Den Segelfalter erkennt man gut an den langen Flügelschwänzchen, hier ein Falter von der Mosel an Natternkopf - Foto: Karin-Simone Hauth/NABU-naturgucker.de
Der Segelfalter breitet sich in Deutschland immer weiter aus
Farbenprächtiger Bote des Klimawandels
Noch vor wenigen Jahrzehnten war der Segelfalter eine ausgesprochen seltene Erscheinung. Es gab in Deutschland nur noch Restbestände, das Aussterben schien nah. Vor allem die Raupen benötigen zur Entwicklung viel Wärme, die bekommen sie in unseren Breiten nur bei starker Sonneneinstrahlung. Wegen der Nutzungsaufgabe bisher beweideter oder per Hand bewirtschafteter Flächen verbuschten diese, die Sonne kam nicht mehr durch.
Entbuschung und andere Pflegemaßnahmen
Dass die Segelfalter wieder zahlreicher wurden, war zunächst gezielten Pflegemaßnahmen zu verdanken. Flächen wurden gelichtet, Sträucher zurückgeschnitten und Beweidung organisiert. Dazu kommt als weitere Zutat der Klimawandel. Viele Arten einschließlich des Menschen stellt die Erderwärmung vor enorme Herausforderungen, sie wächst sich zu einer existenziellen Klimakrise aus. Wärmeliebende Arten wie der Segelfalter profitieren dagegen.
Wo kann man Segelfaltern begegnen?
In Deutschland hat der Segelfalter drei Hauptvorkommen: entlang von Nahe, Mosel und Mittelrhein, im Taubertal und in Mainfranken sowie in weiten Teilen von Sachsen und Brandenburg samt des Berliner Raums. Dabei schließt das ostdeutsche Vorkommen an Bestände in Tschechien und Westpolen an. Populationen gibt es zudem im Altmühltal und im thüringischen Saaletal. Einzeltiere können auch fernab davon auftauchen, zum Beispiel fliegen Segelfalter der österreichischen Population gelegentlich in den Alpenraum bei Berchtesgaden. Vor allem die weiblichen Falter machen sich auf die Suche nach neuen Lebensräumen und legen dabei auch längere Strecken zurück.
Segelfalter erkennen, beobachten und melden
Der Segelfalter sieht dem nah verwandten und wesentlich bekannteren Schwalbenschwanz ähnlich, erkennbar ist er an den längeren Flügelschwänzchen. Die erste Generation fliegt bei uns von ungefähr Ende April bis in den Juni, die zweite im Juli und August, wobei man einzelne Falter auch noch im September findet. Wer einen Segelfalter sieht, sollte ihn möglichst fotografieren und die Beobachtung samt Foto – wegen der Verwechslungsfahr – im Portal www.NABU-naturgucker.de melden. Jede Meldung ist wertvoll, besonders spannend ist, ob und wo die Art neue Regionen besiedelt.
Vor dem Sprung in die Normallandschaft?
Sonderstandorte wie felsige Magerrasen mit lückigem Gebüsch bleiben rar und die Braunkohlelöcher werden zum größten Teil zuwachsen. Am dauerhaftesten dürfte der Klimawandel den Segelfalter fördern. Lange galt, dass Segelfalter bei uns ihre Eier vor allem an niedrigen sogenannten Krüppelsträuchern ablegen. Hier es nämlich besonders heiß, weil die Wärme vom Boden zurückstrahlt. Inzwischen mehren sich aber Meldungen, dass Segelfalter ihre Eier wie im Mittelmeerraum auch in größerer Höhe an Obstbäume wie Pfirsich und Pflaume ablegen. Weil es insgesamt wärmer geworden ist, geht es auch ohne bodennahe Zusatzhitze.
Falter und Klimawandel: Gewinner und Verlierer
Nicht nur dem Segelfalter ist die Erwärmung recht. Auch Schachbrettfalter und Kleiner Perlmutterfalter werden mehr, Arten wie der Kleine Schillerfalter breiten sich nach Norden aus und bilden statt einer immer öfter zwei jährliche Generationen. Unter den noch häufigen Schmetterlingen reagieren Schornsteinfeger, Landkärtchen und Kleiner Fuchs dagegen empfindlich auf Hitzesommer. Andere wie der Lilagold-Feuerfalter ziehen sich in höhere und damit kühlere Lagen zurück. Insgesamt gilt nur ein Drittel unserer Tagfalter als ungefährdet.
Segelfalterraupe im NABU-Projektgebiet Rheinhänge bei Assmanshausen, als Warnsignal hat sie ihre Nackengabel (Osmaterium) ausgefahren - Foto: Nico Flügel/NABU-naturgucker.de
Zusätzlicher Lebensraum entstand für die Segelfalter in den großen Offenflächen der ehemalige Braunkohletagebaue im Osten Deutschlands. Während sich die Raupen sonst von Schlehenblättern und der nahe verwandten Steinweichsel ernähren, wurde dort die aus Amerika stammende Späte Traubenkirsche zur wichtigsten Futterpflanze.
Aufschwung dank Kohleabbau und einer invasiven Art
Ausgerechnet die Klimakrise, der Moloch Kohleabbau und eine invasive Art greifen also einem bedrohten Schmetterling unter die Flügel. Das ist keine Kombination aus dem Naturschutz-Lehrbuch und kaum auf andere Arten übertragbar. Aber der Segelfalter hat sich nun so gut erholt, dass ihn die jüngste bundesweite Rote Liste als „ungefährdet“ führt.
Dabei erreicht der Segelfalter trotz des deutlichen Anstiegs der letzten 15 bis 20 Jahre längst nicht die Verbreitung wie vor 150 oder 200 Jahren. Dazu sind die modernen „Normallebensräume“ zu strukturarm. Damit der Aufschwung von Dauer ist und auch weitere Arten profitieren, müssen wir unsere Landschaften wieder anreichern. Mit gutem Willen aller Beteiligten ginge das, selbst Land- und Forstwirtschaft hätten davon Vorteile.
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