NABU.de Tiere & Pflanzen Natur des Jahres Natur 2004 Die Kahnschnecke

Urtümliche Bewohnerin steiniger Gewässer

Weichtier des Jahres 2004: die Kahnschnecke

Eine urtümlich anmutende Bewohnerin steiniger Gewässerbetten

Gemeine Kahnschnecke

Die Gemeine Kahnschnecke wurde zum "Weichtier des Jahres 2004" gekürt. Sie tritt damit die Nachfolge der Bauchigen Windelschnecke an, die 2003 erstes "Weichtier des Jahres" ist. Im Unterschied zur landbewohnenden Windelschnecke ist die Gemeine Kahnschnecke (Theodoxus fluviatilis) eine urtümlich anmutende Kiemenschnecke, die im Mittel- und Unterlauf von Süßwasserflüssen und in Seen vorkommt, sich aber auch an Brackwasser anpassen kann. Sie bevorzugt große Fließgewässer mit steinigem Grund und bewegtem Wasser oder steinige Uferzonen von Seen.

Für die Folgejahre hat das "Kuratorium Weichtier des Jahres" bereits angekündigt, 2005 eine Nacktschnecke, 2006 eine Süßwassermuschel, 2007 eine gehäusetragende Landschnecke und im Jahre 2008 eine Wattschnecke vorzustellen, "um der Vielfalt der Binnenmollusken gerecht zu werden". Im Kuratorium sind zahlreiche weichtierkundliche Vereinigungen vertreten.

Steiniger Untergrund, um die Hauptnahrung Kieselalgen aufschließen zu können
Die Kahnschnecke kann zwei bis drei Jahre alt werden. Sie ernährt sich vorwiegend von Kieselalgen, deren Panzer mit Reibbewegungen gegen das harte Substrat zerstört werden müssen, damit die Algen dann verdaut werden können.

Die Eiablage erfolgt von Mitte April bis Anfang Oktober, immer nachts. Die Eikapseln mit jeweils rund 70 Eiern werden auf Steinen und auch auf den Gehäusen von Artgenossen befestigt. Je nach Umgebungstemperatur entsteht nach vier bis acht Wochen aus je einem Ei pro Eikapsel eine Jungschnecke - die übrigen Eier dienen als "Nähreier". Unter anderem aufgrund dieser sehr geringen Vermehrungsrate hat die Gemeine Kahnschnecke nur wenig Chancen, sich schnell über besiedelte Flusssysteme hinaus auszubreiten.

Besondere Kennzeichen: rotbraune Netzzeichnung und bis neun Millimeter groß
Die Jungtiere sind beim Schlüpfen maximal einen Millimeter groß, die ausgewachsenen Schnecken messen bis zu 6,5 mal 9 Millimeter. Die Zeichnung und Färbung des gestreiften Gehäuses ist sehr variabel, meist mit violettbrauner oder rötlicher Netzzeichnung auf weißem oder gelblichem Grund, zuweilen ist das Gehäuse auch schwarz gefärbt.

In der norddeutschen Tiefebene, besonders noch im östlichen Hügelland von Schleswig-Holstein, in Mecklenburg-Vorpommern und in Nord-Brandenburg ist die Gemeine Kahnschnecke noch weit verbreitet; im übrigen Deutschland gehen die Bestände stark zurück. In den Alpen und deren nördlichen Vorländern einschließlich des Donaugebiets kommen keine Kahnschnecken vor.

Auf der Roten Liste wird die Gemeine Kahnschnecke als stark gefährdet eingestuft, da Gewässerregulierung und Gewässerverschmutzung der Art teilweise die Ernährungsgrundlage entziehen.

Quelle und weitere Infos: Beitrag zum Weichtier des Jahres 2004 von Karl-Heinz Beckmann auf www.mollusken-nrw.de.

Kontakt: Kuratorium "Weichtier des Jahres", Karl-Heinz Beckmann, An der Vogelrute 46-50, 59387 Ascheberg-Herbern, Tel. 0 25 99-18 86, k.h.beckmann@euroroll.de.

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