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Mobil in der Zukunft
Wie wir uns 2050 fortbewegen
Bahnverkehr - Foto: NABU/Jan Piecha
Die Geburtstagstorte steht auf dem Terrassentisch, und Karla gießt schnell noch den Kaffee auf, als es klingelt. „Der Ohne-Fahrer-Bus ist da!“, ruft ihre Tochter Lisa und öffnet den ersten Gästen. „Du wohnst ja am Ende der Welt, Geburtstagskind“, dröhnt Onkel Andi und umarmt Karla. „Aber schön habt ihr es hier – und so gut erreichbar“, sagt Tante Ellen, während sie ihren Rollstuhl auf die Terrasse lenkt. „Die Rampe im Bus fährt automatisch nach unten und oben. Im Fahrzeug konnte ich den Rollstuhl problemlos selbst befestigen.“
Autonom fahrende Elektrobusse und Ruftaxis verbinden Karlas Dorf in Ostfriesland mit der nächsten Stadt und dem dortigen Bahnhof. Die „Ohne-Fahrer-Busse“ sind allesamt barrierefrei. Wer selbst nicht mobil ist, kann ein autonomes Ruftaxi bis zur Haustür bestellen. Tante Ellen hat das genutzt und direkt über die einheitliche Mobilitäts-App gebucht. Darin sind alle Bus- und Bahnverbindungen deutschlandweit erfasst und die Daten intelligent vernetzt.
Mobilitäts-App für alle
„Alles Gute zum Vierzigsten!“ Plötzlich steht Jakob neben Karla und umarmt sie. Früher wohnte er zwei Häuser weiter, nun lebt er in München. „Saßen wir nicht im selben Zug, junger Mann?“, fragt Onkel Andi. Jakob nickt, während er ein Stück Torte auf seinen Teller schiebt. „Ich bin von München angereist – das geht heute viel schneller als damals.“
Über einen deutschlandweiten Takt sind alle Zugverbindungen aufeinander abgestimmt, das Streckennetz wurde ausgebaut, und stillgelegte Strecken wurden wieder in Betrieb genommen. Die Abfahrtszeiten der Regionalbusse orientieren sich am Bahntakt, sodass Reisende vom Bahnhof rasch weiterkommen. Jakob hat sich heute aber fürs Fahrrad entschieden. Über die Mobilitäts-App konnte er von unterwegs ein Leihrad am Bahnhof buchen.
Lastenrad als Taxi
„Ohne Verspätung von München nach Ostfriesland?“ Onkel Andi kann es nicht glauben. „In meiner Jugend war Bahnfahren noch ein Abenteuer. Einmal bin ich auf dem Weg nach Berlin mitten in der Nacht …“ Die Haustürklingel unterbricht ihn. Jakob springt auf und kommt mit seinen alten Schulfreundinnen Selina und Lotte zurück.
Selina trägt einen großen Rucksack, sie ist mit dem Nachtzug aus Spanien angereist. Ihre Freundin Lotte hat sie vom Bahnhof abgeholt. „Bist du in der Kinderbox gefahren, Selina?“, fragt die sechsjährige Lisa kichernd. Sie selbst durfte schon oft in Lottes E-Lastenrad mitfahren. Vier Kinder und etwas Gepäck haben in der Transportbox locker Platz. Aber eine Erwachsene? „Klar!“ Selina strubbelt Lisa durch die Haare. „Die Box lässt sich ganz schnell umbauen, dann passen auch Große wie ich bequem rein.“
Europäische Nachtzüge
„Selina, seit wann bist du unterwegs?“, fragt Jakob, während er seiner Schulfreundin ungefragt ein Stück Torte auf den Teller lädt. Ihre Vorliebe für Süßes verbindet die beiden seit Kindergeburtstagszeiten. „Gestern spätabends in Bilbao in den Zug gestiegen“, nuschelt Selina zwischen zwei Bissen. „Von Paris hab ich nichts mitbekommen, da sind wir einfach durchgerauscht.“
„Das war früher anders!“ Onkel Andi seufzt. „Damals, es muss 2025 gewesen sein, bin ich an der spanischen Grenze gestrandet, es ging kein Zug mehr …“ Ein Scheppern unterbricht ihn, jemand flucht. „Opa!“, Lisa springt auf und läuft ihrem Großvater entgegen, der einen Grill auf die Terrasse schleppt.
Fahrräder leihen
„Hat alles geklappt? Bist du mit der App klargekommen?“, fragt Karla nervös. Immerhin war es ihre Idee, dass ihr Vater den Grill mit einem geliehenen Lastenrad aus dem Nachbardorf mitbringt. Ihr Vater winkt ab. „Alles kein Problem, die App kenne ich ja schon. Das Ding zu lenken war allerdings ein kleines Abenteuer. Ich bin ja noch nie Lastenrad gefahren.“
„Wie schön, dass es doch noch Abenteuer gibt“, sagt Onkel Andi und lacht. „Bahnfahren ist ja langweilig geworden. Wenn ich da an früher denke …“ – „Hilf mir mal mit dem Grill“, unterbricht ihn sein Bruder. Karla lächelt ihren Vater dankbar an. Die Geschichten von Onkel Andi sind wirklich Schnee von gestern – zum Glück.
Ann-Kathrin Marr (Naturschutz heute 3/25)
Selbstfahrende Busse und Ruftaxis werden bereits erprobt. Im Hamburger Stadtteil Harburg zum Beispiel sollen autonom fahrende Sammeltaxis den öffentlichen Nahverkehr ergänzen. Im Rahmen des Projekts „ahoi!“ sind erste Fahrzeuge unterwegs. Informationen zu weiteren Projekten.
Eine umfassende Mobilitäts-App, die alle Angebote deutschlandweit erfasst, intelligent verbindet und für Nutzer*innen aufbereitet: Das ist noch Zukunftsmusik. Im öffentlich geförderten Projekt AIAMO wird ein System erarbeitet, das Mobilitätsdaten verschiedener Verkehrsanbieter mithilfe Künstlicher Intelligenz vernetzen soll.
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