NABU.de Tiere & Pflanzen Vögel Weitere Vogelgruppen Der Raufußkauz

Raue Füße, weiche Stimme

Raue Füße, weiche Stimme

Der Raufußkauz im Porträt

Raufußkauz

Raufußkauz in Naturhöhle


Der Eulenvogel mit den dicht befiederten Füßen brütet mit Vorliebe in reich strukturierten Nadelwäldern, besonders in Altholzbeständen mit Schwarzspechthöhlen. Einförmige Fichtenbestände machen dem seltenen Kauz dagegen das Überleben schwer.

Name und Verwandtschaft
Der Raufußkauz (Aegolius funereus) aus der Familie der Ohreulen und Käuze (Strigidae) verdankt seinen deutschen Namen den pelzartig dicht befiederten Füße und Zehen.

Kennzeichen
Mit rund 24 Zentimetern ist der Raufußkauz etwa so groß wie der Steinkauz. Neben der namensgebenden dicht an die Krallen reichenden Befiederung der Zehen zeichnet ihn vor allem sein relativ großer und rundlicher Kopf mit einem auffällig schwarz-braun umrandeten hellen Gesichtsschleier aus. Sein Gefieder ist oberseits dunkelbraun mit rundlichen weißen Flecken, unterseits hell mit graubraunen Flecken und Längsstreifen.

Stimme
Besonders der Gesang des Männchens kann stimmungsabhängig stark variieren. Während der Reviergesang aus weichen „Hu-hu-hu“ Lauten besteht, ist der Alarmruf aus schnalzend grellen „zjuck“- und „kjuwick“-Lauten zusammengesetzt. Langstrophen („Roller“) aus mehr als zwölf Elementen sind beim Höhlenzeigen („Zeigeroller“) und als „Flugroller“ sowie „Paarungsroller“ beim Sexualverhalten zu hören. Sobald ein Weibchen den Sänger aufsucht, fällt das Männchen in einen unrhythmisch-stotternden Gesang ein.

Nahrung
Der mittel- und nordeuropäische Raufußkauz ernährt sich hauptsächlich (zu 95 Prozent) von Kleinsäugern – Wühl- und Spitzmäuse bevorzugt. Die restlichen fünf Prozent entfallen auf Kleinvögel.

Lebensraum
Als ausgesprochener Höhlenbrüter ist der Raufußkauz auf Altholzbestände – meist von Kiefern oder Rotbuchen – mit Schwarzspechthöhlen angewiesen. In der Nähe braucht er deckungsreiche Nadelholzbestände zur Tagesruhe sowie offene Flächen zum Jagen.

Fortpflanzung
Der Raufußkauz führt in der Regel eine Saisonehe mit einer Jahresbrut. Als Brutplatz dienen meist alte Schwarzspechthöhlen, seltener andere natürliche Baumhöhlen. Nistkästen werden lokal unterschiedlich angenommen. Das Weibchen bebrütet das Gelege aus zwei bis acht kurz-ovalen weißen Eiern alleine, während das Männchen für die Versorgung mit Beute zuständig ist. Hauptlegezeit ist Anfang April. Nach 26 bis 27 Tagen schlüpfen die Jungen, die nach weiteren 29 bis 38 Tagen ausfliegen.

Verbreitung und Bestand
Der Raufußkauz gilt als typischer Bewohner des nördlichen Nadelwaldes. Er ist in einem breiten Gürtel von Nordeuropa quer durch das nördliche Eurasien bis nach Ostsibirien, sowie quer durch das nördliche Nordamerika von Alaska bis nach Neufundland. Daneben existieren noch isolierte Brutgebiete in West-, Mittel- und Südeuropa, im Kaukasus, im westlichen Himalaya und in Zentralchina. Deutschland beherbergt derzeit rund 2500 Brutpaare.

Gefährdung
Wie viele andere Höhlenbrüter ist auch der Raufußkauz durch Mangel an geeignetem Lebensraum bedroht, der regional zugenommen hat. Zu den Gefährdungsfaktoren zählen der Verlust an Höhlenbäumen, kurze Umtriebszeiten, Brutverluste durch Störungen und Beunruhigungen, sowie die zunehmende Zerschneidung durch Straßen- und Wegebau.

Möglichkeiten zum Schutz
Zum Schutz der bedrohten Eulenart ist es dringend erforderlich Altholzbestände, vor allem von Rotbuchen, Fichten und Tannen, in denen es Schwarzspechthöhlen gibt, so lange wie möglich zu erhalten. Wo natürliche Höhlen fehlen, kann man dem Raufußkauz durch das Anbringen von geeigneten Nistkästen helfen. Eulenspezialisten im NABU helfen in solchen Fällen gerne weiter.

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