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Kormoran-Massaker
Keine Schäden durch Kormorane in Sicht
NABU legt Forderungen zum Kormoranmanagement vor
7. September 2005: Mecklenburg-Vorpommerns Umweltminister Wolfgang Methling hat anscheinend aus seinen Fehlern gelernt. In einem Gespräch, in dem der NABU nochmals seine Forderungen zum Kormoran-Management vorlegte, sicherte Mehtling dem NABU eine grundlegende Überprüfung der bisherigen Vorgehensweise zu. Außerdem stellte er fest, dass bisher keine konkreten Belege über die von Kormoran verursachten Fischereischäden außerhalb von Teichanlagen vorliegen. Bevor es erneute Ausnahmegenehmigungen zum Töten von Kormoranen gibt, müssten Fischer nachprüfbare Zahlen vorlegen. In Zukunft sollen die Behörden erst handeln, wenn Schäden durch den Kormoran nachgewiesen sind.
Der NABU begrüßt den klaren Standpunkt des Ministers und sagt eine engagierte Unterstützung bei der fachlichen Neuorientierung des Kormoranmanagements zu. Allein allgemeine Ertragsrückgänge in der Fischerei oder die Feststellung, dass sich Kormorane von Fisch ernähren, reichen als Grundlage für das zukünftige Vorgehen im Land nicht aus. "Eine weitere Bestandsregulierung, ohne daß gesamtwirtschaftliche Schäden durch Kormorane nachgewiesen sind, darf es nicht mehr geben. Naturschutz muss in unserem Land, dass von seinem Naturreichtum lebt, offensiv von der Regierung verteidigt werden", stellt der NABU-Landesvorsitzende, Stefan Schwill den Anspruch des Verbandes klar. Weitere Skandale dieser Art könne sich Mecklenburg-Vorpommern nicht leisten.
Der NABU hatte im Juli eine Protest-Mail gestartet (siehe unten). Der NABU bedankt bei den über 1.600 Naturfreunden, die sich an der erfolgreichen Protestaktion beteiligt haben.
"Abstoßend und völlig unangemessen"
Bundesamt für Naturschutz verurteilt Anklamer Kormorantötungen
15. Juli 2005: Die Kormorantötungen Mitte Juni im Anklamer Stadtbruch schlagen weiter Wellen. Nun hat sich auch das Bundesamt für Naturschutz (BfN) eingeschaltet. BfN-Präsident Hartmut Vogtmann bezeichnete die Abschüsse als "abstoßend und völlig unangemessen". "Dieses Schutzgebiet ist Refugium für eine Vielzahl empfindlicher und bedrohter Vogelarten der Roten Liste wie Trauerseeschwalbe, Rohrdommel und Seeadler - so eine Aktion, zusätzlich mitten in der Brutzeit, verträgt sich nicht mit den Zielen eines Naturschutzgebietes."
Wenn es Probleme mit Kormoranen gebe, könnten sie effektiver gelöst werden. Das setze aber voraus, dass Schäden nicht nur behauptet, sondern auch belegt werden müssten. "An dieser Hürde scheitern schon viele, die sich über Kormorane aufregen", erläutert Vogtmann. "Allein die Angabe, wie viel Fische ein Kormoran pro Tag verzehrt, genügt nicht: Meist sind es wirtschaftlich uninteressante Arten, die auf dem Speisezettel von Kormoranen stehen, und noch holen unsere Fischer und Angler ein Mehrfaches dessen aus den Gewässern, was insgesamt in den Mägen der Kormorane landet. Wir haben hier ein psychologisches Problem, denn Fischer neigen dazu, den Grund für Bestandsrückgänge, zum Beispiel in der Meeresfischerei, nicht in der nicht-nachhaltigen Fischereipraxis, sondern bei den gehassten Kormoranen zu sehen."
Sofern dennoch Maßnahmen erforderlich seien, müssten diese an den Gewässern und nicht bei den Kormoranen ansetzen. Dies habe auch eine europaweite, von der EU finanzierte Studie ergeben, die unter Mitwirkung der Fischerei und von Anglerverbänden durchgeführt worden sei. Es sei bedauerlich, dass in Mecklenburg-Vorpommern auf diesen Erkenntnissen nicht aufgebaut wurde.
Komplette Stellungnahme des Bundesamtes für Naturschutz
Methling setzt Kormoran-Abschüsse aus
Erfolgreicher NABU-Protest gegen Vogelmassaker
8. Juli 2005: In Mecklenburg-Vorpommern wird es dieses Jahr keine Kormoranabschüsse mehr geben. Weitere Ausnahmegenehmigungen zur Tötung der Tiere werden nicht erteilt, erklärte das Umweltministerium nach einer Sitzung der "AG Kormoran".
Im Anklamer Stadtbruch waren Mitte Juni mehr als 6000 Kormorane in ihren Nestern erschossen worden (siehe Meldung unten vom 1. Juli). Eine Urlauberin aus Berlin hatte von einem Radweg aus die Überreste dieses Massakers entdeckt und die Behörden und die Umweltverbände alarmiert. Daraufhin sandten innerhalb weniger Tage empörte Naturfreunde alleine über diese Internetseite mehr als 1100 Protestmails an Landesumweltminister Wolfgang Methling. "Dieser Protest hat nun Wirkung gezeigt", freut sich Rica Münchberger vom NABU Mecklenburg-Vorpommern.
In einer Pressemitteilung äußerte Minister Methling Verständnis für die Proteste, zugleich verwahrte er sich "gegen die Unterstellung, im Tourismusland Mecklenburg-Vorpommern fänden wilde Vogelmassaker statt. Mecklenburg-Vorpommern ist kein Land des Vogelmordes, sondern bleibt ein Land des Vogelschutzes. Das gilt auch für Brut- und Rastvogelarten, deren Populationszunahmen uns zum Teil Sorgen bereiten, wie Gänse, Schwäne, Kraniche und einige Rabenvögel." Der zuständige Landkreis Ostvorpommern soll nun ein Ordnungswidrigkeitsverfahren wegen Verstoßes gegen die in der Kormoranabschuss-Genehmigung erteilten Auflagen einleiten.
"Natürlich begrüßt der NABU das Abschuss-Moratorium. Man muss aber wissen, dass die Kormoranbrutsaison ohnehin vorüber ist und keine Abschüsse mehr zu erwarten waren", erläutert Rica Münchberger. "Der Grundkonflikt bleibt, denn die Landesregierung ist auch weiterhin für eine Bestandsregulierung mit der Flinte. Lediglich über die künftige Durchführung der Tötungen gibt man sich gesprächsbereit. Damit kann der NABU nicht einverstanden sein, Vogelfreunde sollten weiterhin Protestmails schreiben, um den Minister zum Umdenken zu veranlassen."
Pressemitteilung des Umweltministeriums Mecklenburg-Vorpommern
NABU protestiert gegen Kormoran-Massaker
Umweltministerium in Mecklenburg-Vorpommern genehmigt den Abschuss von 6.000 Kormoranen - Schicken auch Sie eine Protest-Mail
1. Juli 2005: Bis vor wenigen Tagen galt das Naturschutzgebiet Anklamer Stadtbruch als Geheimtipp unter Ornithologen. Denn die Artenliste des rund 1.400 Hektar großen, östlich von Anklam gelegenen Areals liest sich wie ein "Who is who" der gefährdeten Vogelarten Deutschlands. Rote-Liste-Arten wie Schwarzhalstaucher, Fluss- und Trauerseeschwalben, Seeadler oder Kranich brüten hier. Nicht umsonst wurde das Gebiet von der EU als "Special Protected Area" deklariert und vom Bundesamt für Naturschutz in das besonders geförderte Großprojekt "Peenetal-Landschaft" integriert. Mitte Juni zerplatzte jedoch diese einmalige Idylle: Denn mit Erlaubnis des Landesumweltamtes Mecklenburg-Vorpommern haben Jäger in dem Naturschutzgebiet mehrere tausend Kormorane erschossen.
Das Vogelmassaker geht auf das Betreiben von Fischern zurück. Sie behaupten, dass die Kormorane ihnen die Fische wegfressen. Nach mündlichen Bestätigungen des Umweltministeriums wurden etwa 6.000 der durch die EG-Vogelschutzrichtlinie und das Bundesnaturschutzgesetz besonders geschützten Vögel erlegt. "Dieser Fall ist wahrscheinlich der krasseste, den wir bisher hatten, aber es ist nicht der erste", beklagt die Geschäftsführerin des NABU-Landesverbandes Mecklenburg-Vorpommern, Dr. Rica Münchberger. Bislang konnte der von Fischern behauptete angeblich erhebliche Schaden an Nutzfischen durch Kormorane nicht nachgewiesen werden. Tatsache ist nur, dass die Fischbestände in Mecklenburg-Vorpommern zurückgehen. "Die Massentötungen von Kormoranen beruhen lediglich auf nicht gesicherten Behauptungen", so Münchberger.
Das Umweltministerium beruft sich auf die geltenden Ausnahmegenehmigungen für besonders geschützte Arten in EU-Vogelschutzgebieten und Naturschutzgebieten und sieht sein Handeln durch EU-, Bundes- und Landesrecht gedeckt. "Der Abschuss der Kormorane wurde behördlich nicht kontrolliert", kritisiert Münchberger. Nach Ansicht des NABU haben die Jäger nicht nur gegen Naturschutzrecht, sondern auch gegen das Jagd- und das Tierschutzgesetz sowie gegen behördliche Auflagen verstoßen. Denn zum einen wurden die Tiere nicht gezielt getötet, sondern nur angeschossen, zum anderen wurden auch Altvögel getötet so dass deren Junge unversorgt zurückblieben. Alle Vögel verendeten schließlich qualvoll.
"Dieses Gemetzel ist durch die EG-Vogelschutzrichtlinie eindeutig nicht abgedeckt", so Claus Mayr, Europaexperte des NABU. Der Fall werde daher umgehend der EU-Kommission in Brüssel gemeldet, der bereits seit dem letzten Jahr eine Beschwerde des NABU, des Deutschen Rates für Vogelschutz (DRV) und des Landesbundes für Vogelschutz in Bayern (LBV) gegen die Kormoran-Tötungen in etlichen Bundesländern vorliege.
Der NABU fordert alle Naturfreunde an den Umweltminister von Mecklenburg-Vorpommern, Prof. Dr. Wolfgang Methling, eine Protest-Mail zu schreiben und ihn aufzufordern zukünftig alle Vergrämungsmaßnahmen in Naturschutzgebieten und EU-Vogelschutzgebieten zu unterlassen.
Weitere Links
NABU-Kormoran-Position
Hintergrund-Informationen zum Kormoran beim NABU Schleswig-Holstein

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