Naturschutz aktuell - NABU-Pressedienst
15.04.2024

Klimaschutz im Gebäudesektor: Jetzt alle Schalter umlegen

Die klima-, wirtschafts- und sozialpolitische Aufholjagd muss heute beginnen!

Berlin - Heute veröffentlicht der Expertenrat für Klimafragen seinen Prüfbericht zur Treibhausgasbilanz 2023. Vor diesem Hintergrund stellen die Verbandsspitzen aus der Mitgliedschaft der Gebäude-Allianz die zentralen Ergebnisse eines vom Forschungsinstitut für Wärmeschutz München (FIW) durchgeführten Gutachtens zur Klimaziellücke im Gebäudesektor vor. Das Gutachten zeigt, dass der Gebäudesektor bei einem Weiter-So bis 2030 insgesamt 84 Millionen Tonnen CO2-Äquivalente zu viel ausstößt. Einzelmaßnahmen sind nicht ausreichend, um die Lücke zu schließen. Damit der Gebäudesektor die Ziele des Klimaschutzgesetzes einhalten kann, muss sich die Sanierungsquote verdoppeln und die Sanierungstiefe deutlich erhöhen. Außerdem braucht es einen Rollout erneuerbarer Wärmeversorgung und eine verlässliche sowie langfristig planbare Förderkulisse, die Haushalte mit geringem Einkommen besonders in den Blick nimmt.

Andreas Holm, Leiter des Forschungsinstituts für Wärmeschutz (FIW) fasst das Gutachten wie folgt zusammen: „Die aktuellen Entwicklungen der THG-Emissionen im Gebäudesektor zeigen, dass der Trend in die richtige Richtung geht - nämlich, dass sie weniger werden. Allerdings erfolgt die Reduktion aktuell nicht schnell genug, so dass der Gebäudesektor damit die Klimaziele 2030 und 2045 verfehlen würde. Daher ist ein zusätzliches Maßnahmenpaket, das schnell zur Steigerung der Sanierungsrate und -tiefe führt und in großer Zahl für einen Energieträgerwechsel sorgt, zwingend notwendig.“

Die Bundesgeschäftsführerin der Deutschen Umwelthilfe (DUH), Barbara Metz, macht deutlich: „Die Botschaft des heutigen Tages ist glasklar: Wenn die Bundesregierung nicht sofort umsteuert, wird der Gebäudesektor zu einem unüberwindlichen Bremsklotz für das Ziel der Klimaneutralität. Das Wegducken vor der Klimaschutzlücke im Gebäudesektor und das Blockieren von notwendigen Maßnahmen im Gebäudebestand schadet vor allem Bürgerinnen und Bürgern. Denn die zahlen dafür drauf, schon heute durch explodierende Nebenkosten und zunehmend auch durch irreparable Schäden der Klimakrise. Wir fordern Klimaschutzminister Habeck und Bauministerin Geywitz auf, geltendes Recht zu achten und endlich ein wirksames Sofortprogramm vorzulegen, das eine bundesweite Sanierungsoffensive zur höchsten politischen Priorität macht.“

Ergänzend dazu mahnt Jan Peter Hinrichs, Geschäftsführer des Bundesverbands energieeffiziente Gebäudehülle (BuVEG), an: „Die Sanierungsquote sinkt: Im letzten Jahr betrug sie 0,7 Prozent. Tendenz weiter fallend. Das ist ein äußerst problematischer Trend, denn der Gebäudesektor verfehlt seit Jahren seine CO2-Einsparziele und es wird jedes Jahr schwieriger, diese Lücke aufzuholen. Die Zeit drängt, wir müssen uns nun auf Maßnahmen konzentrieren, die schnell hohe Einspareffekte erzielen. Es ist also sinnvoll, zuerst die energetisch schlechtesten Gebäude, die Worst Performing Buildings, anzugehen. Da der größte Teil dieser Gebäude jedoch Ein- und Zweifamilienhäuser sind, müssen die Besitzer ausreichend bei der Umsetzung unterstützt werden. Hierbei ist vor allem eine verlässliche, sozial gestaffelte Förderung wichtig, zudem eine gute Beratung, um diese Investitionsentscheidungen treffen zu können. Auch das Handwerk und der Bausektor brauchen verlässliche Rahmenbedingungen und Planungssicherheit, um die notwendigen Kapazitäten aufzubauen. Gerade jetzt, wo die Konjunktur im Bausektor schwächelt, können energetische Sanierungen zum wichtigen Motor werden.“

Dr. Thomas Engelke, Leiter des Teams Energie und Bauen des Verbraucherzentrale Bundesverbands, ergänzt: „Die ausstehenden Aufgaben im Gebäudebestand zeigen: Klimaschutz und Verbraucherschutz müssen zusammengeführt werden, um die Klimaziele zu erreichen und Verbraucher*innen vor hohen Energiekosten und Energiearmut zu schützen. Das betrifft Hauseigentümer*innen ebenso wie Mietende. Dafür ist eine Erhöhung der Fördermittel für die energetische Sanierung unerlässlich. Die Förderkulisse muss so ausdifferenziert werden, dass insbesondere private Haushalte mit geringem und mittlerem Einkommen eine ausreichende Finanzierungsmöglichkeit erhalten. Für den Mietwohnungssektor muss ein System der möglichst warmmietenneutralen Sanierung entwickelt werden, sodass die Klimaschutzmaßnahmen nicht weiter ein Wohnkostentreiber in einem ohnehin überhitzten Mietwohnungsmarkt sind.“

Den Link zu Kurzgutachten und Forderungspapier der Partner der Gebäude-Allianz finden Sie hier:

www.nabu.de/kurzgutachten-klimazielluecke-gebaeudesektor
www.nabu.de/forderungspapier-klimazielluecke-gebaeudesektor


Für Rückfragen:

Forschungsinstitut für Wärmeschutz: Prof. Dr.-Ing. Andreas Holm
Tel: +49 (0)89.85 800‐33
E-Mail: holm@fiw‐muenchen.de

Deutsche Umwelthilfe: Elisabeth Staudt
Tel: +49 (0)30.24 00 867-924 | Mobil: +49 (0)160.92 18 88 80
E-Mail: staudt@duh.de

Bundesverband energieeffiziente Gebäudehülle: Simone Jost
Tel: +49 (0)30.310 110 90
E-Mail: simone.jost@buveg.de

verbraucherzentrale Bundesverband: Dorian Obst
Tel. +49 (0)30.25 800-547
E-Mail: dorian.obst@vzbv.de

NABU: Katrin Jetzlsperger
Tel. +49 (0)30.28 49 84-534
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