Bedrohte Vielfalt – unsere Meere sind in Gefahr

1 Nährstoffeinträge

Mehr als 825.000 Tonnen Stickstoff gelangen jährlich in die Ostsee. Das sind ca. 44.000 LKW-Ladungen zusätzliche Nährstoffe, die zu Algenblüten und sauerstofffreien Zonen führen.
In den vergangenen Jahrzehnten hat sich die Fläche dieser „Todeszonen“ auf 60.000 km2 verzehnfacht. Das ist etwa ein Sechstel der Ostsee, in dem kaum mehr Leben möglich ist.
Der NABU fordert: Die Landwirtschaft muss ihren Düngemitteleinsatz drastisch reduzieren, Klärwerke müssen modernisiert und Ackerrandstreifen vergrößert werden. www.NABU.de/eutrophierung

2 Sand- und Kiesabbau

Sand aus dem Meer wird weltweit zum Küstenschutz und für Baumaßnahmen eingesetzt. Der jährliche Bedarf liegt bei mehr als 15 Mrd. Tonnen.
2012 wurden aus Europas Meeren 93,5 Mio. m3 Sand gefördert. Das entspricht circa 37 Cheops-Pyramiden.
Die Abbauflächen sind kilometerlang und werden in einer Sedimenttiefe von bis zu einem halben Meter abgetragen. Oft sind die marinen Lebensgemeinschaften dadurch für immer zerstört.
Der NABU fordert: Die Entnahme von Sand aus dem Meer für Baumaßnahmen muss beendet werden. www.NABU.de/kiesundsand

3 Offshore-Windkraft

Beim Rammen der Fundamente für Windkraftanlagen werden Schallpegel von bis zu 200 Dezibel erreicht. Das ist lauter als ein startendes Düsenflugzeug.
Der Lärm gefährdet vor allem Meeressäugetiere, aber auch Fische. Schweinswale können verletzt, zeitweise taub oder aus Nahrungs- und Fortpflanzungsgebieten vertrieben werden.
Viele Vogelarten meiden Windparks in einem Abstand von mehr als 15 km. Ihr angestammter Lebensraum geht verloren.
Für ziehende Vögel werden die Rotoren zur tödlichen Falle. Der NABU fordert: Schutzgebiete und wichtige Vogelzuglinien sind von Windenergieanlagen freizuhalten. www.NABU.de/offshorewindkraft

4 Sonar

Schallwellen breiten sich im Wasser fünfmal schneller aus als an Land, überlagern sich und werden zur Gefahr für Meerestiere. Verursacht werden sie von Sonar- und Rammschall, Schiffs- und Baggergeräuschen sowie Explosionen.
In den vergangenen 60 Jahren hat sich die Lärmbelastung in jedem Jahrzehnt verdoppelt. Ab einem Schallwert von 160 Dezibel (ca. 100 Dezibel an Land) werden Schweinswale zeitweilig schwerhörig.
Der NABU fordert: Rammarbeiten, Sprengungen, seismische Untersuchungen und aktive Schiffssonare müssen in Schutzgebieten verboten werden. www.NABU.de/unterwasserlaerm

5 Schifffahrt

Mehr als 60.000 Schiffe passieren jedes Jahr die Kadetrinne nördlich der Halbinsel Fischland-Darß, einer der meist genutzten Seewege Europas.
Ein Kreuzfahrtschiff verursacht so viel Feinstaub wie 1 Mio. PKW.
Auf See darf noch immer Schweröl verfeuert werden. Es enthält bis zu 3500 Mal mehr Schwefel als der Dieselkraftstoff von der Tankstelle.
Der NABU fordert: Schweröl als billiger, aber hochgiftiger, Schiffstreibstoff muss verboten werden. www.NABU.de/schifffahrt

6 Pipelines

Am Grund der Ostsee liegen Zehntausende km Pipelines für Öl und Gas sowie Daten- und Elektrokabel.
Allein für die Gaspipeline Nord Stream werden 50 km Meeresschutzgebiete in der deutschen Ostsee auf 80 m Breite umgegraben.
5.000 bis 9.000 Tonnen Öl gelangen jedes Jahr durch die Öl- und Gasförderung in die Nordsee.
Der NABU fordert: Pipelines und Seekabel müssen außerhalb von Schutzgebieten verlaufen. www.NABU.de/nordstream2

7 Fischerei

90 % der kommerziell genutzten Fischbestände sind über- oder bis an ihre biologischen Grenzen befischt.
400.000 Seevögel ertrinken jedes Jahr als ungewollter Beifang in den Stellnetzen europäischer Fischer.
Viele Arten werden mit Grundschleppnetzen gefangen. Die schweren Netze werden über den Meeresboden gezogen und zerstören dabei fragile Riffgemeinschaften aus Schwämmen, Anemonen und Muscheln.
Der NABU fordert: Mindestens 50 % der Meeresschutzgebiete müssen frei von Fischerei und anderen Nutzungen sein. www.NABU.de/fischerei

8 Plastikmüll

Weltweit gelangen jedes Jahr bis zu 13 Mio. Tonnen Plastikmüll von Land in die Weltmeere.
70 Müllteile liegen durchschnittlich auf 100 m Ostseestrand, fast 90 % davon aus Plastik.
90 % des Mülls setzt sich über kurz oder lang am Meeresboden ab. Dort bleibt er sehr lange und zerfällt in immer kleinere Partikel – eine Tüte verbleibt so 25, eine PET-Flasche 450 Jahre im Meer.
Der NABU fordert: Um die Meere vor der Vermüllung zu schützen, müssen wir Verpackungen reduzieren, Produkte langlebig machen und die Produzenten stärker in die Verantwortung nehmen. www.NABU.de/meereohneplastik; www.gewaesserretter.de