NABU.de Tiere & Pflanzen Natur des Jahres Natur 2006 Der Seehund
Kulleräugiger Unterwasser-Jäger
Kulleräugiger Unterwasser-Jäger
Der Seehund ist "Wildtier des Jahres 2006"
Der Seehund (Phoca vitulina) ist das "Wildtier des Jahres 2006". Das entschied die Schutzgemeinschaft Deutsches Wild. Der kulleräugige Unterwasser-Jäger lebt in der Nord- und Ostsee sowie an den Küsten des Nordatlantiks und ist sowohl an Felsküsten wie auch auf den Sandbänken des Wattenmeeres anzutreffen. Weitere Unterarten des Seehundes leben an der Pazifikküste Nordamerikas, an den Küsten Japans und Kamtschatkas und sogar an Binnengewässern im nördlichen Kanada.
Bei der Geburt im Juni oder Juli wiegen die jungen Seehunde immerhin 7 bis 15 Kilogramm. Ausgewachsene Seehunde werden bis zu 100 Kilogramm schwer, unter optimalen Bedingungen erreichen sie ein Alter von 30 Jahren. In den Wattströmen gehen die Seehunde bei Flut auf die Jagd und erreichen dabei dank ihres torpedoförmigen Körpers Spitzengeschwindigkeiten von 35 Stundenkilometern. Nach Untersuchungen der Uni Kiel führen die ein- bis dreitätigen Nahrungszüge die Seehunde bis zu 30 Kilometer ins offene Meer hinaus. Genau so lange ruhen sie sich danach auf Sandbänken aus, bevor es zum nächsten Fischzug geht. Die Sandbänke sind nicht nur wichtige Ruheplätze, hier kommen auch die Jungtiere zur Welt. Von Anfang Mai bis Ende September dürfen daher die Seehundbänke in den Nationalparks nur aus sicherer Entfernung beobachtet werden.
Jung-Seehund auf Trischen
Während die Jungtiere auch Krebse und Muscheln fressen, kommt bei den Erwachsenen neben einigen Garnelen fast ausschließlich frischer Fisch auf den Tisch, immerhin drei bis fünf Kilogramm je Tag. Bei den Fischern war und ist der Seehund deshalb nicht gerade beliebt, auch wenn neuste Forschungsergebnisse zeigen, dass fischereirelevante Arten wie Flunder und Scholle nur ein Viertel der Seehundnahrung ausmachen und vor allem kleine Fische deutlich unter 20 Zentimetern Länge gefressen werden.
Seehund-Vorderflosse
Noch bis ins 20. Jahrhundert hinein wurden Seehunde als Nahrungskonkurrenten gnadenlos verfolgt. Seehundjäger erhielten Prämien für jedes erlegte Tier, so dass die Seehundbestände in der Nordsee stark dezimiert und in der Ostsee fast vollständig ausgerottet wurden. Selbst bei Badegästen waren Seehundjagden ein beliebtes Freizeitvergnügen. Erst in den 1970er Jahren wurde die Bejagung des Seehunds in Deutschland gestoppt. Danach begann sich der Bestand zu erholen.
In der Roten Liste der bedrohten Tierarten wird der Seehund heute in der Kategorie "gefährdet" geführt. Besonders die Ostsee-Seehunde - nur rund 250 Tiere im gesamten Ostseeraum - gelten als bedroht. Wasserverschmutzung und mangelnde Nahrung durch Überfischung haben die Bestände dezimiert. Nach Angaben der Schutzgemeinschaft Deutsches Wild leben an der niederländischen, deutschen und dänischen Nordseeküste nach aktueller Zählung 14.275 Seehunde. Das sind deutlich mehr als noch 2004. Der Bestand hat sich nach den großen Staupe-Epidemien von 1988 und 2002 - bei denen jeweils 15.000 bis 20.000 Seehunde starben - wieder gut erholt, zumal auch die Schadstoffbelastung zurückgegangen ist.
Schutzgemeinschaft Deutsches Wild
Seehundinfos des Nationalparks Schleswig-Holsteinisches Wattenmeer
Beitrag erstellt am 7. November 2005.

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