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Zugvogeljagd gerät außer Kontrolle
Zugvogeljagd auf Malta gerät außer Kontrolle
Teilnehmer des Vogelschutzcamps dokumentieren Hunderte Verstöße
Die Campteilnehmer halten schon in der Morgendämmerung Ausschau nach Zugvögeln.
Die von Maltas Regierung erneut genehmigte Frühjahrsjagd auf Zugvögel ist nach Aussagen von Beobachtern außer Kontrolle geraten. Teilnehmer des vom NABU unterstützten dreiwöchigen Vogelschutzcamps registrierten allein in der Zeit vom 24. bis 30. April mehr als 1.000 Verstöße gegen geltende Bestimmungen zum Schutz von Zugvögeln, die sich auf dem Weg in ihre mittel- und nordeuropäischen Brutgebiete befinden. „Der umstrittene Versuch Maltas, eine beschränkte und streng kontrollierte Frühjahrsjagd auf Wachteln und Turteltauben zu genehmigen, ist kläglich gescheitert“, bilanzierte Dr. Markus Nipkow, ehemals Vogelschutzexperte beim NABU, am Ende des Camps, an dem sich 45 Vogelschützer aus verschiedenen europäischen Ländern beteiligt hatten.
Der Fang mit Hilfe von Lockvögeln wie dieser Turteltaube ist illegal.
In zwei bis sechs Teams waren die Freiwilligen täglich unterwegs, um sich ein eigenes Bild von der Lage vor Ort zu verschaffen. Entgegen offizieller Angaben machten deutlich mehr Vogeljäger von der seit 2007 erstmals wieder genehmigten Frühjahrsjagd Gebrauch. Viele davon missachteten dabei die von der Regierung erlassenen Vorschriften. „Illegale Abschüsse und der verbotene Fang mit Klappnetzen und Lockvögeln konnten teilweise mit Fotos und Videos belegt und der örtlichen Polizei gemeldet werden“, erklärte Markus Nipkow. Die vollständige Bilanz der dokumentierten Verstöße wird in den nächsten Tagen erwartet und soll der Europäischen Kommission vorgelegt werden. Wie sehr sich die Situation in diesem Frühjahr zuspitze, zeigte auch die Zunahme verbaler und auch handgreiflicher Attacken von Vogeljägern gegenüber Vogelschützern.
Hintergrund
Angeschossene Rohrweihe
Seit dem EU-Beitritt Maltas unterstützt der NABU die internationalen Bemühungen um ein Ende der Zugvogeljagd auf der kleinen Mittelmeerinsel. Sie ist durch ihre Lage auf der zentralen Vogelzug-Route zwischen Europa und Afrika ein Anziehungspunkt für Tausende von Zugvögeln. Hier rasten sie und schöpfen neue Kräfte, bevor sie erneut weiterziehen. Doch für viele der Vögel endet die Reise noch immer tödlich. Vor zwei Jahren verzichtete Maltas Regierung unter dem politischen Druck der Naturschutzverbände und der EU-Kommission erstmals auf die besonders umstrittene Frühjahrsjagd. Im Zuge eines von den Vogelschützern erwirkten EU-Vertragsverletzungsverfahrens wurde die von 2004 bis 2007 durchgeführte Frühjahrsjagd im September 2009 vom Europäischen Gerichtshof für unrechtmäßig erklärt, da sie gegen Bestimmungen der EG-Vogelschutzrichtlinie verstoße. Die Regierung Maltas nutzte nun jedoch ein „Schlupfloch“ der Luxemburger Entscheidung, durch welches die Jagd auf Wachteln und Turteltauben in sehr begrenzter und kontrollierter Zahl ermöglicht werden sollte.
Weitere Einzelheiten zur aktuellen Situation auf Malta sind auf der Internetseite von BirdLife Malta zu finden: www.birdlifemalta.org
Ansprechpartner für Malta in der NABU-Bundesgeschäftsstelle:
Lars Lachmann
Referent für Ornithologie und Vogelschutz
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Mit Blei und Leim
Das Tschilpen des Wiesenpiepers wird immer zaghafter. Leif Miller hält den Vogel in seinen Händen und weiß, dass er ihn nicht retten kann: Jäger haben den Pieper angeschossen – zum Spaß, denn die Vogeljagd gilt auf Malta wie in vielen anderen Mittelmeerländern als sportliches Vergnügen.
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Sie haben den Adler abgeschossen!
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Jedes Jahr kehren tausende Zugvögel von ihrer Reise nicht zurück. Sie werden abgeschossen, als Lockvögel für ihre Artgenossen missbraucht oder mit von Jägern aufgestellten Netzen gefangen. Für diese bedrohten Arten setzen wir uns ein.
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Ansprechpartner
Lars Lachmann
NABU-Vogelschutzexperte
Lars.Lachmann@NABU.de
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