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Auch Pflanzen leiden unter Luftverschmutzung
„Pflanzen haben nur wenige Abwehrmechanismen, die über den Umgang mit ihrer natürlichen Umgebung hinausgehen“, so Thomas Hövelmann, Sprecher des NABU-Bundesfachausschusses (BFA) Botanik. Aber auch Feinstaub ist problematisch: Laut dem Experten kann er eine dünne Schicht auf den Blättern bilden und die Photosynthese beeinträchtigen – „vor allem, wenn es wochenlang nicht regnet“. Denken wir an die Schifffahrt zurück, sagt Malte Siegert: „Durch große Mengen Stickoxide verändert sich der pH-Wert: Böden und Gewässer drohen, zu versauern. (Blau-)Algen nehmen zu, was gesundheits- und tourismusschädigend sein kann.“
Weniger Wachstum durch Ozon
Wie Luftverschmutzung die menschliche Gesundheit und Vegetation beeinflusst, untersucht die vom Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt finanzierte Forschungsgruppe „IMPAC²T“ um Mariano Mertens. Ihm zufolge kann bodennahes Ozon nicht nur das Pflanzenwachstum, sondern auch unsere Ernte verringern. Soja, Weizen und Mais sind nachweislich betroffen, mit globalen Verlusten von bis zu zwölf Prozent. Studien zeigten zudem, dass 38 Prozent der europäischen Laubbäume „sichtbare Ozonschäden“ aufweisen. „Durch die Reduktion von Luftschadstoffen verringern wir auch Schäden für unsere Wälder und Nutzpflanzen“, so der Forscher.
Gelbflechte an einer Eiche - Foto: Helge May
Stickstoffliebende Pflanzen werden aus der Luft mit Stickstoffoxiden überdüngt. „Eines der drängendsten Probleme für die heimische Vegetation, vor allem in durch industrielle Landwirtschaft geprägten Gebieten“, so Hövelmann. Als Beispiele listet er Brennnessel, Brombeere, Giersch und Holunder auf. „Sie waren schon immer bei uns heimisch, konnten sich aber erst durch menschengemachte Luftverschmutzung stark auf Kosten anderer Pflanzen ausbreiten.“
Schadstofffilter Schilf
Manche hingegen speichern besonders viele Schadstoffe. Hövelmann nennt als „natürliche Helden“ Schilf, auch in Kleinkläranlagen genutzt, Hallers Schaumkresse oder das Galmei-Veilchen, teils zur Entgiftung von Böden eingesetzt, und jene, die die Wasserqualität verbessern: Hornkraut, Wasserpest und Wasserlinsen. Übrigens: Nicht nur die Zahlen des Umweltbundesamtes (UBA) zeigen, dass sich die Luft verbessert hat – auch Flechten und Moose tun es. Sie konnten sich erst durch Luftreinhaltungsmaßnahmen wieder ausbreiten. Die empfindlichen Pflanzen sind, so Hövelmann, „ausgezeichnete Indikatoren für die Luftqualität“.
Carina Neumann-Mahlkau (aus „Naturschutz heute 4/2025)
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