In diesen Zeiten schöpfen wir besonders viel Kraft in der Natur. Werden Sie NABU-Mitglied und helfen Sie mit, damit wir die Natur auch in Zukunft genießen können.
Jetzt NABU-Mitglied werden!Die Geier kreisen über Deutschland
Spektakulärer Einflug zahlreicher Gänsegeier von den Alpen bis zur Küste
Gänsegeier - Foto: Frank Derer
17. Juni 2026 - Nahezu zeitgleich wurden zuletzt Gänsegeier unter anderem im Karwendelgebirge bei Mittenwald, am Ammersee nahe München, im Raum Stuttgart, am hessischen Edersee, in Sachsen und Thüringen, bei Hannover, in der brandenburgischen Prignitz und bei Segeberg beobachtet.
Haben sich die Geier verirrt, wo kommen sie her, was wollen sie bei uns? „Die Gänsegeier sind auf einer ausgedehnten Erkundungstour“, erläutert NABU-Vogelexperte Martin Rümmler. „Noch fehlen sichere Indizien etwa durch Ringablesungen. Aber höchstwahrscheinlich stammen sie aus Spanien oder Frankreich. Gänsegeier sind langlebig, im Schnitt brüten sie erst ab einem Alter von fünf bis sechs Jahren. Vorher haben die Junggeier viel Zeit, Erfahrungen zu machen und die Welt zu erkunden. Dass der Einflug im späten Frühling erfolgt, ist kein Zufall. Geiereltern müssen jetzt ihren aktuellen Nachwuchs versorgen, da bleibt in der Hierarchie am Futterplatz für die Halbwüchsigen wenig übrig. Sie verlassen daher die angestammten Gebiete und fliegen dabei im Extremfall auch bis zu uns.“
Was macht der Geier im Storchennest?
18. Juni 2026 - Geier sind geborene Aasfresser, der eindrucksvolle Schnabel ist ideal, um Kadaver aufzubrechen und Fleischfetzen abzureißen. Dagegen sind Geier nicht in der Lage, davonlaufende oder fliegende Tiere zu erbeuten.
Wie ein Vorfall in Niedersachsen zeigt, kann es dennoch ausnahmsweise vorkommen, dass Gänsegeier lebende Beute machen: In Klein Lobke, einem Ortsteil von Sehnde bei Hannover, steuerte am Montag ein Gänsegeier den örtlichen Storchenhorst an und machte sich über den noch nicht flüggen Storchennachwuchs her. Bei Gefahr stellen sich Jungstörche tot, gegenüber Geiern ist das leider die falsche Strategie. Auch die Abwehrversuche der Altstörche waren vergebens.
Nach der Mahlzeit übernachtete der Geier sogar im Horst und flog am folgenden Mittag weiter. Kaum war der Geier weg, kamen die Storcheneltern zurück und nahmen den Horst wieder in Besitz. Durch den Erfolg in Klein Lobke ist der Geier wohl auf den Geschmack gekommen, denn am Mittwoch wurde auch das Storchennest im nur fünf Kilometer entfernten Algermissen geleert.
Wo Gänsegeier zuhause sind
Gänsegeier kommen von der Iberischen Halbinsel bis nach Nordafrika und Mittelasien vor. In Deutschland sind sie als Brutvogel bereits vor Jahrhunderten ausgestorben. In Spanien dagegen erholten sich die Bestände in den letzten Jahrzehnten erheblich, heute leben dort mehr als 30.000 Brutpaare. Mit rund 2500 Paaren weist Frankreich den zweitgrößten Einzelbestand auf. Vor allem in den Pyrenäen und im Zentralmassiv wurden die Großvögel aufwändig wieder neu angesiedelt.
Geier sind reine Aasfresser. Im Prinzip...
Gänsegeier sind in der Regel reine Aasfresser, die zur Nahrungssuche große Gebiete abfliegen. Dabei orientieren sie sich oft an kleineren Aasfressern wie Raben oder Milanen, die Tierkadaver als erste entdeckt haben. Ist der Hunger groß, gehen die Geier ausnahmsweise auch an leicht erreichbare lebende Beute, wie ein aktuelles Beispiel aus dem französischen Departement Moselle nahe der deutschen Grenze zeigt. Dort hat ein Gänsegeier Ende Mai in einem Storchenhorst den fast flüggen Nachwuchs erbeutet. Vielleicht war es der gleiche Geier, der jetzt in Niedersachen für Schlagzeilen sorgt (siehe oben).
Windräder und Vergiftungen
Aufgrund ihrer Größe haben Gänsegeier keine ernsthaften natürlichen Feinde. Wie Greife, Störche und Kraniche kommen Gänsegeier aber regelmäßig an Stromleitungen und an Windrädern um. Bei Unteregg im Allgäu geriet auch einer der jetzt eingeflogenen Geier in ein Windrad und starb. Direkte Verfolgung kommt ebenfalls noch vor. So starben fünf im April in Österreich aufgefundene Gänsegeier an einer Vergiftung mit dem verbotenen Pestizid Carbofuran. Die Geier stammten aus der kleinen kroatischen Population.
Gänsegeier - Foto: Frank Derer
Die Geier suchen also nach Nahrung, sie suchen in Deutschland aber keine neuen Reviere. In wenigen Tagen oder Wochen werden die Gänsegeier weiterziehen und so plötzlich wieder verschwinden, wie sie gekommen sind. Pro Tag legen sie mühelos 300 bis 400 Kilometer zurück. Mit bis zu 2,60 Metern Flügelspannweite sind Gänsegeier größer als See- und Steinadler und fast doppelt so groß wie Bussarde und Milane. Anhand des typischen nackten Geierhalses können auch Laien die Vögel recht gut erkennen. Sie kommen ohne weiteres drei bis vier Wochen ohne Nahrung aus. Finden sie länger kein Aas, wird es aber kritisch. Wer geschwächte Geier sieht, die sich länger regungslos an einem Ort aufhalten, sollte die Naturschutzbehörden oder die nächstgelegene NABU-Gruppe informieren.
Mehr über Geier
Eine wichtige natürliche Nahrungsquelle steht auf unseren Weiden in der Regel nicht zur Verfügung, nämlich das Aas toter Weidetiere. Die großen Aasfresser der Vogelwelt sind denn auch in Mitteleuropa weitgehend ausgestorben. Anders sieht das in Südeuropa aus. Mehr →
Der Comoé Nationalpark in der Elfenbeinküste ist einer der größten Nationalparks in Westafrika. Er ist berühmt für seinen Artenreichtum, die weiten Savannen und die tierischen Bewohner, wie Antilopen, Affen und die afrikaweit vom Aussterben bedrohten Geier. Mehr →
Geiereinflug 2007
150 Jahre ist es her, dass in Deutschland zum letzten Mal frei lebende Gänsegeier brüteten. Tauchen heute Geier im Himmel über Deutschland auf, dann sind das meist Vögel, die einem Falkner oder einem Zoo davongeflogen sind. Doch immer wieder werden auch unberingte Vögel gesichtet. Mehr →
