infektion. Aus bisher unbekannten Gründen scheinen auch die meisten anderen Vogelarten wesentlich weniger empfindlich auf den Erreger zu reagieren als Grünfinken.

Keine unmittelbare Gefahr für den Grünfinken-Bestand

Grünfinkweibchen

Der NABU sieht derzeit durch die Krankheit noch keine zusätzliche Gefährdung für die allgemein leicht abnehmenden Bestände der Grünfinken. „In Deutschland leben rund zwei Millionen Brutpaare, also im Sommer über zehn Millionen Grünfinken, Eltern und Jungvögel eingerechnet. Das Finkensterben führt zu erhöhter Sterblichkeit, ein nachhaltiger Effekt auf die Bestandsentwicklung ist derzeit noch nicht nachweisbar und bisher nur lokal zu erwarten“, so Lachmann.
Meldungen über kranke und tote Singvögel nimmt der NABU zudem weiterhin auf seiner Internetseite www.gruenfinken.NABU-SH.de entgegen.

Verdachtsfälle aus Regionen, in denen der Nachweis des Erregers bislang nicht gelang, sollten den Kreisveterinären angezeigt werden und tote Vögel dort als Proben angeboten werden, damit das Auftreten des Erregers amtlich dokumentiert werden kann.

Massensterben von Wildvögeln aufgeklärt

NABU empfiehlt, im Sommer keine Vögel zu füttern oder tränken

Grünfink

Deutschlandweit sind vermutlich mehrere Zehntausend Vögel verendet.

21. Juli 2009 - Die Ursache für das seit Anfang Mai 2009 beobachtete massenhafte Sterben von Grünfinken steht fest: Verantwortlich ist der Einzeller „Trichomonas gallinae“, wie Veterinäre nun klinisch bestätigt haben. Nach NABU-Schätzungen sind deutschlandweit mehrere zehntausend Wildvögel an Trichomonaden verendet. Der NABU appelliert daher an Vogelfreunde, jetzt keine Gartenvögel zu füttern und Vogeltränken vorübergehend zu schließen, damit sich die Krankheit nicht weiter verbreitet.

„Dies ist das erste infektiöse Massensterben von Wildvögeln, das weite Bereiche der Bundesrepublik betrifft“, sagte NABU-Präsident Olaf Tschimpke. Die meist tödliche Krankheit betrifft nicht nur Grünfinken, sondern auch Buchfinken, Kernbeißer, Gimpel, teils auch Elstern, Haussperlinge, Amseln und weitere Arten. Die meisten Fälle wurden in Schleswig-Holstein, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen sowie in Berlin registriert, aber auch aus dem Saarland sowie aus Sachsen, Sachsen-Anhalt und Bayern gibt es Hinweise, wie der NABU mit Hilfe der Bevölkerung herausfand. Mehr als 200 Hinweise auf kranke, sterbende oder tote Singvögel gingen nach einem NABU-Aufruf ein – sie betrafen weit über tausend Tiere.

Vorfälle melden
Ingo Ludwichowski

Ingo Ludwichowski, NABU-Vogelexperte in Schleswig-Holstein, nimmt Meldungen weiter entgegen.

Der Aufruf offenbarte bundesweit auch erhebliche Lücken in der Umweltüberwachung. So ist in vielen Fällen unklar, wer für das Monitoring von Krankheitserregern bei Wildvögeln verantwortlich ist. Einige staatliche Untersuchungsämter der Bundesländer lehnen derzeit eine klinische Untersuchung der Tiere aus Kostengründen ab. „Wir sehen hier eine erhebliche Regelungs- und Finanzierungslücke, die bundesweit dringend behoben werden muss“, sagte Schleswig-Holsteins NABU-Geschäftsführer Ingo Ludwichowski. In begründeten Verdachtsfällen muss es künftig möglich sein, auffälligen ungeklärten Krankheits- und auch Vergiftungserscheinungen in Wildtierpopulationen schnell und unbürokratisch nachzugehen.

Tote Grünfinken

Tote Grünfinken aus Fehmarn wurden im Landeslabor Schleswig untersucht.

Als Trichomonaden-Infektionsquelle kommt neben dem direkten Kontakt der Tiere untereinander vor allem Trinkwasser an Futterstellen in Frage, in dem der Erreger bis zu 24 Stunden überleben kann. An solchen Sammelpunkten der Vögel ist die Gefahr der Krankheitsübertragung besonders groß. Der NABU ruft daher dazu auf, Wildvögel im Sommer nicht zu füttern und Vogeltränken vorerst aus dem Garten zu entfernen.

Verdachtsfälle aus Regionen, in denen der Nachweis des Erregers bislang nicht gelang, sollten weiterhin über die Kreisveterinäre zur Untersuchung eingereicht werden. Meldungen über kranke und tote Singvögel nimmt der NABU zudem weiterhin auf seiner Internetseite www.gruenfinken.NABU-SH.de entgegen.

Warum sterben die Grünfinken?

150 Meldungen liegen vor / Erste Ergebnisse zum Grünfinkensterben

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Trichomonas gallinae (mehr beim NABU Schleswig-Holstein)

6. Juli 2009 - Es gibt einen deutlichen Schwerpunkt bei Verdachtsfällen in Schleswig-Holstein, Niedersachsen und Nordrhein-Wetfalen. Betroffen sind aber auch Berlin, Sachsen und Sachsen-Anhalt und möglicherweise Hamburg. Aus Bayern gibt es bislang nur einen Beleg. Aus anderen Bundesländern erhielt der NABU Meldungen, die allerdings nichts mit Trichomonaden zu tun haben. Hier sind andere Todesursachen wahrscheinlich, wie Aufprall an Glasscheiben.

Es gab bereits im letzten Jahr Fälle (auch in Baden-Württemberg), jedoch insgesamt schwächer. Aus dem Jahr 2001 ist ein Massensterben von Grünfinken in Frankreich bekannt. Ob auch dort Trichomonas gallinae die Ursache war, ist bislang unbekannt.

Nicht nur Grünfinken sind betroffen
Entzündungen des Rachen und Schlundes, wie sie durch die Geißeltierchen hervorgerufen werden, sind hauptsächlich bei Grünfinken beobachtet worden. Es besteht aber der Verdacht, dass auch bei Elster, Buntspecht, Heckenbraunelle, Kleiber, Amsel mit gleichen Symptomen Trichomonas gallinae Ursache der Erkrankungen sind. Aus Nordrhein-Westfalen meldete ein Beringer, dass in diesem Jahr auch zwei Sperber-Bruten betroffen sind.

Was kann man dagegen tun?
Der größte Teil der eingegangenen Meldungen betrifft Fütterungen, doch es gibt auch Totfunde abseits. Wenn die Fütterung eingestellt wird, sinkt die Zahl der Funde toter Vögel. Doch liegt dies auch an der insgesamt geringeren Zahl der dortigen Vögel. Wahrscheinlich ist nicht das Füttern an sich das Problem, sondern eher die Tatsache, dass an Fütterungen wohl in der Regel auch Trinkgefäße stehen, in denen sich Trichomonas gallinae 24 Stunden überleben können. Der NABU hakt bei seinen Befragungen diesbezüglich noch einmal nach.

Wer Grünfinken-Sterben beobachtet, sollte das Füttern einstellen, auf das Tränken der Tiere verzichten oder zumindest die Trinkgefäße stündlich reinigen.

mehr Vorfälle und Beobachtungen dem NABU melden

Rätselhaftes Grünfinkensterben

NABU will Ursachen vollständig klären / Befall mit Geißeltierchen?

Grünfink

Grünfink

29. Juni 2009 - Ein rätselhaftes Vogel-Sterben beunruhigt derzeit viele Menschen. Zunächst in Schleswig-Holstein, dann auch in Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen fanden Vogelfreunde seit Anfang Mai immer öfter sterbende und tote Grünfinken an künstlichen Futterstellen. Jetzt liegen auch Funde aus Sachsen und Bayern vor, womit das Phänomen womöglich bundesweit auftritt. Der NABU will die Umstände des qualvollen Todes der Vögel dokumentieren und die Hintergründe gemeinsam mit Veterinären aufklären.

Zunächst wurden dem NABU vor allem tote Vögel aus Schleswig-Holstein gemeldet. An vielen Futterstellen, die Naturfreunde auch im Sommer betrieben, waren tote Grünfinken aufgefunden worden, ohne dass der Grund dafür ersichtlich war. Futterproben und tote Vögel gelangten schließlich auf Bitten des NABU an das Landeslabor in Neumünster, das die Tiere untersuchte.

Veterinäre gehen derzeit von einem Befall mit Trichomonas gallinae aus. Der Einzeller, ein kleines Geißeltierchen, wurde kürzlich in Nordrhein-Westfalen vom Staatlichen Veterinärmedizinischen Untersuchungsamt in Arnsberg bei Untersuchungen an toten Grünfinken nachgewiesen. 2008 konnten bereits Trichomonaden bei Grünfinken in Norwegen, Irland, England und Schottland bestätigt werden. Der Erreger verursacht Entzündungen des Rachen und Schlundes. Ähnliche Befunde können bei Singvögeln aber auch durch Salmonellen hervorgerufen werden. Es sind daher in jedem Fall weitergehende Untersuchungen zur Klärung der Veränderungen erforderlich. Wichtig ist die Einsendung frisch toter Vögel.

Grünfink

Erkrankte Tiere zeigen gelbliche Beläge auf der Schleimhaut des Schlundes und vereinzelt auch des Rachens. Der Schnabel ist verklebt. Häufig finden sich noch Körner im erweiterten Schlund. Die Tiere sind kurzatmig und wirken matt, apathisch und schlafen überdurchschnittlich viel. Ihr Gefieder ist meist stark aufgeplustert. In der Regel sterben die Tiere nach kurzer Krankheitsdauer an der Infektion. Andere Arten wie Buchfink, Gimpel, Stieglitz und Kernbeißer sind aktuell ebenfalls betroffen. Trichomonadosen sind ebenfalls von Tauben („gelber Knopf“), Hühnern und Greifvögeln bekannt. Sie sind hochgradig infektiös und übertragen sich rasch von einem Tier auf das andere. Für Menschen ist der Erreger dagegen harmlos.

Zur Aufklärung des Massensterbens von Grünfinken bittet der NABU die Bevölkerung um Mithilfe. Wer selbst tote Vögel gefunden hat, wird gebeten, dies dem NABU unter Beantwortung einiger Fragen zur Situation am Fundort umgehend über die Internetseite http://Gruenfinken.NABU-SH.de zu melden. Sterbende und frisch tote Finken, die unter ähnlichen Bedingungen gefunden wurden, sollten zum Nachweis des Erregers unverzüglich den Veterinärmedizinischen Untersuchungsämtern der Länder gebracht werden.

Für Rückfragen:
Ingo Ludwichowski
NABU Schleswig-Holstein
Tel. 04321-953073

Dr. Martin Peters
Staatliches veterinärmedizinisches Untersuchungsamt Arnsberg
Tel. 02931-809256

mehr Hintergrundinformationen zum Grünfinkensterben und zu den Trichomonaden

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