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Flederlausch-Interview
Ein offenes Ohr für Fledermäuse
Sabrina Behrends erzählt im Interview vom NABU Flederlausch-Projekt
Sabrina Behrends mit dem Flederlausch-Equipment
Im Frühjahr 2006 startete mit Flederlausch ein bundesweit einmaliges Projekt. Auf nächtlichen Exkursionen bringt Sabrina Behrends Erwachsenen und Kinder Fledermäuse näher und lässt sie an Klangwelten teilhaben, die dem menschlichen Ohr sonst verschlossen bleiben. Im Interview erzählt die Naturschützerin, was das Besondere an Flederlausch ist und warum es lohnt, sich mit den fliegenden Jägern zu beschäftigen.
Wie sind Sie zu Flederlausch gekommen?
Durch Zufall. Ich habe Landschaftsnutzung und Naturschutz studiert und mich während dem Studium auf Umweltbildung spezialisiert. Danach habe ich hauptsächlich Naturführungen für Kinder geleitet und irgendwann die Stellenausschreibung im Fledermausschutz gelesen. Ich wusste sofort, da will ich hin und habe mich beworben. Als ich anfing, war die Idee für Flederlausch da und das Geld. Meine Aufgabe war es, das Ganze mit Leben zu füllen. Fledermäuse waren für mich ein völlig neues Thema. Aber dass ich gerne draußen bin und Menschen die Natur nahe bringe, das ist schon sehr lange so.
Was verbirgt sich genau hinter dem Namen "Flederlausch"?
Flederlausch ist ein Projekt des NABU, das dieses Frühjahr seinen Start hatte. In erster Linie verbergen sich dahinter Fledermausexkursionen unter meiner Leitung. Das Besondere daran ist die Technik: Ich selbst habe einen Bat-Detektor und ein Mikrofon dabei und jeder der Teilnehmer erhält einen Funkkopfhörer. Über das Mikrofon gebe ich den Teilnehmern Informationen über Fledermäuse und der Detektor macht die Ultraschallrufe der Tiere hörbar.
Wie läuft eine Flederlausch-Exkursion ab?
Bei Sonnenuntergang beginnen wir unseren Spaziergang, der eineinhalb bis zwei Stunden dauert. Auf der ungefähr zwei Kilometer langen Tour durchqueren wir verschiedene Landschaftsräume.
In Bad Segeberg gehen wir zuerst durch eine Wiesenlandschaft, wo zum Beispiel Zwergfledermäuse, Breitflügelfledermäuse und Große Abendsegler unterwegs sind. Dann passieren wir meist den Schmetterlingsgarten der NABU-Ortsgruppe, der jedermann zugänglich ist. Dort wachsen viele Pflanzen, die besonders abends intensiv duften und damit Nachtfalter anlocken. Das bedeutet ein gutes Nahrungsangebot für Fledermäuse, die dort gerne jagen.
Anschließend gehen wir weiter Richtung Wald. Im Wald sind beispielsweise Rauhautfledermäuse, Zwergfledermäuse und Mückenfledermäuse zu hören. Zurück geht es am See entlang. Dort sind häufig Wasserfledermäuse, manchmal auch Abendsegler unterwegs und ich erkläre die verschiedenen Jagdstrategien
Während der Exkursion habe ich den Bat-Detektor dabei und jeder Teilnehmer einen Funkkopfhörer, an dem er selbst die Lautstärke regeln kann. Der Detektor hat ein Mikrofon eingebaut, womit er die Fledermausrufe aufnimmt und gibt sie so wieder, dass wir sie hören können, meist als ein knatterndes Geräusch. Ich habe die Möglichkeit, die Rufe zeitgleich zu kommentieren. So können die Teilnehmer einfach nur lauschen und genießen oder ich gebe Hinweise, worauf sie gerade achten können.
Wieso brauchen wir einen Detektor, um die Fledermausrufe zu hören und wie funktioniert er?
Der unscheinbare schwarze Kasten macht Fledermausrufe für das menschliche Ohr hörbar
Ultraschallrufe haben so hohe Frequenzen, dass sie mit unserem Ohr nicht mehr erfassbar sind. Die Rufe unserer heimischen Fledermäuse reichen von 20 bis 45 Kilohertz. Unser menschliches Hörvermögen endet bereits bei 18 Kilohertz. Manche Menschen, vor allem Kinder, können den Ruf des Großen Abendseglers mit bloßem Ohr gerade noch hören. Der Fledermausdetektor wandelt die hohen Frequenzen um, so dass jeder sie wahrnehmen kann.
Im Detektor ist ein hochempfindliches Mikrofon, das sogar hörbar macht, wenn ich meine Finger aneinander reibe. Damit zeichnet er die Ultraschallrufe auf. Wenn ich etwas Spannendes gehört habe, kann ich die Aufnahme unterbrechen und sie in einer Endlosschleife immer wieder abspielen. Außerdem habe ich die Möglichkeit, die Aufnahme zehn Mal so lang in die Länge ziehen, was einen ganz anderen Höreindruck verschafft. Ein knatternder, klappernder Ruf erhält so ein viel reichhaltigeres Tonspektrum.
Wie und warum rufen Fledermäuse?
Normalerweise rufen Fledermäuse zehn Mal pro Sekunde, um sich zu orientieren. Auf diese Art schafft sich die nahezu blinde Fledermaus ein Hörbild von der Umgebung. Von jedem Gegenstand, ob Baum, Haus oder Mensch wird ein Echo zurückgeworfen. Je nachdem, wie groß das Echo ist, aus welcher Richtung es kommt und wie laut es ist, weiß die Fledermaus, ob es ein Hindernis ist, das sie umfliegen muss oder ein Beutetier, das sie fressen will. Wenn sie ein Insekt geortet haben, dann ruft sie bis zu 100 Mal pro Sekunde. Sie fliegt dem Insekt hinterher und kann anhand der vielen Rufe und Echos genau lokalisieren, wo es sich befindet.
Viele Arten keschern das Beutetier mit dem Flügel. Manche, wie die Wasserfledermaus oder die Teichfledermaus haben sehr große Fußkrallen, womit sie die Insekten von der Wasseroberfläche greifen können. Eine andere Strategie dieser Tiere ist es, mit der Schwanzflughaut eine Schüssel zu bilden und damit Insekten vom Wasser abzufangen. Eine Wasserfledermaus frisst auf diese Art ungefähr 4000 Mücken pro Nacht - ein Drittel bis die Hälfte ihres eigenen Körpergewichts.
Was ist, wenn sich die Fledermäuse auf der Exkursion rar machen?
Wenn das Wetter nicht so gut ist, also Nieselregen, zu kalt oder zu feucht, dann haben wir manchmal Pech mit den Fledermausaktivitäten. Für diesen Fall habe ich einen MP3-Player dabei, der mit dem Mikrofon verbunden ist. Damit kann ich Fledermausaufnahmen abspielen, wobei ich natürlich dazu sage, dass es gerade nicht live ist. So kann ich den Leuten auf der Exkursion auch etwas mehr Hörgenuss bieten, in dem ich Raritäten wie zum Beispiel den Balzruf eines Kleinen Abendseglers anbiete, der nur selten zu hören ist.
Was macht Flederlausch sonst noch aus?
Unter anderem organisieren wir Fledermausfeste in der Region, wie im Moment die Batnight. Im letzten Jahr hatten wir zwei kleinere Feste mit 200 bis 300 Besuchern. Damit geben wir Ortschaften, deren Bewohner Fledermausquartiere in ihren Wohnhäusern unterhalten, ein kleines Dankeschön. Bei der Batnight in Bad Segeberg sind es 5000 bis 6000 Besucher, also eine ganz andere Größenordnung. Seit letztem Jahr sind wir auch auf der NorLa vertreten, das ist die größte Landwirtschaftsmesse im Norden. Auch dieses Jahr sind wir Ende September dort wieder beim NABU-Stand dabei und informieren über Fledermäuse.
Was sind die Highlights der diesjährigen Batnight?
Zur Batnight in Bad Segeberg erwartet die Besucher ein buntes Programm
Die Batnight feiert dieses Jahr Jubiläum und deshalb haben wir etwas Besonderes in Bad Segeberg auf die Beine gestellt. Neben einem tollen, bunten Bühnenprogramm und vielen Aktionen für Kinder werden wir vom NABU unsere Fledermaus-Projekte vorstellen.
Beim Flederlausch-Stand können die Besucher Probe lauschen und versuchen, verschiedene Arten zu erraten. Beim Projekt "Fledermausfreundliches Haus" gibt es Informationen dazu, wie aus dem eigenen Heim ein Fledermausquartier werden kann. Außerdem stellt sich die Landesstelle für Fledermausschutz und -forschung vor. Ehrenamtliche Tierschützer beantworten Fragen und zeigen als kleines Highlight die Fütterung eines Pflegetiers, das wegen einer Verletzung am Flügel nicht mehr fliegen kann.
Zum ersten Mal dehnen wir die Batnight auf zwei Tage aus und bieten am Samstag Abend Fledermausführungen an, damit auch Familien mit Kindern außerhalb der Sommerferien die Möglichkeit haben, daran teilzunehmen. Am Sonntag Abend folgt als krönender Abschluss die Live-Übertragung auf Großleinwand vom Fledermausschwärmen am Kalkberg, wenn die Alttiere den Jungtieren zeigen, wo sie den Winter sicher verbringen können.
Was wünschen Sie sich für den Fledermausschutz?
Ich würde mir wünschen, dass viel mehr Menschen Fledermausfreunde werden. Wenn die Führungen und das Noctalis-Fledermauszentrum erreichen, dass mehr Menschen auf Fledermäuse aufmerksam werden, sie selbst im Garten beobachten und ein Interesse dafür entwickeln, ist viel erreicht. Ich freue mich, wenn sich Exkursions-Teilnehmer ein Stück weit von meiner Begeisterung anstecken lassen und selbst im kleinen Rahmen etwas für die Tiere tun. Ob das jetzt ein Fledermauskasten ist, den sie zuhause anbringen oder ein etwas wilderer Garten. Fledermäuse sind einfach spannende Tiere.
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