Biber leben monogam und besiedeln ihre Reviere als Paar mit ihrem Nachwuchs. - Foto: Oliver Richter
Der Biber – ein Multitalent im Ökosystem
Verlässlicher Partner im Kampf gegen Klimakrise und Artensterben
Der Biber ist das größte Nagetier Europas und gilt in Deutschland als streng geschützt. - Foto: Leopold Kanzler
Der Biber (Castor fiber) hat bereits vor Millionen von Jahren gelernt, die regenerationsfähigen Weichhölzer an Gewässern als Ressource zu nutzen, sowohl als Nahrung als auch als Baumaterialien. Mit einer Körperlänge von bis zu 130 Zentimetern und einem Gewicht von bis zu 36 Kilogramm ist er das größte Nagetier Europas. Sein Körper ist eher plump, gedrungen und kompakt gebaut, wodurch sich der Wärmeverlust im Wasser gering hält.
Charakteristisch für den Biber ist neben der Körpergröße vor allem sein platter Schwanz, der bis zu 40 Zentimeter lang sein kann und als Kelle bezeichnet wird. Sein dichtes, wasserabweisendes Fell schützt ihn vor Kälte, und die kräftigen Schneidezähne sind perfekt zum Nagen von Holz geeignet. Die Zähne sind mit einer dicken, orangenen, eisenhaltigen Schmelzschicht versehen, die ihn auch harte Stämme zerkleinern lassen.
Biber sorgen durch ihre Lebensweise für Strukturvielfalt in der Fläche, die sehr viele Vorteile mit sich bringt. - Foto: Jan Piecha
Seine Ernährung ist rein pflanzlich. Im Sommer ernährt er sich von krautigen Pflanzen im Uferbereich, Wasserpflanzen, Rhizomen und frischen Trieben von Bäumen. Während der kargen Jahreszeit steigt er um auf Rinde, Knospen und Zweige von Laubbäumen, wodurch es häufig zu den bekannten Nagespuren am Gewässerrand kommt. Dadurch lässt sich schnell auf die Anwesenheit eines Bibers am Gewässer schließen.
Der Biber ist ein ausgezeichneter Schwimmer, und hat an den Hinterpfoten Schwimmhäute zwischen den Zehen. Er ist dämmerungs- und nachtaktiv und bleibt tagsüber in der Regel in seinem Bau verborgen. Der Eingang liegt stets unter Wasser, wodurch Biber vor Feinden geschützt sind. Ihre Burgen enthalten trockene Wohnkammern und werden von ihnen aus Ästen, Zweigen und Schlamm gebaut. Wo der Bau von Burgen nicht möglich ist, liegen ihre Wohnhöhlen häufig in Uferböschungen, deren Eingänge ebenfalls unter Wasser münden.
Biber leben monogam. Die Paarungszeit liegt im Winter (Januar bis März) und ihre Tragzeit beträgt etwa 105 Tage. Im Mai oder Juni bringen sie zwei bis vier Jungtiere zur Welt, die bei der Geburt behaart sind und bereits sehen können. Die Eltern kümmern sich intensiv um die Jungen, die erst nach etwa zwei Jahren selbstständig werden.
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Sie gelten als Charakterart von Auen und Altarmen, aber besiedeln auch andere wassergebundene Lebensräume. - Foto: Oliver Richter
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Biber sind gute Schwimmer und haben Schwimmhäute an den hinteren Pfoten. - Foto: Oliver Richter
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Als reine Vegetarier ernähren sie sich im Sommer von diversen Pflanzen im Uferbereich, während sie im Winter auf Rinde, Knospen und Zweige umstellen. - Foto: Leopold Kanzler
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Mit ihren kräftigen Schneidezähnen sind sie in der Lage, ganze Bäume abzunagen. - Foto: Leopold Kanzler
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Bei gefällten Bäumen dient ihnen die Rinde als Nahrung. - Foto: Leopold Kanzler
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Biber fressen außerdem Zweige oder nutzen diese als Baumaterialien. - Foto: Leopold Kanzler
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Ihr dickes Fell schützt sie vor der Kälte, weshalb sie auch im Winter aktiv sind. - Foto: Leopold Kanzler
Lebensraum und Verbreitung
Historisch betrachtet war der Biber in Gesamtdeutschland verbreitet. Aufgrund intensiver Verfolgung war die Art Mitte des letzten Jahrhunderts nur noch in einem kleinen Bereich an der Mittelelbe zu finden. Biber waren in der Vergangenheit eine begehrte Beute aufgrund ihrer Pelze und als Nahrungsmittel. Mittlerweile ist die Art durch Schutzmaßnahmen und Wiederansiedlungsprojekte wieder weiter verbreitet und befindet sich auch weiterhin im Aufwärtstrend.
Als Lebensraum nutzt der Biber sowohl fließende als auch stehende Gewässer. Er gilt zudem als Charakterart großer Flussauen mit Weichholzauen und Altarmen – und verändert durch den Bau von Dämmen, Kanälen und Burgen ganze Fluss- und Bachlandschaften.
Biber zählen zu den wenigen Tierarten, die ihren Lebensraum nachhaltig selbst gestalten. Durch die Anlage von Staudämmen wird Wasser angestaut, wodurch die Wasserstände lokal erhöht und die Eingänge seiner Bauten (Burgen) gesichert werden. Manchmal verteilen seine Aktivitäten das Wasser neu in der Landschaft und lassen kleine Teiche entstehen oder leiten Abschnitte von Fließgewässern um. Dabei unterstützt er die natürlichen Prozesse in Auen und anderen Feuchtgebieten, die in der Vergangenheit vielerorts durch menschliche Eingriffe beeinträchtigt wurden. Wie lang der genutzte Flussabschnitt ist, ist dabei abhängig von der Lebensraumqualität und bemisst ein bis fünf Kilometer Uferstrecke. Meistens bewegt er sich dabei in einem Streifen bis 50 Meter Entfernung vom Ufer. Durch die geschaffene Strukturvielfalt sichert er den Lebensraum für viele andere wassergebundene Arten.
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Biberhabitate sind strukturreich und zeichnen sich durch unterschiedliche Wasserstände sowie stehendes und liegendes Totholz aus. - Foto: Jan Piecha
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Eine Biberburg am Ufer. Ihre Eingänge liegen dabei unter Wasser. - Foto: Klemens Karkow
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Baumeister am Werk. Biberreviere lassen sich schnell durch abgebissene Äste erkennen. - Foto: Jan Piecha
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Nagespuren am Ufer der Fulda in Nordhessen. Hier waren Biber nachts am Werk. - Foto: Jan Piecha
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Um Bäume am Ufer zu schützen, können Schutzmanschetten angebracht werden. - Foto: Jan Piecha
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Biber errichten in ihrem Revier gerne Dämme, halten Wasser in der Landschaft und tragen so zum natürlichen Klimaschutz bei. - Foto: Jan Piecha
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In Bereichen mit Konfliktpotenzial können Drainagerohre eingesetzt werden, um den Wasserstand zu regulieren. Foto: Jan Piecha
Förderung der Biodiversität
Biberlebensräume gehören zu den artenreichsten Biotopen Mitteleuropas. Die Veränderung der Wasserverhältnisse lässt vernässte oder überstaute Bereiche und sogar Tümpel entstehen. So ergibt sich ein Mosaik aus vielfältigen Lebensräumen, die in der intensiv genutzten Kulturlandschaft selten geworden sind. Damit unterstützt der Biber nicht nur die Resilienz ganzer Ökosysteme, sondern trägt auch zur Wiederansiedlung und Ausbreitung vieler Arten bei und unterstützt die Renaturierungsabsichten der EU und Deutschlands.
Mehr Amphibien dank des Bibers
Amphibien wie Laubfrosch, Moorfrosch, Rotbauchunke, Grasfrosch und alle heimischen Molcharten profitieren von den neuen Teichen. Viele Amphibien können ihre Reproduktionsphasen oftmals nicht mehr vollständig abschließen, da die Laichgewässer zu früh im Jahr austrocknen. Der Biber hält das Wasser zurück und trägt dadurch zur erfolgreichen Reproduktion innerhalb der von ihm geschaffenen Laichgewässer bei. Die Studienlage zeigt, dass es in Biberrevieren sowohl mehr Arten als auch höhere Individuenzahlen unserer heimischen Amphibien gibt.
Brutbiotop und Lebensraum für Vögel
Vögel wie Wasserralle, Rohrammer, Teichhuhn, Rohrsänger oder verschiedene Entenarten nutzen Bibergewässer als Brutbiotope. Eisvogel und Schwarzstorch kommen zur Nahrungssuche vorbei. Vernässte Offenlandbereiche und flache Stillgewässer, wie sie durch die Biberaktivitäten entstehen, bieten für den Kiebitz optimale Bedingungen und dienen als Resthabitat für bedrohte Arten wie die Bekassine.
Gute Bedingungen für Fische
Fische finden durch die geschaffene Strukturvielfalt wieder die Standortbedingungen, die sie für ihren Lebenszyklus benötigen. Jungfische haben oftmals unterschiedliche Bedürfnisse als bereits ausgewachsene Tiere. Die Aktivität des Bibers schafft ruhigere Wasserzonen und Flachwasserbereiche mit hohem Totholzanteil. Hinter den Biberdämmen bilden sich hingegen tiefere Kolke mit oftmals erhöhter Fließgeschwindigkeit. Somit ergeben sich unterschiedliche Habitatelemente und Kleinstrukturen, wodurch es zu einer Steigerung der Fischarten kommt.
Insekten profitieren
Insekten mit Bezug zum Wasser, wie Köcherfliegen, Wasserwanzen oder Libellen, profitieren ebenfalls von dem anstehenden Wasser. Untersuchungen zeigen, dass sich die Anzahl der vorkommenden Libellenarten nach der Rückkehr des Bibers um ein Vielfaches erhöhen kann. Auch Heuschreckenarten wie die Sumpfschrecke profitieren von dem Wasser in der Fläche.
Pflanzen kehren zurück
Pflanzen, die auf Feuchtgebiete und auf natürliche Änderungen eines Ökosystems angewiesen sind, kehren zurück. Biotoptypen der Nass- und Feuchtgrünländer sind durch die Flurbereinigung und die Intensivierung von Wasser- und Landwirtschaft selten geworden. Sie finden an Biberstandorten einen Rückzugsraum, da sie teilweise komplett aus unserer Landschaft verschwinden.
Unterstützung für Biotopverbund
Biotopverbund: Biber sind an Fließ- und Stillgewässern aktiv und nutzen so eine natürlich vorhandene Achse, an der sich viele Tiere und Pflanzen ausbreiten können. Querbauwerke, Brücken, Begradigungen und penibel gepflegte Deichvorländer erschweren oder verhindern die Nutzung als Wanderkorridor. Durch seine Bau- und Stauaktivitäten verbreitert der Biber diesen Wanderkorridor und ermöglicht es, Hindernisse zu umgehen. Auf diese Weise ist der Biber auch ein unverzichtbarer Unterstützer des Biotopverbundes.
Der Biber als Ökosystemleister
Die Klimakrise stellt Landwirtschaft, Forstwirtschaft und Wasserwirtschaft vor tiefgreifende Herausforderungen. Extreme Wetterereignisse wie Starkregen, Dürreperioden und sinkende Grundwasserstände verdeutlichen, dass die bisherigen Strategien im Umgang mit Wasser und Landschaft nicht mehr ausreichen. In dieser Situation kommt dem Biber eine zentrale Rolle zu. Als Schlüsselart und Ökosystemingenieur gestaltet er aktiv Landschaften, stellt Lebensräume wieder her, stabilisiert den Wasserhaushalt und bietet naturbasierte Lösungen für die drängendsten Herausforderungen der Klimaanpassung.
Von den festgesetzten Zielen der Wasserrahmenrichtlinie ist Deutschland noch weit entfernt, denn über 90 Prozent unserer Gewässer befinden sich nicht im guten ökologischen Zustand. Zusätzlich verlangen die Verpflichtungen aus der Wiederherstellungsverordnung der EU, die schrittweise Wiederherstellung von geschädigten Ökosystemen in einem konkreten Zeitrahmen. Bei diesen Herausforderungen nimmt der Biber eine zentrale Rolle ein und bietet eine kostenfreie Unterstützung dieser Ziele ohne langwierige, kostenintensive und aufwendige Genehmigungsverfahren:
Wasserrückhalt in der Fläche
Biberteiche wirken wie natürliche Rückhaltebecken. Sie speichern Regenwasser, fangen Hochwasserspitzen ab und geben das Wasser zeitverzögert wieder ab. Diesen Wasserrückhalt nehmen wir als „Überschwemmungen“ wahr. Je nach rückgehaltener Wassermenge kann die Überschwemmung sehr ufernah sein und den Grundwasserstand erhöhen oder Teile von angrenzenden Bereichen unter Wasser setzen.
Nährstoffrückhalt
Biberteiche fangen Nähr- und Schadstoffe ab, die die aufgestauten Fließgewässer transportieren. Die geringen Fließgeschwindigkeiten führen zu einem Absinken der Stoffe auf den Grund. Dies schützt Unterläufe vor Eutrophierung, verbessert die Wasserqualität und unterstützt natürliche Selbstreinigungsprozesse.
Grundwasserneubildung
Durch das Anstauen von Gewässern steigt der Grundwasserspiegel in Auenlandschaften. Dies unterstützt die Trinkwasserversorgung, insbesondere in Regionen, die unter zunehmender Wasserknappheit leiden.
Brandschutz
Vernässte Flächen, die durch Biber geschaffen werden, verringern das Risiko und die Ausbreitung von Vegetationsbränden – ein Aspekt, der mit zunehmender Trockenheit immer wichtiger wird. Ein Mosaik aus vernässten und nichtvernässten Flächen kann Brandschäden reduzieren.
Maßnahmen für ein konfliktfreies Miteinander
Überlappen sich vom Menschen genutzter Raum und Biberlebensraum, kann das zu Konflikten führen. Bewährte Maßnahmen ermöglichen jedoch ein konfliktfreies Nebeneinander. Wertvolle Bäume können durch fachgerechte Drahtzäunung oder das Auftragen von Schutzanstrichen gesichert werden. Biberdämme können mit Genehmigung der Unteren Naturschutzbehörde an kritischen Punkten reguliert werden.
Werden etwa Bauwerke oder Straßen durch den verringerten Wasserabfluss in Siedlungen beschädigt, muss vor Ort nach Lösungen gesucht werden. Darunter fallen beispielsweise der Einbau von Drainagerohren in den Damm oder als letztes Mittel auch das Entfernen von Staudämmen.
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Geben wir dem Biber mehr Raum
20 bis 50 Meter breite ungenutzte Uferrandstreifen sind langfristig der beste Schutz für Biber, Fließgewässer und auch den Menschen. Geben wir dem Biber diesen Raum, ist er ein zentraler Akteur für naturbasierte Lösungen im Wasser- und Landschaftsmanagement. Konflikte entstehen zudem überwiegend dort, wo die Gewässer stark degradiert und in einem schlechten ökologischen Zustand sind.
Hinsichtlich der Auflagen durch die Wasserrahmenrichtlinie und die Wiederherstellungsverordnung der EU ist Deutschland ohnehin verpflichtet, an diesen Stellen etwas zu verbessern. Der Biber hilft dabei sogar mit und das kostenlos. Er ist häufig nicht das Problem – er ist ein Teil der Lösung, wenn wir lernen, mit ihm zu koexistieren.
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