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Vögel, die ihren Namen rufen

Sehr praktisch: Vögel, die ihren Namen rufen

Uhu, Kuckuck und Zilzalp machen dem Naturfreund das Erkennen leicht

von Stefan Bosch

Uhu

Ein „U-hu“.


Beispiele von Rufen und Gesängen

Buchfink
Kiebitz
Pirol
Uhu


Mit dem Uhu wurde 2005 eine Art zum Vogel des Jahres gewählt, deren deutscher Artname auf die lautmalerische Umschreibung ihres typischen Rufes zurück geht. Und der Uhu ist kein Einzelfall. Eine ganze Reihe von Vögeln verdankt ihre Artbezeichnung der Tatsache, dass sie im Frühling lauthals ihren Namen rufen.

U-hu oder in manchen Regionen auch Schu-hu geht auf den zweisilbigen Ruf zurück, mit dem die größte europäische Eule ihr Revier akustisch abgrenzt und um einen Partner wirbt. In ein bis vier Kilometern Entfernung kann er noch hörbar sein und die beiden Frequenzen des höheren „U“ und tieferen „hu“ sind vermutlich Anpassungen an verschiedene Lebensräume, in denen Uhus leben. Der höhere Ton durchdringt besser die offene Kulturlandschaft, der tiefere den dichten Wald. Auf diese Weise können sich die Brutpartner quasi in allen Lebenslagen und Lebensräumen finden.

Kuckuck

Den Kuckuck hört man viel eher, als dass man ihn auch einmal sehen würde.

Ein ebenso bekannter Namen-Rufer ist der mitteleuropäische Kuckuck (Vogel des Jahres 2008). Ab Ende April kündet das bekannte „kuck-uck“ in der Feldflur und an Waldrändern von der Rückkehr des Frühlingsbotens. Auch wenn man den Vogel selten zu Gesicht bekommt, ist seine Anwesenheit durch den Reviergesang mit anhaltenden Rufreihen seines zweisilbigen Namens leicht feststellbar. Der Kuckuck ist nicht nur seines Namens wegen bekannt, sondern auch durch sein Brutverhalten. Als typischer Brutparasit baut er kein Nest, sondern legt seine Eier in Nester anderer Vögel und lässt brüten.

Dem Weidenlaubsänger wiederum haben die anhaltend monotonen „zilp-zalp-zilp-zalp“-Strophen den Artnamen Zilpzalp beschert. Der unermüdliche Sänger ist kleiner als ein Spatz, schlicht olivbraun und weiß gefärbt und turnt geschäftig in den Baumkronen umher. Von März bis Ende Oktober rufen die in Wäldern, Gärten und Parkanlagen weit verbreiteten Zilpzalpe ihren Namen. Doch nicht alle Zilpzalpe rufen gleich: Vögel aus weit auseinander liegenden Gebieten zilpzalpen unterschiedlich und verstehen sich nicht oder kaum mehr. So erkennen mitteleuropäische Zilpzalpe kaum den arttypischen Gesang ihrer spanischen Kollegen.

Distelfink

Ein Stieglitz oder Distelfink.

Weitere gerufene Artnamen finden sich bei Singvögeln wie etwa Buchfink und Distelfink. Letzterer ist unter seinem Ruf „stig-litt“ als Stieglitz bekannt und neben dem Ruf auch leicht an der exotisch anmutenden Gefiederfärbung aus weiß, rot, gelb und schwarz zu erkennen. Und das kurze, harte „fink“ oder „pink“ weist den Buchfinken als Angehörigen der Finkenfamilie aus. „Rab-rab“ rufen die Kolkraben und „kräh“ die Rabenkrähen. Wiesen- und Bergpieper lassen ein häufig wiederholtes „piep“ hören, Pirole ein flötendes „pi-rol“. Unter den Schnepfenvögeln ruft der Kiebitz in verschiedenen Varianten „ki-witt“ und unterstreicht damit seine eindrucksvollen Balzflüge über Wiesen und Feldern.

Goldammer

Goldammer

Etliche Vogelnamen enthalten Hinweise auf typische Lautäußerungen ihres Trägers: Eulen heulen, Möwe geht auf die althochdeutsche Bedeutung „wimmerndes Schreien“ zurück, Häher und Reiher gemeinsam auf einen Wortstamm mit der Bedeutung "heiser schreien". Ammern äußern einen hämmernden Gesang, Turteltauben turteln und Krickenten rufen „krick“. Für gut fünfzig Arten findet Viktor Wember in seinem Buch „Die Namen der Vögel Europas“ (siehe unten) plausible Erklärungen für Vögel, die nach ihren Rufen benannt sind oder die ihren Namen rufen. Sie alle erleichtern dem Beobachter das Identifizieren und Wiedererkennen.

Höckerschwan

Schweigen ist Gold, sagt sich der Höckerschwan.

Auch in anderen Sprachen spielen Lautäußerungen der Vögel bei der Namensgebung eine Rolle. Die Engländer unterscheiden zum Beispiel bei den Schwänen den lauthals trompetenden Singschwan als Trompeterschwan (trumpeter swan) und grenzen ihn damit deutlich ab zum eleganten aber ruflosen Höckerschwan - er wird stummer Schwan (mute swan) genannt und beweist damit, dass auch schweigen durchaus namensgebend sein kann.

In der Balz- und Brutzeit bietet der NABU überall in Deutschland hunderte vogel- und naturkundliche Exkursionen an. Dort erfährt man noch mehr über Vögel, kann sie beobachten und ihre Rufe und Gesänge kennen lernen. Wo die nächste Exkursion in Ihrer Nähe stattfindet steht in der NABU-Termindatenbank.

Buchtipp: „Die Namen der Vögel Europas“

Wember: Vogelnamen

Warum der kleine Vogel mit der roten Brust Rotkehlchen heißt und welchem Körperteil die Schwarzkopfmöwe ihren Namen zu verdanken hat, ist auf Anhieb einleuchtend. Aber nicht immer ist das mit den Vogelnamen so klar. Woher stammt zum Beispiel die Bezeichnung Basstölpel und ist an der Doppelschnepfe wirklich etwas doppelt vorhanden?

Diesen Fragen ist Viktor Wember nachgegangen und in seinem Buch Die Namen der Vögel Europas finden sich nun die Antworten (Basstölpel: nach der Felseninsel Bass Rock in Schottland; Doppelschnepfe: Doppelgängerin und „Zweitausgabe“ der sehr ähnlichen Bekassine). Erläutert werden Herkunft und Bedeutung der deutschen und wissenschaftlichen Namen von 440 europäischen Vogelarten. 180 Farbfotos ergänzen den Text und verdeutlichen so oft noch einmal den Bezug zwischen dem Vogel und seinem Namen.

Viktor Wember: Die Namen der Vögel Europas. Bedeutung der deutschen und wissenschaftlichen Vogelnamen. – 208 Seiten. 24,95 Euro. Aula 2005. ISBN 3-89104-678-2.

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