Vogelgefahr: Stromtod

Stromleitungen gefährden Vögel

Die Zahl vogelgefährlicher Strommasten steigt weltweit immer weiter. Sie sind sogar eine noch größere Gefahr für Vögel als die Drähte von Hochspannungsleitungen.
Toter Jungstorch hängt an Strommast
Toter Jungstorch an Strommast© Foto: NABU/Uwe Seidel

Zwei Gefahren: Stromschlag und Kollision

Für 16 Vogelarten zählen tödliche Stromschläge an unzureichend gesicherten Energiefreileitungen und -masten zu den wichtigsten menschengemachten Todesursachen in Deutschland. Besonders betroffen sind größere Greifvögel und Eulen sowie Störche und Rabenvögel, aber auch Rotmilane und Seeadler.

Dabei unterscheiden sich die Hauptprobleme je nach Spannungsebene: An Mittelspannungsmasten dominiert der Stromschlag, an Hoch- und Höchstspannungsleitungen die Kollision.

Für beide Gefahren existieren wirksame technische Lösungen. Gefährliche Strommasten müssen konsequent nachgerüstet und Leitungen in besonders sensiblen Gebieten markiert werden. Entscheidend ist, dass bei jedem neuen Netzausbau der Vogelschutz bereits bei der Planung berücksichtigt wird. Wo immer möglich, sollten Stromleitungen unterirdisch verlegt werden.

Stromschlag an Mittelspannungsmasten

Besonders an Strommasten im Mittelspannungsbereich (10 kV bis 60 kV), die besonders gerne als Sitzwarten, Nist- oder Schlafplätze genutzt werden, können Vögel beim Sitzen oder An- und Abfliegen gleichzeitig spannungsführende und geerdete Bauteile berühren. Dadurch entstehen Kurz- oder Erdschlüsse, die zu schweren Verbrennungen, Lähmungen und zum Tod durch Stromschlag oder Absturz führen. Besonders betroffen sind größere Greifvögel, Eulen, Störche und Rabenvögel.

Viele der sogenannten „Killermasten“ weisen konstruktionsbedingt zu geringe Abstände zwischen Leitern und geerdeten Teilen auf. Besonders problematisch sind Masten mit Stützisolatoren, kurzen Isolatoren oder ungünstig angeordneten Schaltern.

Dabei existieren bereits einfache technische Lösungen: Mit Abdeckungen und anderen Isolierungen können gefährliche Bauteile abgeschirmt werden. 

Trotz gesetzlicher Vorgaben sind immer noch nicht alle gefährlichen Masten ausreichend gesichert. Wir fordern eine konsequente Kontrolle und Nachrüstung.

Mittelspannungsmast – durch Abdeckungen und Isolierungen vogelsicher gemacht© Foto: NABU/Eric Neuling

Kollision mit Stromleitungen

An Hoch- und Höchstspannungsleitungen ist der Zusammenstoß mit den Leitungen die wichtigste Todesursache. Besonders Groß- und Wasservögel wie Kraniche, Störche, Schwäne, Gänse und Trappen sind gefährdet, da sie die dünnen Erdseile schlecht erkennen und außerdem nicht gut manövrieren können.

Das Ausmaß der Gefährdung ist erheblich: Wir schätzen, dass allein in Deutschland jährlich bis zu 2,8 Millionen Vögel an Hoch- und Höchstspannungsleitungen sterben. Besonders problematisch sind Gebiete, in denen sich viele Vögel konzentrieren, etwa Feuchtgebiete, Rastplätze, Vogelschutzgebiete und Zugkorridore. Unter ungünstigen Wetterbedingungen können dort hohe Opferzahlen auftreten.

Gegen Leitungskollisionen helfen Markierungen – am sichersten ist die Erdverkabelung. Die dünnen Erdseile, die sich oberhalb der stromführenden Leitungen befinden, sind für Vögel besonders schwer zu erkennen. Vogelschutzmarkierungen, etwa kontrastreiche und bewegliche Marker, machen die Leitungen besser erkennbar und können Kollisionen um 60 bis 90 Prozent reduzieren. Noch wirksamer ist die Erdverkabelung, weil dadurch Kollisionen mit oberirdischen Leitungen vollständig vermieden werden.

Verendeter Uhu hängt in einem Strommast

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Auch Bahnoberleitungen sind relevant

Die Problematik beschränkt sich nicht auf das allgemeine Stromnetz. Auch elektrifizierte Bahnstrecken können Vögel durch Stromschläge gefährden. Jedes Jahr sterben laut Statistik der Bahn mindestens 3.000 Krähen, Tauben, Eulen, Greifvögel oder Störche durch Kurzschlüsse. Besonders gefährlich sind die senkrecht auf den Oberleitungsmasten installierten Isolatoren. Vögel, die auf oder neben diesen Isolatoren auf der Leitung landen, können mit Flügel oder Schnabel ohne weiteres die zu kurzen Isolatoren überbrücken. Sie verenden an einem Stromschlag oder durch den Absturz.

Wichtiger Erfolg für den Vogelschutz

2022 trat eine neue technische Richtlinie in Kraft, die von der Deutschen Bahn, dem Eisenbahnbundesamt, dem NABU und den Vogelschutzwarten gemeinsam erarbeitet wurde. Sie enthält verbesserte Vorgaben für den Neubau von Oberleitungsanlagen. Unter anderem sollen nur noch hängende oder langstäbige Isolatoren verwendet werden, die für Vögel weniger gefährlich sind. Auch die bestehenden elektrifizierten Strecken, insgesamt etwa 20.000 Kilometer lang, sollen insbesondere in vogelreichen und geschützten Gebieten sicherer werden.

Die überarbeitete Richtlinie belohnt den langen Atem vieler engagierter NABU-Mitglieder, die sich seit Jahren fachlich fundiert für den Schutz von Großvögeln an Freileitungen einsetzen. Sie zeigt, was im Artenschutz möglich ist, wenn Anregungen und Hinweisen von im Naturschutz Aktiven gefolgt wird.

Vogel-Icon auf hellblauem Hintergrund

NABU-Bundesarbeitsgruppe kämpft für mehr Vogelschutz an Energiefreileitungen

Bundesarbeitsgruppe Stromtod

In der NABU-Bundesarbeitsgruppe Stromtod engagieren sich seit vielen Jahren Vogelfreund*innen gegen den Tod von Vögeln an Energiefreileitungen.

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Vogelschutz muss bereits bei der Planung beginnen

Nicht nur müssen bestehende Stromleitungen nachgerüstet werden, um sie vogelsicher zu machen. Entscheidend ist auch, dass der Vogelschutz von Beginn an in die Planung neuer Stromtrassen einbezogen wird. Besonders sensible Gebiete sollten möglichst von der Planung ausgenommen werden.

Für unvermeidbare Freileitungen existieren inzwischen technische Empfehlungen des VDE, diese durch geeignete Vogelschutzmarkierungen sicherer zu machen.

Gemeinsam Vögel schützen

Vogelschutz ist von jeher unser Herzensthema. Und so vielfältig wie die verschiedenen Vogelarten sind auch unsere Projekte zu ihrem Schutz. Deine wertvolle Unterstützung macht all das erst möglich.

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Stromtod von Vögeln ist ein europaweites Problem

Eine vom NABU ausgewertete Studie zeigt, dass alle 27 EU-Mitgliedstaaten mit Vogelverlusten an Stromleitungen zu kämpfen haben. Die gesetzlichen Vorgaben und technischen Schutzmaßnahmen unterscheiden sich jedoch erheblich. Während einige Länder bereits umfangreiche Schutzmaßnahmen einsetzen, bestehen andernorts große Lücken bei gesetzlichen Vorgaben, den Kontrollen und der Umsetzung. 

Wir fordern deshalb EU-weit verbindliche Standards, eine bessere Datenerfassung und eine stärkere Zusammenarbeit zwischen Naturschutz, Politik, Forschung und Netzbetreibern. 

Die passende Folge „Reingezwitschert“

Mit Spannung versorgen wir täglich unsere elektrischen Geräte. Doch was bedeutet das für die Vögel? Ist unser Stromnetz eine Gefahr für unsere heimischen Piepmätze? Welche Vögel sind betroffen und was kann jeder und jede Einzelne tun? Eure Podcast-Hosts Fabian und Martin haben sich mit der NABU-Expertin Catherina Schlüter kurzgeschlossen und bringen Licht ins Dunkel:

Sieben Prinzipien für ein vogelfreundliches Stromnetz in Europa

Der Bau von neuen Stromleitungen ist für die Energiewende wichtiger denn je. Aber der Umbau des Stromnetzes muss naturverträglich sein. Deshalb muss wirksamer Vogelschutz von Anfang an mitgedacht und berücksichtigt werden.

Neben den technischen Nachbesserungen fordern wir für einen naturverträglichen europäischen Netzausbau unter anderem:

NABU-Hintergründe zum Download

NABU-Broschüre: Achtung, Stromschlag – Wie Vögel vor Unfällen auf Strommasten besser geschützt werden können

  • Publikation
  • 11.11.2025
  • PDF
  • 4,0 MB

Ansprechpersonen

Porträtaufnahme NABU-Vogelschutzexperte Martin Rümmler.
Martin Rümmler
NABU-Vogelschutzexperte
Foto Platzhalter Storch Mitarbeiterinnen
Team Vogelschutz

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