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Schonende Nutzung und konsequente Naturentwicklung
20 Jahre Nationales Naturerbe
Der Gülper See gehörte zu den ersten an die NABU-Stiftung übertragenen Naturerbeflächen - Foto: Klemens Karkow
Zwischen den Flüssen Ruhr und Röhr im Sauerland liegt ein besonders vielfältiges Naturparadies: die Wicheler Heide. Im Sommer jagen Neuntöter und Feldlerche über die artenreichen Wiesen, in Kleingewässern tummeln sich Berg- und Kammmolche, während Spechte und Fledermäuse in den Eichen- und Eschenwäldern Unterschlupf finden. Diese Vielfalt verdankt das Gebiet auch seiner Vergangenheit als Standortübungsplatz. Jahrzehntelang blieben die Wiesen und Wälder dadurch von intensiver Bewirtschaftung verschont. Mit dem Ende der militärischen Nutzung drohte allerdings der Verlust dieses Artenreichtums. Doch für die Wicheler Heide gab es ein Happy End: Vor fast zehn Jahren übergab der Bund die 111 Hektar ehemaliger Militärflächen in die sicheren Hände des NABU, als Teil des Nationalen Naturerbes.
Protest gegen den Ausverkauf
„Das Ganze begann, als nach der Wende die Treuhandanstalt ehemals volkseigene Naturschutzflächen der DDR verkaufte“, erklärt Christian Unselt, langjähriger NABU-Vizepräsident. „Dagegen haben wir als NABU frühzeitig protestiert. Denn es konnte ja nicht sein, dass öffentliche Flächen innerhalb von Schutzgebieten auf den Markt kommen.“ Rechtlich war die Bundesregierung damals verpflichtet, alle Flächen zu verkaufen, die nicht für Bundesaufgaben benötigt wurden. Während das vor 1990 wenige Einzelfälle betraf, setzte mit der deutschen Wiedervereinigung jedoch eine große Privatisierungswelle ein. Der Protest erzielte schließlich einen ersten Erfolg: 1998 stoppte die Bundesregierung den Verkauf von 50.000 Hektar Waldflächen in Nationalparks und Naturschutzgebieten.
Gemeinsam für unser Naturerbe
Der NABU gründete im selben Jahr die NABU-Stiftung Nationales Naturerbe, um sein Engagement für die Bewahrung von Naturschutzflächen zu bündeln. „Den Namen fanden wir einfach passend für das, was wir tun: Wir kümmern uns um unser Naturerbe“, erinnert sich Christian Unselt, der seither die Stiftung als Vorsitzender leitet.
Doch bis das Nationale Naturerbe seinen Weg in die Politik fand, brauchte es noch einige Jahre. 1999 schloss sich der NABU mit anderen Naturschutzorganisationen unter dem Dach des Deutschen Naturschutzringes zusammen. Gemeinsam forderten sie, alle naturschutzfachlich wertvollen Bundesflächen langfristig zu sichern – neben den ostdeutschen Naturschutzflächen auch sanierte Bergbaufolgelandschaften, ehemalige Grenzgebiete entlang des Grünen Bandes und stillgelegte militärische Übungsplätze. 2005 lenkte die Bundesregierung schließlich ein – trotz der Einwände von Agrar- und Forstlobby – und beschloss, diese Flächen nicht zu verkaufen, sondern als Nationales Naturerbe dem Naturschutz zu widmen.
8.800 Hektar Naturerbe in NABU-Hand
Bis heute wurden rund 164.000 Hektar Naturerbe-Flächen an die Deutsche Bundesstiftung Umwelt, Bundesländer und Naturschutzorganisationen übertragen. Das entspricht einem Gebiet etwa doppelt so groß wie Berlin. Die NABU-Stiftung übernahm rund 8.800 Hektar in über 150 Schutzgebieten und trägt damit unter den privaten Naturschutzakteuren die größte Verantwortung für die Sicherung des Nationalen Naturerbes. So bewahrt sie viele ostdeutsche Naturparadiese wie den Gülper See im Havelland und ehemalige Militärflächen wie die Wicheler Heide in Nordrhein-Westfalen. Die Entwicklung der Naturerbe-Flächen ist an strenge Naturschutzauflagen gebunden. Äcker und Wiesen werden naturnah bewirtschaftet, Moore renaturiert und naturnahe Wälder ihrer natürlichen Entwicklung überlassen.
In der Wicheler Heide in Nordrhein-Westfalen grasen Rinder der gefährdeten Nutztierrasse Rotes Höhenvieh und verbessern so den Artenreichtum der Naturerbe-Flächen - Foto: Ines Noll
In der Wicheler Heide startete die NABU-Stiftung ein Beweidungsprojekt mit einer alten, robusten Rinderrasse. Denn die vorherige Schafbeweidung konnte ein Zuwachsen der wertvollen Magerrasen nicht verhindern. So wurden fast 70 Hektar in dem Naturschutzgebiet für die Rinder eingezäunt. Anfangs gab es vor Ort daher Widerstand, weil man Einschränkungen für die Freizeitnutzung befürchtete. Inzwischen ist das Projekt in der Region gut angenommen. Um die Weidetiere kümmert sich der örtliche Schäfer gemeinsam mit seinem Sohn. „Sie wollten ohnehin die Schafherde verkleinern und Rinder aufnehmen“, sagt Christian Unselt. „Nach der Flächenübertragung konnten wir dem Familienbetrieb das Grünland langfristig verpachten und so auch der Hofnachfolge eine dauerhafte Perspektive geben.“
Das Netz noch enger weben
Oft sind die Naturerbe-Flächen der Ausgangspunkt für weitere Landkäufe der NABU-Stiftung. So entstehen immer größere Naturparadiese, in denen der Schutz von Arten und Lebensräumen Vorrang hat. Inzwischen bewahrt die NABU-Stiftung rund 26.000 Hektar, verteilt auf ein Netz aus über 440 Schutzgebieten in ganz Deutschland. Zusätzlich warten weitere 2.000 Hektar Naturerbe-Flächen darauf, in den nächsten Jahren vom Bund an die Stiftung übertragen zu werden. Viele davon werden bestehende Lücken schließen. Doch auch eine große, zusammenhängende Fläche im brandenburgischen Randowbruch ist dabei, auf die sich Christian Unselt besonders freut: „Da bekommen wir noch einmal ein richtiges Juwel.“
Christiane Winkler (aus „Naturschutz heute“ 4/25)
Das Naturschutzgebiet „Wicheler Heide“ bei Arnsberg mit dem ehemaligen Standortübungsplatz „Spreiberg“ ist von einer vielfältigen Landschaft geprägt. Der bedrohte Kammmolch sowie Neuntöter und Brauner Feuerfalter finden hier eine Heimat. Mehr →
2009 startete der NABU auf dem ehemaligen Militärübungsplatz Schmidtenhöhe bei Koblenz ein Beweidungsprojekt. Ziel ist es, Naturschutz, Landwirtschaft und Naherhohlung zu verbinden. Mehr →
Das Nationale Naturerbe sind Flächen aus dem Eigentum des Bundes, auf denen der Schutz von Arten und Lebensräumen Vorrang hat. Seit 20 Jahren setzt sich die NABU-Stiftung Nationales Naturerbe zusammen mit anderen Flächeneigentümern für die langfristige Sicherung und Entwicklung dieser wertvollen Naturschutzflächen ein. Mehr →
