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Ein Charaktervogel des Wattenmeers

Ein Charaktervogel des Wattenmeers

Die Brandgans im Porträt

Brandgans

In den weiten Landschaften der deutschen Küsten ist die Brandgans einer der auffälligsten Vögel. Ob als kleine Familie während der Brutzeit oder in großen Scharen während der Mauser und Winterrast, ihre Größe und Gefiederzeichnung macht sie das ganze Jahr über unverkennbar.

Name und Verwandtschaft

Die Brandgans hat eine gänseähnliche Gestalt, steht systematisch jedoch eher bei den Enten, womit der weniger gebräuchliche Name „Brandente“ treffender wäre. Sogenannte Halbgänse aus der Gattung Tadorna sind außer ihr noch die Rostgans und die Kasarkas. Die Bezeichnung Brandgans leitet sich aus dem rostbraunen Brustband ab, das neben dem roten Schnabel der auffälligste Farbakzent im kontrastreichen Gefieder ist.


Kennzeichen

Brandgänse erreichen ausgewachsen eine Körperlänge von 58 bis 67 Zentimeter und haben eine Flügelspannweite von 110 bis 133 Zentimetern. Das Gewicht schwankt sehr stark. Die Männchen wiegen im Februar zwischen 830 und 1500 Gramm. Weibchen sind mit durchschnittlich 810 Gramm deutlich leichter. Außer der weiß-schwarzen Körperfarbe und dem braunen Brustband hat die Brandgans lange rote Beine, einen roten Schnabel mit einem Höcker bei den Männchen und einen dunkelgrünen, oft nahezu schwarz wirkenden Kopf.

Laute und Rufe

Brandgans im Flug - Achtung: Motiv nur frei für NABU-Wattenmeerkampagne

Im Brutgebiet sind die Brandgänse am Boden und im Flug sehr ruffreudige Vögel. Die Stimmen der beiden Geschlechter unterscheiden sich deutlich. Die Weibchen rufen sehr tief und sonor und sind mit ihrer nasalen Rufreihe weit zu hören. Die Rufe des Männchens sind dagegen hoch, pfeifend und nicht weit vernehmbar. Zu den Instrumentallauten der Brandgans gehört auch ein pfeifend-schwirrendes Fluggeräusch.

Nahrung

Brandgänse ernähren sich von kleinen Schnecken, Muscheln und Würmern, seltener nehmen sie Insekten und Wasserpflanzen auf. Die überwiegende Nahrung im deutschen Wattenmeer bilden Herzmuscheln (Cardium edule).

Die Nahrungssuche ist weitgehend von den Gezeiten abhängig. Die Vögel suchen bei Niedrigwasser Nahrung und ruhen bei Hochwasser auf Sandbänken, Dünen oder Strandwiesen. In Abhängigkeit von Ebbe und Flut suchen Brandgänse auch während der Nacht nach Nahrung.

Fortpflanzung

Brandgänse sind in der Regel monogam. Ihre partnerschaftliche Bindung ist von häufig mehrjähriger Dauer, obwohl Weibchen und Männchen oft zu unterschiedlichen Zeitpunkten das Brutgebiet zur Mauser und Überwinterung verlassen. Die Besetzung eines Nahrungsreviers durch die gesündesten Vögel beginnt im späten Winter und endet mit dem Zeitpunkt, zu dem die Küken schlüpfen. In der Regel brüten weibliche Brandgänse das erste Mal im zweiten Lebensjahr, sich erstmals fortpflanzende männliche Brandgänse sind zwischen vier und fünf Jahren alt. Nicht brütende Brandgänse dagegen halten sich das ganze Jahr über in Trupps auf.

Das Weibchen legt in eine Erdhöhle sieben bis zwölf weiße Eier, aus denen rund 30 Tage später die schwarz-weißen Küken schlüpfen.

Lebensraum

Eiderufer, Katinger Watt

Flussmündungen, wie die Eidermündung werden als Lebensraum bevorzugt.

In Nordwesteuropa bevorzugen die Vögel außerhalb der Brutzeit von den Gezeiten nicht oder nur wenig beeinflusste Sand- und Schlammflächen. Zur Brutzeit halten sich die Tiere meist in Buchten, Bodden und Flussmündungen auf und nur ausnahmsweise an der freien Meeresküste. Als Nahrungsbiotope dienen den Brandgänsen vor allem das Watt, Schlickbänke in Flussmündungen und Seichtwasserlagunen.

Verbreitung

Brandgänse brüten an den europäischen Atlantikküsten bis hinunter in die Biskaya, darüber hinaus an den Küsten der westlichen Ostsee sowie im Bereich des Kaspischen Meeres. In Deutschland sind sie Brutvögel im Küstengebiet und auf den Inseln der Nord- und westlichen Ostsee. Regelmäßige Brutvorkommen im Binnenland gibt es zum Beispiel in den Rieselfeldern bei Münster (seit 1985) und vor allem am Niederrhein (seit 1961). Die Brandgans hat außerdem die Elbe aufwärts bis Dessau besiedelt.

Vereinzelt überwintert die Art an großen Gewässern im Binnenland, aber im Wattenmeer der deutsch-niederländischen Nordseeküste in großen Scharen. Bevorzugte Überwinterungsräume liegen bei Wangerooge und Mellum, im Jadebusen und an der Westküste Schleswig-Holsteins.

In Europa ist die Brandgans Strich- und Zugvogel. Sie zieht fast ausschließlich bei Nacht. Die Überwinterungsgebiete der europäischen Population liegen in der südlichen Nordsee und deder Atlantikküste Großbritanniens, Frankreichs, Spaniens und Portugals sowie der Mittelmeerküste.


Mauser

Brandgans

Während der Mauser können die Vögel nicht fliegen.

Bei den Brandgänsen fallen während der Mauser die Schwungfedern gleichzeitig aus, so dass die mausernden Vögel etwa im August vorübergehend flugunfähig sind. Die Tiere müssen also vor der Mauser geschützte und auch nahrungsreiche Gebiete aufsuchen. Das weitaus bedeutendste dieser als Mauserzentren bezeichneten Gebiete liegt auf den Sandwatten des Großen Knechtsandes zwischen Weser- und Elbmündung und auf Trischen. An diesen Mauserzentren treffen sich die Brutvögel der gesamten europäischen Population, zum Teil über 100.000 Vögel.

Bestand und Gefährdung

Für Brandgänse sind verlässliche Angaben über die Größe des Bestandes verhältnismäßig einfach zu ermitteln, da sie sich außerhalb der Brutzeit an traditionellen Mauser- und Überwinterungsplätzen in oft großen Scharen versammeln.

Die Brandgans ist heute in den meisten nord- und mitteleuropäischen Ländern ganzjährig geschützt. Dank dieser Schutzmaßnahmen hat die Art stark zugenommen, es gibt aber Hinweise darauf, dass der Populationszuwachs bis 1996 zum Stillstand kam und seitdem rückläufig ist.

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