NABU.de Tiere & Pflanzen Pflanzen Nachrichten Nieswurz mit Hefepilz-Heizung

Immer ein warmes Plätzchen

Immer ein warmes Plätzchen

Die Stinkende Nieswurz lockt mit einer Hefe-Heizung Hummeln an

Stinkende Nieswurz

Blüte der Stinkenden Nieswurz (Helleborus foetidus)


10. Februar 2010 – Wo Hefe und Zucker aufeinandertreffen, da fängt es bald an zu gären. Ohne die vielfältigen Hefepilze gäbe es weder Wein noch Bier, auch keinen leckeren Hefekuchen und zu Karneval keine Berliner. Bei der Verarbeitung des Zuckers geben die Pilze neben blasenwerfenden Gasen auch jede Menge Wärme ab. Spanische Wissenschaftler fanden nun heraus, dass bestimmte Wildpflanzen Hefepilze als Bio-Heizung nutzen und so an kalten Tagen Bienen und Hummeln zur Bestäubung anlocken.

Stinkende Nieswurz

Wildwachsende Nieswurz auf der Schwäbischen Alb.

Bisher waren bei Pflanzen lediglich zwei Heizsysteme bekannt, aktiv durch „Verbrennung“ von Nährstoffen und passiv durch Einfangen von Sonnenlicht. Die von einem Team der Biologischen Station Donana nachgewiesene und im Fachmagazin „Proceedings of The Royal Society B“ vorgestellte Hefeheizung kommt nun als neue dritte Möglichkeit hinzu. Dabei hilft die Heizung den Pflanzen auch direkt. Das warme Mikroklima sorgt für besseres Wachstum der Bestäubungsorgane und der Pollen sowie für gute Bedingungen bei der Samen-Ausbildung.

Die Forscher unter Leitung von Carlos M. Herrera untersuchten in der südspanischen Sierra de Cazorla Stinkende Nieswurze, eine im Spätwinter blühende Art aus der Christrosen-Verwandtschaft, die auch in den deutschen Mittelgebirgen vorkommt. In der Sierra de Cazorla wächst die Nieswurz im Unterholz hoch gelegener Schwarzkiefernwälder. Passive Erwärmung durch Sonnenlicht ist in den Schattenlagen kaum möglich. Dafür wird der zuckerhaltige Blütennektar der Nieswurz aber von einem Hefepilz namens Metschnikowia reukaufii besiedelt. Der Pilz bedient sich ganz eigennützig am Nektar, bis am Ende der Zuckeranteil fast vollständig aufgebraucht ist. Gleichzeitig erwärmen sich als Nebeneffekt der Verdauung sowohl der Nektar als auch die Umgebungsluft um bis zu sechs Grad Celsius. Bei der Stängellosen Schlüsselblume – der Mutter unserer Gartenprimeln – wurde Metschnikowia reukaufii ebenfalls bereits nachgewiesen und auch hier ist die Blütentemperatur messbar höher als die der Außenluft.

Erdhummelkönigin auf Finger

Erdhummelkönigin

Bestäubt werden Nieswurze bevorzugt von Sandbienen und Hummeln. Besonders früh im Jahr sind die Königinnen der Erdhummel unterwegs. Von ihnen ist aus Versuchen bekannt, dass sie bei freier Auswahl gezielt erwärmte Blüten anfliegen und kältere verschmähen. Dabei sind die Hummeln nicht nur auf eine warme Mahlzeit aus, sie verschwinden bei der Bestäubung auch weitgehend in der Blüte und wärmen sich so im aufgeheizten Inneren.

Je mehr Hefepilze den Nektar besiedeln, desto wärmer wird es. Gleichzeitig nimmt der Zuckergehalt ab, was den Nektar für Insekten weniger attraktiver macht. Für die Hummeln öffnet sich damit die Möglichkeit, bei kälteren Temperaturen eher die zuckerarmen, aber gut geheizten Blüten anzufliegen, und bei höheren Außentemperaturen auf ungeheizte, aber dafür aber nahrhaftere Nekaterquellen zu wechseln. (elg)

mehr Fachartikel „Nectar yeasts warm the flowers of a winter-blooming plant“

mehr Die Stinkende Nieswurz bei Wikipedia

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