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Die Gelbflechte

Flechte des Jahres 2004: die Gelbflechte

Mehr Aufmerksamkeit für die Doppelwesen aus Pilz und Alge

Gewöhnliche Gelbflechte

Die Gewöhnliche Gelbflechte

Neu im Reigen der Jahreswesen ist ab 2004 die "Flechte des Jahres". Gekürt wird diese von der Bryologisch-lichenologischen Arbeitsgemeinschaft für Mitteleuropa (BLAM). Die Entscheidung fiel dabei auf die Gewöhnliche Gelbflechte - wissenschaftlich Xanthoria parietina. Sie ist aufgrund ihrer orangegelben Färbung auch für Laien leicht zu erkennen und in der Bundesrepublik weit verbreitet. Mit ihrer Wahgl möchten die Flechtenkundler auf eine interessante, zumeist nur wenig beachtete Pflanzengruppe aufmerksam machen. Außerdem soll am Beispiel der Gelbflechte die Eignung dieser Organismen zur Beurteilung von Umweltveränderungen aufgezeigt werden.

1700 Flechtenarten in Deutschland
Für Deutschland sind etwa 1700 verschiedene Flechtenarten bekannt, von denen über die Hälfte mehr oder minder stark im Bestand gefährdet sind. Wichtigste Gefährdungsursachen sind Luftschadstoffe aus Verbrennungsprozessen - Industrie, Hausbrand, Verkehr -, Nährstoffeinträge insbesondere aus der Landwirtschaft sowie die unmittelbare Zerstörung von Lebensräumen. Nicht selten werden Flechten völlig zu Unrecht als Baumparasiten betrachtet oder an Mauern und Grabsteinen aufgrund übertriebenem Sauberkeitsdenken vernichtet.

Dabei sind Flechten aufgrund ihrer speziellen Biologie für den Menschen von großem praktischem Nutzen. Flechten sind Doppelorganismen, die aus einem Pilz und einer Alge bestehen. Pilz und Alge bilden eine nahezu perfekte, allerdings labile Lebensgemeinschaft. Ihren Wasser- und Nährstoffbedarf decken Flechten nicht wie Blütenpflanzen über Wurzeln, sondern durch direkte Aufnahme aus der Luft.

Katalysator und Rauchgasentschweflung lassen Flechten aufatmen
Diese Eigenheiten bedingen eine besondere und bereits im 19. Jahrhundert erkannte Empfindlichkeit gegenüber Umweltveränderungen; insbesondere baumbesiedelnde Flechten werden gezielt als Bioindikatoren für Luftschadstoffbelastungen eingesetzt.

Noch vor 20 Jahren hatten die empfindlichen Flechten aufgrund der hohen Schwefeldioxidbelastung der Luft in vielen Regionen kaum eine Überlebenschance. Doch inzwischen konnte der Schwefeldioxidausstoß durch Einführung des Katalysators und der Rauchgasentschwefelung drastisch gesenkt werden. Infolge dessen sind heute selbst in Ballungszentren wieder viele Flechten auf den Bäumen zu finden.

Die Gelbflechte profitiert von ''Düngung aus der Luft''
Mit der Gewöhnlichen Gelbflechte hat die BLAM bewusst keine seltene und gefährdete Art zur Flechte des Jahres gewählt. Vielmehr handelt es sich um eine häufige und nährstofftolerante Art, die mit ihrer momentanen Ausbreitung sehr gut den seit einigen Jahren stattfindenden Wandel der Immissionssituation in der Bundesrepublik dokumentiert: Während das sowohl für den Menschen als auch für Flechten schädliche Schwefeldioxid in der Luft weniger wurde, ist die Belastung mit düngenden Stickstoffverbindungen unvermindert hoch.

Die Gewöhnliche Gelbflechte profitiert ganz offensichtlich von dieser "Düngung aus der Luft" und nimmt momentan in vielen Regionen an Bäumen, Mauern und auf Dächern stark zu. Sie symbolisiert somit eines der aktuellsten Umweltprobleme unserer heutigen Zeit, denn die Stickstoffverbindungen belasten auch Moore, Heiden, Trockenrasen und Wälder und bedrohen empfindliche Arten in ihrer Existenz.

Kontakt: Bryologisch-lichenologische Arbeitsgemeinschaft für Mitteleuropa (BLAM), c/o Botanisches Institut der Uni Bonn, Meckenheimer Allee 170, 53115 Bonn, Tel. 0228-732121, frahm@uni-bonn.de, www.blam-ev.de.

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