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Vogelschutz an Energiefreileitungen


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Vogelschutz an Energiefreileitungen

Der NABU will die weltweiten Gefahren durch Stromtod bannen

Stromtod: Storch an Freileitung


Für nicht wenige Vogelarten zählen tödliche Stromschläge an Energiefreileitungen heute zu den Hauptursachen ihres Bestandsrückgangs. Besonders große Vögel sind den Gefahren des Stromtods ausgesetzt, also vielfach "Toparten" unserer Ökosysteme wie Weiß- und Schwarzstorch, Uhu, Schreiadler oder Gänsegeier. Die Situation wird gebietsweise immer besorgniserregender - und das, obwohl technische Lösungen für dieses Problem existieren.

Erst wenige Staaten haben den Vogelschutz an Energiefreileitungen gesetzlich verankert. Ein positives Beispiel liefert die Novelle des Bundesnaturschutzgesetzes in Deutschland, die im April 2002 in Kraft getreten ist. Nach § 53 sind zum Schutz von Vogelarten "neu zu errichtende Masten und technische Bauteile von Mittelspannungsleitungen konstruktiv so auszuführen, dass Vögel gegen Stromschlag geschützt sind. An bestehenden Masten (...) mit hoher Gefährdung von Vögeln sind innerhalb von zehn Jahren die notwendigen Maßnahmen zur Sicherung gegen Stromschlag durchzuführen." Masten mit hohem Gefährdungspotenzial für Vögel sind demnach in Deutschland bis 2012 zu entschärfen. Während in einigen Regionen Deutschlands in Kooperation mit Energieversorgungsunternehmen bereits Fortschritte erzielt werden konnten, kommt die Umsetzung des Vogelschutzes an Freileitungen anderenorts nur schleppend voran.

Störche auf Strommast

Weltweit betrachtet erhöht sich das Gefahrenpotenzial nahezu ungebremst. Die Bemühungen um einen wirkungsvollen Schutz gerade auch von Zugvögeln bleiben jedoch Stückwerk, wenn es nicht gelingt, länderübergreifende Regelungen zu treffen und diese auch konsequent umzusetzen.

Mit diesem Ziel vor Augen engagiert sich der NABU zusammen mit seinen BirdLife-Partnern auch international im Kampf gegen den vermeidbaren Vogeltod an Strommasten und -leitungen. Dazu wurden Konstruktionsstandards für den Bau vogelverträglicher Masten bzw. die Entschärfung gefährlicher Mastentypen ausgearbeitet, durch die Stromschlaggefahren für Vögel weitgehend ausgeschlossen werden können. Die technischen Empfehlungen zum Vogelschutz an Energiefreileitungen sind in einer NABU-Broschüre veröffentlicht worden. Hier werden die notwendigen Maßnahmen zur Entschärfung gefährlich konstruierter Strommasten detailliert erläutert. Die Broschüre ist mit Unterstützung des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit und des Sekretariats der Bonner Konvention in mehreren Sprachen erschienen.

Vertragstaatenkonferenz zum Schutz wandernder Tierarten verabschiedet "Anti-Stromtod-Resolution"


Zu den ersten internationalen Erfolgen auf dem Gebiet des Vogelschutzes an Energiefreileitungen zählte die 7. Vertragsstaatenkonferenz der Bonner Konvention (Konvention zum Schutz wandernder wildlebender Tierarten, CMS), die vom 14.-28. September 2002 in Bonn stattfand. Dazu hatte der NABU gemeinsam mit dem Bundesumweltministerium eine Resolution eingebracht, die am Ende mit großer Unterstützung verabschiedet wurde.

Vorangegangen waren Untersuchungen der Bundesarbeitsgruppe Stromtod um Dr. Dieter Haas, die das Gefahrenpotenzial insbesondere in mehreren Mittel- und osteuropäischen Ländern recherchiert hatte. In Abstimmung mit BirdLife International sind daraufhin detaillierte Anforderungen sowohl für den Bau von Mittelspannungsleitungen als auch für die Entschärfung bestehender Leitungstrassen erarbeitet und den Konferenzteilnehmern vorgelegt worden. Die Richtlinien sind in der Broschüre (2) "Vorsicht: Stromschlag!" aufgeführt und gemeinsam mit der Resolution 7.4 "Electrocution of Migratory Birds"(3) verabschiedet worden. Zu den Kernaussagen der Resolution, die sich auf den besonders verlustreichen Bereich des Mittelspannungsnetzes (10 bis 60 kV) konzentriert, zählen:

  • Allen Staaten wird nahegelegt, technische Standards für den Bau neuer Mittelspannungsmasten sowie für die Entschärfung bestehender "Killermasten" festzulegen und den Vogelschutz an Freileitungen in einer entsprechenden Gesetzgebung zu verankern.

  • Zum Schutz von insbesondere ziehenden Vogelarten sind neu zu errichtende Masten und technische Bauteile von Mittelspannungsleitungen konstruktiv so auszuführen, dass Vögel gegen Stromschlag geschützt sind.

  • Bestehende Anlagen sind so zu entschärfen, dass der Schutz von Vögeln vor Stromschlaggefahren gewährleistet ist.

  • Die Gefährdung von Vögeln durch Stromtod soll durch Kooperationen zwischen Naturschützern, Ornithologen, Energieversorgern und Politikern weltweit reduziert werden.
Nun wird es darauf ankommen, dass diese Richtlinien in möglichst vielen Ländern aufgegriffen und umgesetzt werden.

Berner Konvention verabschiedet NABU-Empfehlungen zum Vogelschutz an Energiefreileitungen


Dieter Haas (links) und Bernd Schürenberg (Mitte) im Gespräch mit Delegierten des Ständigen Ausschusses der Berner Konvention in Straßburg. Foto: M. Nipkow / NABU

Dieter Haas (links) und Bernd Schürenberg (Mitte) im Gespräch mit Delegierten des Ständigen Ausschusses der Berner Konvention in Straßburg. Foto: M. Nipkow / NABU

Dem beharrlichen Engagement der Bundesarbeitsgruppe Stromtod ist es zu verdanken, dass Anfang Dezember 2004 detaillierte Richtlinien zum Vogelschutz an "Killermasten" und Überlandleitungen erstmals auch Bestandteil europäischer Naturschutzpolitik geworden sind.

Unterstützt von BirdLife International hatten Dieter Haas, Bernd Schürenberg und Markus Nipkow dem Ständigen Ausschuss der Berner Konvention (Übereinkommen über die Erhaltung der europäischen wildlebenden Pflanzen und Tiere und ihrer natürlichen Lebensräume) Richtlinien zur Entschärfung vogelgefährlicher Stromtrassen vorgelegt, die nun in den Unterzeichnerstaaten Berücksichtigung finden sollen.

Neu zu errichtende Anlagen müssen bereits von vornherein vogelfreundlich konstruiert sein. Die Empfehlungen betreffen neben Mittelspannungsmasten auch Hochspannungsleitungen und Bahnanlagen. Auf der Homepage der Berner Konvention können die in Straßburg verabschiedeten Richtlinien sowie die Publikation Protecting birds from powerlines (D. Haas, M. Nipkow, G. Fiedler, R. Schneider, W. Haas & B. Schürenberg 2005) bestellt werden.

mehr Offizielle Seite der BAG Stromtod

Unsere Broschüre zum Thema (Stand 2002)

Vorsicht Stromschlag! - Empfehlungen zum Vogelschutz an Energiefreileitungen (PDF, 665 KB)

Recomendações para a protecção de aves em zonas de linhas eléctricas aéreas (PDF, 765 KB)

Sugerencias para proteger la avifauna en los tendidos eléctricos aéreos (PDF, 760 KB)

Caution: Electrocution! - Suggested Practices for Bird Protection on Power Lines (Download as .pdf, 824 KB)

Caution: Electrocution! - Suggested Practices for Bird Protection on Power Lines - Russian-Version (Download as .pdf, 345 KB)

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Lars Lachmann

Lars Lachmann
NABU-Vogelschutzexperte
Lars.Lachmann@NABU.de

 

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