NABU.de Tiere & Pflanzen Natur des Jahres Natur 2003 Spitz und Pinscher

Spitze und Pinscher werden immer seltener

Haus- und Hofhunde zu Gefährdeten Nutztierrassen des Jahres 2003 gewählt

Weißer Großspitz

Weiße Großspitze

Spitz pass auf - sonst stirbst Du aus! Dieses Motto hat besondere Aktualität erreicht, gerade einmal 11 Zuchttiere des Großspitzes gibt es noch in Deutschland.

Noch vor 50 Jahren waren Spitz und auch der Pinscher die Haus- und Hofhunde, die auf keinem Bauernhof fehlen durften. Als Wächter, Viehtreiber und gewandte Mäuse- und Rattenvertilger hatten sie ein klar vorgegebenes Aufgabenfeld. So war der Pinscher auch als Stallpinscher oder Rattler bekannt, der Spitz als Weinbergspitz oder Fuhrmann-Spitz. Besonders das Bewachen der Ware bei Transporten gehörte mit zu einer der Hauptaufgaben von Spitz und Pinscher. Solange der Hund auf dem Wagen saß, brauchten sich die Fuhrleute keinerlei Gedanken um die Sicherheit ihrer Ware zu machen. Ausdauer und unermüdliche Wachsamkeit, gepaart mit deutlichem Bellen ließen keine Diebereien zu.

Deutscher Pinscher

Deutscher Pinscher

Die Gesellschaft zur Erhaltung alter und gefährdeter Haustierrassen (GEH) will mit der Ernennung zu Gefährdeten Nutztierrassen 2003 für diese typischen Haus- und Hofhunde wieder neues Interesse wecken. Spitzartige Haushunde sind die älteste Form des Haushundes in Europa und eine der ältesten Rassen der Welt. Sie waren noch vor hundert Jahren von Russland bis Italien weit verbreitet und bis weit in das 20. Jahrhundert hinein waren Spitze vom täglichen Leben auf dem Bauernhof nicht wegzudenken. Sie zeigen keine Neigung zum Streunen und sind als ausgezeichnete Wächter unbestechlich. Der Spitz bewährte sich auch bei der Bewachung der Nutztieren des Hofes, Ratten und Mäuse hingegen werden schonungslos verfolgt.

Der weiße Großspitz war eher in vornehmen und gutbürgerlichen Gesellschaftskreisen und den Küsten der Nord- und Ostsee zu finden. Die schwäbischen Weinbauern hingegen hielten schwarze Großspitze, deren typische Aufgabe es war, die reifen Trauben in den Weinbergen vor vier- und zweibeinigen Dieben zu schützen und die daher als Weinbergspitz bekannt waren. Der Mittelspitz stellt in der Größe von über 25 bis 40 Zentimetern Rückenhöhe wohl den häufigsten Vertreter in früheren Jahrhunderten dar. Er war bei Handwerkern, Fuhrleuten, Kleinbauern und beim einfachen Volk vor allem als Wachhund verbreitet. Als Zuchttiere sind beim Mittelspitz etwa 25 Hündinnen und 12 Rüden erfasst.

Heute sind Groß- und Mittelspitze ausgesprochene Haus- und Familienhunde und ideale Wächter für Haus und Hof. Ohne aggressiv zu sein, teilt der Spitz jede mögliche Gefahr mehr oder weniger lautstark mit. Groß- wie Mittelspitz sind bei langen Wanderungen unermüdliche Begleiter und auch im Hundesport (Agility) begeistert dabei. Sie sind intelligent, gelehrig, lebhaft, geflügelfromm, umgänglich, geduldig mit Kindern, robust und witterungsunempfindlich beschrieben. Das dem Spitz anhaftende Image des "Kläffers" stammt aus der Zeit, in der die Hunde frustriert an der Kette lebten mussten - und die hoffentlich bald nicht nur für Spitze vorbei ist. Spitze sind meist recht langlebig und gelten als wenig krankheitsanfällig.

Über die genaue Herkunft des Deutschen Pinschers weiß man wenig. Bereits seit dem vorletzten Jahrhundert wird darüber gestritten, ob Pinscher und Schnauzer von englischen Terriern abstammen oder umgekehrt. Fest steht jedoch, dass sich die Pinscher seit Beginn der Rassehundezucht in Deutschland vor rund 100 Jahren kaum verändert haben. Pinscher wurden gerne zur Vertilgung von Ratten und Mäusen gehalten und waren als Stall- und Kutschenhunde um 1900 auf bald jedem Hof anzutreffen. Daher stammen auch Lokalbezeichnungen wie "Stallpinscher" und "Rattler".

Größere, rauhaarige Pinscher spielten bei den Fuhrleuten eine wichtige Rolle. Solange der Pinscher auf dem Fuhrwerk saß, konnten die Kutscher ruhig abwesend sein. Es wagte niemand Pferd und Wagen anzurühren. Hier erfüllten Spitz und Pinscher dieselbe Funktion, für die Ausdauer und unermüdliche Wachsamkeit notwendig sind. Beim Deutschen Pinscher sind heute noch etwa 40 Hündinnen erfasst.

Pinscher wie Spitze sind selbständige, selbstbewusste Persönlichkeiten. Sie brauchen den Familienanschluss und wollen überall dabei sein. Spitze und Pinscher sind anpassungsfähige, vielseitige und "praktische" Rassen, die zu Unrecht vergessen werden und sicherlich auf zahlreichen Bauernhöfe und in Familien begeistern können. Im Verein für Deutsche Spitze e.V. und im Pinscher und Schnauzer Klub 1895 e.V. werden diese beiden Rassen seit vielen Jahren züchterisch betreut.

Text: Christel Simantke, Gesellschaft zur Erhaltung alter und gefährdeter Haustierrassen e.V. (GEH)

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