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NABU-Kreuzfahrtranking
Wo stehen die Reedereien bei Klima- & Umweltschutz 2025?
Kreuzfahrtschiff auf Rhodos - Foto: Alamy/Stephen Hyde
Im Jahr 2024 reisten weltweit rund 35 Millionen Menschen mit dem Kreuzfahrtschiff. Für das Jahr 2040 rechnet der Branchenverband bereits mit etwa 41 Millionen Passagieren. Die Kreuzfahrtindustrie freut sich über diese Zahlen – doch welche Auswirkungen hat die Branche auf Umwelt und Klima? Und welche Maßnahmen werden ergriffen, um diese zu mindern?
Um Antworten auf diese Fragen zu finden, hat der NABU auch 2025 wieder untersucht, welche Anstrengungen die Reedereien im Bereich Umwelt- und Klimaschutz unternehmen. Ein besonderer Fokus liegt dabei auf dem deutschen Kreuzfahrtmarkt.
Die Ergebnisse präsentiert das Kreuzfahrtranking 2025:
Ergebnisse im Detail
Für die Bewertung der Reedereien wurden die nachfolgenden Klima- und Umweltschutzkriterien herangezogen. Eine grafische Übersicht der Bewertung nach diesen Kriterien finden Sie hier.
Klimaziel
Positiv ist hervorzuheben, dass alle betrachteten Reedereien weiterhin an ihrem Netto-Null-Ziel für 2050 festhalten. Bis dahin wollen sie jährlich genauso viele Treibhausgase binden wie sie ausstoßen, sodass ihre bilanzierten Gesamtemissionen bei null liegen. Vorhaben, dies Ziel schon vor 2050 zu erreichen, werden von den Reedereien hingegen kaum aufgezeigt.
Klima- und Effizienzmaßnahmen
Effizienzsteigerungen der Schiffe werden durch Maßnahmen wie ein verbessertes Energiemanagement an Bord, Routenoptimierungen in Verbindung mit reduzierten Geschwindigkeit sowie Anpassungen der Rumpfform und des Propeller erreicht. Vereinzelt kommen auch Luftblasenteppiche zum Einsatz, welche den Reibungswiderstand des Schiffes und somit den Kraftstoffverbrauch reduzieren.
Noch weniger verbreitet ist die Nutzung von Windenergie zur Unterstützung der Hauptmotoren, wie es bei einzelnen Schiffen von Ponant der Fall ist. Bislang gibt es nur wenige Planungen für Neubauten mit windunterstützenden Systemen, neben Ponant auch bei Hurtigruten.
Etwas verbreiteter, aber dennoch selten, ist der Einsatz von Batterien und Brennstoffzellen im aktuellen Schiffsbestand. So setzen beispielsweise AIDA Cruises, Havila, Hurtigruten, Hurtigruten Expeditions und Ponant stellenweise Batterien ein. Brennstoffzellen sind dagegen nur vereinzelt, beispielsweise bei MSC, zu finden. Einige Reedereien planen, bei ihren Neubestellungen sowie dem Umbau ihrer Schiffe Batterien und Brennstoffzellen zu nutzen, aber auch hierbei handelt es sich nicht um flächendeckende Maßnahmen. Eine vollständige Elektrifizierung großer Kreuzfahrtschiffe ist aufgrund ihres hohen Energiebedarfs derzeit nicht realisierbar. Batterien und Brennstoffzellen können jedoch insbesondere beim Manövrieren durch sogenanntes Peak Shaving den Kraftstoffverbrauch senken, indem sie die Hauptmotoren in Spitzenlastphasen entlasten.
Klimaintensität
Durch Effizienzmaßnahmen hat sich der Energieverbrauch und damit die Klimaintensität pro Passagier*in im Laufe der letzten Jahre grundsätzlich reduziert. Neubauten werden immer energieeffizienter und auch an der bestehenden Flotte werden Umbauten vorgenommen, um die Energieeffizienz zu erhöhen und somit den Kraftstoffverbrauch zu senken. Auch das Größenwachstum der einzelnen Schiffe trägt dazu bei.
Der Ausstoß von Treibhausgasen pro Passagier*in und zurückgelegtem Kilometer variiert jedoch sehr stark zwischen den verschiedenen Reedereien. Auf Basis der Daten für den Europäischen Markt (THETIS-MRV) reicht der Treibhausgasausstoß von unter 200 bis über 900 g CO₂ pro Passagierkilometer – je nach Reederei ein Unterschied um mehr als das Vierfache.
Alternative Kraftstoffe
Um die Dekarbonisierung der Kreuzschifffahrt wirklich voranzutreiben, braucht es neben effizienteren Schiffen und der verstärkten Nutzung von Windunterstützung, Batterien und Brennstoffzellen vor allem einen Wechsel von den derzeit üblichen fossilen Kraftstoffen hin zu erneuerbaren Kraftstoffen, sogenannten eFuels beziehungsweise RFNBOs (erneuerbare Kraftstoffe nicht-biologischen Ursprungs). Im diesjährigen Kreuzfahrtranking zeigt sich jedoch nur wenig Fortschritt hinsichtlich des Einsatzes von eFuels. Anstatt auf Technologien zu setzen, die echte Klimaneutralität versprechen, fokussiert sich die Branche bei Neubestellungen vor allem auf LNG (verflüssigtes Erdgas) – einen fossilen Kraftstoff, der zwar weniger CO₂ emittiert, dessen Hauptbestandteil Methan jedoch auf 20 Jahre gesehen ein mehr als 80-fach stärkeres Treibhausgaspotential als CO₂ hat.
LNG spart weder kurz- noch langfristig Treibhausgase ein, stärkt bestehende fossile Infrastrukturen und hindert die Branche daran, in Kraftstoffe zu investieren, die einen echten Schritt hin zum Klimaziel "Netto-Null" bis 2050 ermöglichen würden. Auch wenn die Verfügbarkeit von eFuels wie E-Methanol sowie die entsprechende Motorentechnologie derzeit noch nicht weit verbreitet sind, ist es bedauerlich, dass insbesondere bei Neubestellungen kaum konkrete Maßnahmen in Richtung RFNBOs erkennbar sind. Positiv hervorzuheben ist lediglich ein methanolfähiges Schiff in der bestehenden Flotte von "Mein Schiff". Bei den aktuellen Neubauprojekten hingegen finden sich keine wirklich ambitionierten Vorreiter.
Landstrom
Mehr Dynamik zeigt sich bei der Dekarbonisierung während der Hafenliegezeiten. Anders als auf See kann der Energiebedarf eines Schiffes im Hafen, sofern Schiff und Hafen technisch ausgerüstet sind, vollständig durch Strom gedeckt werden (idealerweise aus erneuerbaren Quellen). Auch hervorgerufen durch die EU-Vorgabe, wonach große Passagierschiffe ab 2030 in europäischen Häfen Landstrom nutzen müssen, gibt es im diesjährigen Ranking keine Reederei mehr ohne landstromfähige Schiffe. Einige Anbieter wie Havila, Hurtigruten, Hurtigruten Expeditions oder Mein Schiff sind bereits vollständig ausgerüstet, während andere deutlich hinterherhinken und lediglich einzelne Schiffe über einen Landstromanschluss verfügen. Unberücksichtigt im Kreuzfahrtranking bleibt jedoch die ebenso wichtige Frage, wie häufig Schiffe im Hafen tatsächlich Landstrom nutzen. Während Häfen wie Hamburg, Kiel oder Rostock Kreuzfahrtschiffen bereits flächendeckend Anschlüsse anbieten, sind andere Häfen noch weit davon entfernt. Allerdings werden auch in Häfen mit Ladepunkten viele Schiffe bisher nicht an Landstrom angeschlossen.
Stopp von Schweröl
Aus Sicht des NABU ist es äußerst bedauerlich, dass nur vier der zwölf untersuchten Reedereien auf den stark umwelt- und klimaschädlichen Einsatz von Schweröl verzichten. Die meisten nutzen weiterhin giftiges, aber billiges Schweröl. Dabei wäre ein Wechsel zu dem weniger schädlichem Marinediesel technisch problemlos umsetzbar. Stattdessen setzen viele Unternehmen auf Schweröl in Kombination mit Abgaswäschern (Scrubber). Diese reduzieren zwar den Schwefelgehalt im Abgas, leiten jedoch die dabei entstehenden Rückstände, die mit toxischen Schwermetallen und polyzyklischen aromatischen Kohlenwasserstoffen angereichert sind, ins Meer ein und belasten so die Meeresökosysteme.
Stickoxidkatalysatoren und Rußemissionen
Etwa die Hälfte der Reedereien reduziert ihre Stickoxidemissionen flächendeckend – entweder durch den Einsatz von Abgasnachbehandlungssystemen oder durch die Verwendung saubererer Kraftstoffe. Die Minderung von Rußemissionen wird hingegen von den meisten Unternehmen kaum angegangen. Sowohl Stickoxid- als auch Rußemissionen verschlechtern die Luftqualität und gefährden somit insbesondere die Gesundheit der Menschen, die an der Küste leben. Zudem verstärkt Ruß durch seine schwarzen Partikel die Erderwärmung, da er Sonnenstrahlung absorbiert statt zu reflektieren. Dies ist besonders problematisch in arktischen Gewässern, in denen teilweise auch Reedereien des Kreuzfahrtrankings navigieren: Die Ablagerung von Ruß auf Eis- und Schneeflächen mindert deren Reflexionsvermögen und beschleunigt das Schmelzen.
Fazit Kreuzfahrt-Ranking 2025
Innerhalb der betrachteten Unternehmen gibt es große Unterschiede bezüglich ihrer Anstrengungen hin zu mehr Klima- und Umweltschutz. Während bei den oberen Platzierungen des Kreuzfahrtrankings größere Bestrebungen erkennbar sind, scheinen Klima- und Umweltschutz bei den unteren Platzierungen weniger Priorität zu haben.
Die Hauptproblematik - der nahezu ausschließliche Einsatz fossiler Kraftstoffe - bleibt jedoch für alle bestehen und treibt sowohl die Klimakrise als auch den Verlust der biologischen Vielfalt weiter voran.
Auch im Jahr 2025 ist die nachhaltigste Kreuzfahrt die, die nicht stattfindet. Zwar sinken die Umwelt- und Klimaauswirkungen pro Passagier tendenziell leicht, doch setzt die Branche weiterhin zu wenige Maßnahmen um, um das Wachstum der Passagierzahlen auszugleichen. Effizienzsteigerungen allein reichen nicht aus, denn der entscheidende Hebel bei der Dekarbonisierung - der Umstieg auf grüne eFuels - bleibt aus. Stattdessen setzen die meisten Unternehmen weiterhin auf Schweröl und Marinediesel oder auf Scheinlösungen wie fossiles LNG sowie biogene Kraftstoffe, deren Klimabilanz zweifelhaft ist. Wirklich mutige Investitionen in grüne eFuels, zum Beispiel durch methanolfähige Neubauten, sind bislang die Ausnahme.
Downloads
NABU-Kreuzfahrtranking 2024
Die Herausforderung: Abhängigkeit von fossilen Kraftstoffen
Die Wahl des Kraftstoffes ist weiterhin zentral und bleibt schwierig zu lösen. LNG führt zu erheblichen Verbesserungen der Luftqualität, da Luftschadstoffe reduziert werden. Allerdings entweicht bei der Verbrennung Methan, das kurzfristig die 80-fache Treibhausgaswirkung von Kohlenstoffdioxid entfaltet und somit ein wahrer Klimakiller ist. Eine LNG-Kreuzfahrt ist mitunter klimaschädlicher als eine Kreuzfahrt mit Diesel. LNG als grüne Lösung zu bewerben, ist daher irreführend.
Auch Biokraftstoffe sind nicht unproblematisch. Palmöl oder andere Anbauprodukte gehören nicht in die Tanks von Schiffen. Selbst Biokraftstoffe auf Abfallbasis entnehmen ihren Rohstoff einem Stoffkreislauf, der dann ersetzt werden muss. Dadurch entstehen neue Umweltgefahren, wie zum Beispiel Landnutzungsveränderungen und Entwaldung. Es stehen schlicht nicht genügend Reststoffe zur Verfügung, um einen maßgeblichen Beitrag zur Dekarbonisierung der Schifffahrt zu leisten.
Hier finden Sie die einzelnen Punkte, aus denen die Bewertung hervorgeht.
Details zum RankingDownloads
NABU-Kreuzfahrtranking 2023
Kreuzfahrt und Klimaschutz kommen nicht zusammen
Von einer Kreuzfahrt mit gutem Gewissen sind die Vorreiter des diesjährigen Rankings zwar noch deutlich entfernt. Es gibt jedoch erste vielversprechende Ankündigungen, die Hoffnung auf eine umweltfreundlichere Kreuzschifffahrt machen. Gerade Anbieter kleinerer Kreuzfahrtschiffe schreiten beim Klima- und Umweltschutz voran, wie die Spitzenreiter des diesjährigen Rankings Hurtigruten und Havila aus Norwegen.
Positiv zu erwähnen ist, dass kein Unternehmen es sich mehr leisten kann, gar keine Maßnahmen zur Emissionsminderung zu ergreifen – das Mittelfeld des Rankings rückt zusammen. Zwischen den Firmen sowie innerhalb der Flotten der Unternehmen gibt es jedoch weiterhin große Unterschiede. Insbesondere die Bestandsschiffe werden kaum sauberer. Verbesserungen werden fast ausschließlich auf neuen Schiffen umgesetzt.
NABU Kreuzfahrt-Ranking 2023. Grafik: NABU/stockmarpluswalter.de
Hier finden Sie die einzelnen Punkte, aus denen die Bewertung hervorgeht.
Details zum RankingNABU-Kreuzfahrtranking 2022
Umwelt- und Klimaschutz immer noch nicht im Fokus der Unternehmen
Im zehnten Jahr des Kreuzfahrtrankings zeigen die Ergebnisse erneut, dass Umwelt- und Klimaschutz noch immer nicht im Vordergrund bei Schiffsbetrieb und -neubau der Kreuzfahrtunternehmen stehen. Schweröl ist weiterhin der Treibstoff der Wahl für das Gros der Bestandsflotten. Nur wenige wirklich zukunftstaugliche Projekte sind in der Planung und Umsetzung.
Mit dem Ranking hat der NABU die umgesetzten Maßnahmen und Absichten der Kreuzfahrtanbieter auf dem Weg zu einer sauberen klimaneutralen Kreuzfahrt basierend auf der Roadmap des NABU bis 2040 bewertet. Es wurden 19 Reedereien befragt, insgesamt konnten 17 Punkte erreicht werden. Der Erstplatzierte Hurtigruten Norway, die norwegische Postschifflinie, erreicht jedoch gerade die Hälfte der möglichen Punkte, alle anderen Unternehmen reihen sich dahinter ein.
Unter den ersten fünf finden sich immerhin die drei deutschen Unternehmen AIDA, Hapag Lloyd Kreuzfahrten und TUI Cruises, die insbesondere für Maßnahmen auf großen und sehr großen Schiffen als Vorreiter gelten können, unter Vorbehalt, dass die zaghaften Versuche hin zu mehr Klimafreundlichkeit tatsächlich zeitnah im größeren Maßstab umgesetzt werden. Die Ergebnisse zeigen aber auch, dass von den Unternehmen vor allem schöne Worte und Ankündigungen kommen, bislang aber nur wenig konkret umgesetzt wird, um die Situation zu verbessern.
NABU-Kreuzfahrtranking 2022 (zum Vergrößern klicken)
