NABU.de Tiere & Pflanzen Vögel Vogelgrippe Stallpflicht auch beim NABU

Stallpflicht für Niederrheiner und Diepholzer

Stallpflicht für Niederrheiner und Diepholzer

Wie sich die Vogelgrippe-Maßnahmen auf NABU-Einrichtungen auswirken

Fischadlerfreilassung Leiferde

Freilassung eines in Leiferde gesundgepflegten Fischadlers.

Seit die Vogelgrippe Deutschland erreicht hat, herrscht in den vom NABU betriebenen Vogel-Auffangstationen Hochbetrieb. "Zum Winterausgang gibt es ohnehin immer viele geschwächte Vögel, die Hilfe benötigen. Das Spektrum reicht von Mäusebussarden und Schleiereulen über Graureiher und Haubentaucher bis zu Rohrdommeln", erläutert Bärbel Rogoschik vom NABU-Artenschutzzentrum im niedersächsischen Leiferde.

Flugvoliere Leiferde

Flugvolieren in Leiferde.

"Durch die Vogelgrippe haben Anfragen und Meldungen über aufgefundene Tiere noch einmal gewaltig zugenommen - unsere Volieren sind voll. Da außerdem schon die Jungsäugerzeit angebrochen ist, warten auch die ersten kleinen Feldhasen in der Station auf ihre alle zwei Stunden stattfindende Fütterung." Vor dem Vogelgrippe-Hintergrund sind viele Privatleute nicht mehr bereit, kranke, verletzte oder geschwächte Tiere selbst nach Leiferde zu bringen. "Wir unterhalten inzwischen den reinsten Fahrdienst", meint Rogoschik.

Diepholzer Gans

Diepholzer Gans

Ganz andere Mühen bereitet die Vogelgrippe einigen anderen NABU-Zentren. Denn neben seltenen Rinder- oder Schafsrassen, die in der Landschaftspflege eingesetzt werden, hält und züchtet der NABU auch alte, vom Aussterben bedrohte Hausgeflügelrassen. Und diese sind von der so genannten Stallpflicht ebenso betroffen wie die Hochleistungshühner in den Legebatterien der Massentierhaltung. Dabei sind die Hühner, Enten und Gänse gerade auch für den unmittelbaren Kontakt mit interessierten Tierfreunden gedacht. Doch daran ist zunächst nicht mehr zu denken, bedauert Matthias Bergmann vom NABU-Woldenhof im ostfriesischen Wiegoldsbur, der Landschaftspflegehof, Besucherzentrum und Schulbauernhof zugleich ist: "Wir haben unsere Tiere natürlich eingestallt und für die Hühner - Ostfriesische Silbermöwen - eine kleine überdachte Voliere gebaut. Wir werden sie aber in den nächsten Tagen Februar zu unseren Mitarbeitern auslagern, da wir ansonsten Absagen von Schulklassen riskieren, wenn wir Geflügel am Hof halten. So können wir sie erhalten und später wieder zum Hof zurückbringen."

Küken Diepholzer Gans

Frisch geschlüpftes Gänseküken in der Dreptefarm.

"Wir setzen trotz Stallpflicht und Vogelgrippehysterie weiter auf unsere Westfälischen Totleger-Hühner und Diepholzer Gänse", betont Sönke Hofmann vom NABU-Schullandheim Dreptefarm in Wulsbüttel bei Bremen. "Wir wollen einen kleinen Beitrag leisten, diese alten Zuchtleistungen zu erhalten und bei den Kindern überhaupt ein Interesse an Landwirtschaft und Ernährung zu wecken."

Gerade ist in der Dreptefarm mit einem Küken der Diepholzer Gänse der erste Nachwuchs des Jahres zur Welt gekommen. Da der Trieb zur Brut und Aufzucht bei alten Geflügelrassen häufig geschwächt ist, hilft Hofmann mit einer Brutmaschine nach: "Zehn Eier liegen in der Maschine und acht weitere noch bei der echten Gänsemutter. Leider hat bei uns bisher keine der Gänsemütter ein Ei zu Ende ausgebrütet. Züchter vermuten, dass dies die Folge früherer Einsätze von Brutmaschinen ist. Wir bewegen uns da in einem Teufelskreis, aber vielleicht klappt es ja diesmal mit der Naturbrut."

Niederrheiner Hühner

Niederrheiner Hühner in Haus Wildenrath.

Mehr Erfahrung mit der Vogelgrippe als andernorts hat man in Haus Wildenrath, dem NABU-Zentrum in Wegberg nahe der niederländischen Grenze. "Schon 2003 lagen wir in der Quarantänezone, als einige wenige Vogelgrippefälle aus den Niederlanden nach NRW rübergeschwappt sind", erläutert der NABU-Landesvorsitzende Josef Tumbrinck. "Es handelte sich zwar um einen anderen Erregertyp, aber in den Niederländen mussten damals 30 Millionen Tiere geschlachtet werden. Es starb sogar ein Tierarzt an der Seuche."

Schwarzer Spitz

Jungspitz Dina muss erst einmal aufs Hühnerscheuchen verzichten...

Neben Glanrindern, Eseln und Moorschnucken werden auf Haus Wildenrath auch Niederrheiner und Sulmtaler Hühner gehalten. Selbst die beiden Hofhunde Dark und Dina gehören als Schwarze Spitze einer gefährdeten Rasse an. "Normalerweise halten wir die Hühner komplett draußen. Jetzt sind sie im Stall, an den ein überdachter Auslauf angeschlossen ist. Das war in der ersten Phase nur ein Provisorium und ist jetzt stabiler ausgefallen. Eins ist klar: Wenn es eine Impfung gäbe, würden wir das sofort machen, weil wir natürlich nicht wollen, dass die Tiere im Fall des Falles geschlachtet werden. Das werden viele andere Züchter von Rassegeflügel genauso sehen." (elg)

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Beitrag erstellt am 24. Februar 2006.

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