NABU.de Tiere & Pflanzen Vögel Afrika Feuchtgebiete Afrikas bedroht
Feuchtgebiete Afrikas bedroht
Afrikas Feuchtgebiete weitgehend ungeschützt
Vogelarten ebenso bedroht wie Wasserversorgung der Bevölkerung
Klunkerkranich im Okawango-Delta
18. November 2002 - Trotz ihrer enormen Bedeutung für Mensch und Natur sind die meisten großen Feuchtgebiete Afrikas bis heute noch ungeschützt. Das geht aus einer Studie hervor, die BirdLife International anlässlich der Ramsar-Vertragstaatenkonferenz in Valencia vorlegte. In der Ramsar-Konvention wird der weltweite Schutz bedeutender Feuchtgebiete für die Vogelwelt geregelt. Die BirdLife-Studie identifiziert erstmals alle Bedeutende Vogelgebiete (Important Bird Areas - IBA) Afrikas, die gleichzeitig die Ramsarkriterien erfüllen.
Von diesen 586 Gebieten stehen gerade einmal 14 Prozent unter dem Schutz der Ramsar-Konvention - teils weil Staaten Ramsar noch nicht beigetreten sind, teils weil die Vertragstaaten bisher keine Schutzmaßnahmen ergriffen haben. Auch sämtliche 25 IBA-Feuchtgebiete in den so genannten afrikanischen Überseeterritorien Englands und Frankreichs sind bisher ohne Ramsar-Schutz. Gute Noten für hohe Unterschutzstellungsraten erhielten dagegen Algerien, Benin, Botswana, Ghana, Guinea und der Tschad.
Schuhschnabel
Viele artenreiche Feuchtgebiete stehen unter zunehmendem Nutzungsdruck. Intensivierung und Ausweitung der Landwirtschaft gefährden diese Naturparadiese ebenso wie Wilderei und Überfischung. BirdLife hat die Staatengemeinschaft und die Regierungen Afrikas aufgefordert, endlich konsequent gegen Armut, internationale Verschuldung und bürgerkriegsähnliche Konflikte vorzugehen. Am Ende stehe sonst sowohl die Zerstörung der Natur wie auch der menschlichen Lebensgrundlagen.
Größtes ungeschütztes Feuchtgebiet ist der Sudd (Bahr el Jebel), eine 55.000 Quadratkilometer große Überschwemmungsebene im Süden des Sudan. Dort hat nicht nur der bekannte Schuhschnabel seine Hauptvorkommen, der Sudd ist auch wichtiges Rast- und Überwinterungsgebiet für zahlreiche in Europa brütende Wasservögel. Vor allem Kanalisations- und Entwässerungspläne drohen den Charakter des Sudds zu verändern. Bisher ist der Sudan der Ramsar-Konvention noch nicht beigetreten.
Delacour-Zwergtaucher
Madagaskar dagegen gehört dem Ramsar-Übereinkommen an und verfügt über 38 potentielle Ramsargebiete. Doch viele Feuchtgebiete wie etwa das Mahavavy-Delta verlieren durch Biotopzerstörung und gleichzeitige Intensivierung der Fischerei ständig an Wert. Durch seine Insellage verfügt Madagaskar über viele endemische Arten, also solche, die weltweit nur hier vorkommen. Eine besondere Bedrohung stellen deshalb die Einfuhr fremder Pflanzenarten und das Einsetzen fremder Fischarten dar. Auch der 90.000 Hektar große Alaotrasee bleibt von Übernutzung und der Umwandlung von Feuchtwiesen in Ackerland nicht verschont. Die einst hier heimischen, endemischen Delacour-Zwergtaucher und Malegassen-Moorente sind nach neusten Erkenntnissen bereits ausgerottet.
Medienkontakte: Michael Szabo, Pressesprecher von BirdLife International, Tel. 00 44-12 23- 27 73 18 oder -27 99 03, michael.szabo@birdlife.org.uk.

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