NABU.de Tiere & Pflanzen Säugetiere Aktionen Drei Maulwurf-Geschichten

Ein Maulwurferlebnis


von Inge Küsters

Auf nüchternen Magen ein schlimmes Bild: im Rasen vor der Terrasse reiht sich Haufen an Haufen. "Hilfe!" Jetzt muss mein Mann antreten. Er bewaffnet sich mit Spaten und Eimer, stellt sich schweigend auf Lauschposten und wartet geduldig bis ein neuer Haufen aufgeworfen wird.

Zugriff! Blitzartig den Spaten in die Erde gestochen, Maulwurf samt Erde in den Eimer und ich Arme muss den samtigen Kerl auf einer weit entfernten Wiese aussetzen.

Nachbar Harald holt sich bei uns Rat, denn auch bei ihm "häufelt" es. Geduld, Geduld! ist oberstes Gebot. Er stellt sich ebenso mit dem Spaten auf Horchposten. Nach einer halbe Stunde sehen wir ihn bereits auf einem Stuhl sitzen. War wohl doch zu anstrengend!

Geschlagene 60 Minuten später hören wir Schnarchgeräusche im Nachbargarten: neben dem schlafende Harald ein frisch aufgeworfener Maulwurfhaufen. So ein Pech! Den Maulwurf hat´s gefreut ... uns auch.

Das Glückstier


von Andrea Varnhagen-Gockeln

Für unsere Kamerunschafe haben wir zwei Wiesen zur Verfügung. Diese Wiesen werden nicht nur von den Schafen geliebt - nein, auch ein Maulwurf schätzt die Erde dort sehr. Regelmäßig sind dort große Erdhaufen zu bewundern, die wir, insbesondere mein Mann, nicht lieben. Mittlerweile sind die Haufen zu solch einem Ärgernis geworden, dass mein Mann zu mannigfaltigen Vertreibungstechniken gegriffen hat.

1. Wurde ein Damentampon mit Teebaumöl getränkt tief in den Gang eingeführt - keine Wirkung.
2. Wurden alle Erdhaufen abgetragen, die Gänge freigelegt und der Wind konnte ordentlich durch die Gänge sausen. Der Maulwurf blieb.
3. Wurden abgeschlagenen Flaschen in die Hügel gesteckt, damit der Wind ein "sausendes Geräusch" mit Hilfe der Flaschen erzeugen konnte. Der Maulwurf ist noch da.
4. 300 Liter Wasser wurden per Schlauch in die Gänge geleitet. Der Maulwurf planschte zufrieden und blieb.
5. Mitleidige Nachbarn, die den Kampf meines Mannes schon begeistert beobachteten, gaben den Rat, extra "stinkende" Urinsteine in die Gänge zu befördern. Gesagt, getan, es war um Weihnachten und die Urinsteine hatten die Form kleiner Sternchen - allerliebst - der Maulwurf blieb.
6. Eine Nachbarin meinte dann, die Sternchen-Urinsteine könnten nur wirken, wenn man bei Vollmond darauf uriniert. Diesen Versuch hat mein Mann unterlassen - zum Leidwesen unserer Nachbarn.

Zum Jahrswechsel bekam ich eine astrologische Zeitung in die Hände mit einem Glück verheißendem Jahreshoroskop für alle Sternzeichen. Neben den Horoskopen waren auch die speziellen Glückstiere der einzelnen Sternzeichen aufgeführt - was glauben Sie wohl, mein Mann ist Skorpion, sein Glückstier ist der Maulwurf... Nun darf er bleiben, vielleicht wird es ihm ja bald so langweilig, dass er von alleine geht.

Er gehört eben dazu


von Bärbel Meißner

Unser "Haus im Grünen" war gebaut, unser neuer Garten angelegt. Schön am Dorfrand, dicht an Wald und Feld und direkt im Lebensraum von Maulwurf und Co. Dann eines Tages, war der erste Maulwurfshügel im Gemüsebeet. Es erschienen noch etliche Hügel, die allerdings nie in der Rasenfläche waren und sind - hier hatten wir neuen Boden von einem recht steinigen Acker aufgebracht. Die Hügel entstanden nur in unseren naturbelassenen Ecken und im lockeren Gemüsegarten.

Wir steckten Flaschen schräg in die Beete - es machte ihm nichts aus. Wir legten Lappen mit Peroleum oder Buttermilch aus - es machte ihm nichts aus. Es kamen Mottenkugeln (Naphtalin) - kein Abzug von "unserem" Maulwurf!

Eines Tages - wir kamen mit unseren Söhnen vom Spaziergang zurück - sahen wir, wie direkt neben dem Komposthaufen ein neuer Hügel entstand. Mit wie viel Kraft der kleine Kerl dort unten in der Tiefe arbeitete. Mein Mann holte den Spaten, schlich sich leise heran, stieß den Spaten kräftig ins Erdreich und warf den Aushub daneben.

Da lag er nun in seiner ganzen Pracht. Wir staunten nicht schlecht über seine große Grabeschaufel-Pfoten, seine winzigen Augen und vor allen Dingen über das glänzende, saubere Fell, wo er doch in dieser schwarzen Erde lebt.

Etwas verstört sah er aus. Was nun? Wenn wir ihn im Eimer wegtragen, wie uns Nachbarn geraten hatten, werden morgen sicher einige andere Maulwürfe an seiner Stelle hier sein. Unser Jüngster meinte: "Vielleicht lebt dort unten seine Familie." Nun ja, nachdem wir ihn genügend bewundert hatten, drehten wir die Schaufel um und entließen ihn direkt vor seinem Gang in die Unterwelt unseres Gartens. In Zukunft ärgerten wir ihn nicht mehr mit Gerüchen und Geräten. Er gehört eben dazu. Auch wenn der eine oder andere Nachbar dafür kein Verständnis hat: Bei uns darf er sich wohlfühen.

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