NABU.de Tiere & Pflanzen Natur des Jahres Natur 2010 Der Efeu
Blatt-Extrakte gegen Keuchhusten
Blatt-Extrakte gegen Keuchhusten
Der Efeu ist „Arzneipflanze des Jahres 2010“
Efeublätter in der typischen Pfeilform.
20. November 2009 - Jedes Kind kennt den Efeu. Er wächst in fast jedem Garten; in der Großstadt wie auf dem Dorf bedeckt er Mauern oder klettert an Bäumen hinauf. Kaum jemand allerdings weiß, dass der Efeu eine heilende Wirkung ausübt. Wissenschaftler der Universität Würzburg haben ihn darum zur „Arzneipflanze des Jahres 2010“ gekürt.
Bereits die Ärzte der Antike nutzten Efeublätter und Efeufrüchte: als Schmerzmittel oder, in Salben verarbeitet, bei Verbrennungen.
Efeu-Haftwurzeln
Heute kommt ein Blätter-Extrakt zum Einsatz. Er bessert die Beschwerden bei chronisch-entzündlichen Bronchialerkrankungen und bei akuten Entzündungen der Atemwege. Auch bei Keuchhusten wird er zur Linderung eingesetzt. Die für diese Wirkungen hauptverantwortlichen Inhaltsstoffe heißen Saponine. Die Wirksamkeit des Efeu-Extrakts ist durch klinische Studien belegt, wie Franz-Christian Czygan, Johannes Gottfried Mayer und Konrad Goehl von der Universität Würzburg mitteilen. Die drei Wissenschaftler gehören dem „Studienkreis Entwicklungsgeschichte der Arzneipflanzenkunde“ am Institut für Geschichte der Medizin an.
Die unscheinbaren Efeublüten werden von zahlreichen Insekten besucht.
Aber Achtung: Der Efeu hat auch gefährliche Wirkungen: Frische Blätter und ihr Saft können nach Kontakt mit der Haut allergische Entzündungen verursachen. Und an den Beeren der Pflanze können sich besonders Kinder vergiften – Übelkeit, Durchfall und Erbrechen sind die Folgen.
Wie kaum eine andere Heilpflanze ist der Efeu mit der europäischen Kulturgeschichte verbunden. Er galt früher als Wahrzeichen des ewigen Lebens, als Symbol für Liebe und Treue. Bei den Ägyptern war er dem Osiris, im antiken Griechenland dem Dionysos geweiht; man verstand ihn als Hinweis auf die Präsenz des Gottes. Dichter bekränzte man mit Efeu, weil der Efeu auch eine heilige Pflanze der Musen war. Brautpaare erhielten Efeuzweige als Sinnbild ihrer immerwährenden Verbundenheit. Im frühen Christentum finden sich Efeuranken auf Sarkophagen, im Mittelalter schmücken sie Kirchen und Kathedralen, in Stein gehauen oder in Holz geschnitzt.
Efeu-Fruchtstand
Das deutsche Wort Efeu geht wahrscheinlich auf einen alten altsächsischen Wortstamm ebah oder ifig zurück, was so viel wie „Kletterer“ heißt. Früh wurde der Wortstamm mit „Heu“ verbunden, althochdeutsch ep-höu oder ebe-höu, was „Kletterlaub“ bedeuten könnte. Der botanische Name Hedera helix leitet sich vermutlich von dem griechischen Begriff hédra (Sitz) ab, weil die Pflanze auf dem Baum „sitzt“. Helix kommt vom griechischen Wort helissein (winden, drehen), denn der Efeu windet sich um den Baum herum. Bei den Griechen hieß der Efeu kissós, was „Schlinge“ bedeutet.
Der Studienkreis Entwicklungsgeschichte der Arzneipflanzenkunde am Institut für Geschichte der Medizin der Universität Würzburg wählt seit 1999 die Arzneipflanzen des Jahres aus. Ihm gehören Medizinhistoriker, Ärzte, Apotheker und Pharmazeutische Biologen an. Mit der Wahl der Arzneipflanze des Jahres will der Studienkreis dazu animieren, sich mit den Möglichkeiten der Verwendung pflanzlicher Arzneistoffe zu beschäftigen. Jedes gekürte Gewächs soll eine interessante Geschichte aufweisen und in gut belegten oder viel versprechenden pharmakologischen und klinischen Studien geprüft sein.
Institut für Geschichte der Medizin der Universität Würzburg
Efeu-Porträt mit Bildergalerie
Herbstlicher Lebensspender
Eine Umfrage unter Bienen, Wespen und Schmetterlingen würde dem Efeu sicher allerbeste Beliebtheitswerte bringen. Blüht die Kletterpflanze doch erst, wenn sonst nur noch wenige Nektarquellen zur Verfügung stehen. Praktisch alles, was sechs Beine hat, kommt im Herbst hier vorbei.
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Grüne Wände
Weinlaubgeschmückte Tempel der Antike, efeubedeckte Klostermauern des Mittelalters, kräuterüberwucherte Bauernhäuschen oder bunte Blütenpracht vor fürstlicher Architektur: Seit jeher schmücken Menschen ihre Häuser gern mit üppigem Grün.
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Artenreiche letzte Ruhestätte
Als Gesamtkunstwerk aus Skulptur, Architektur und Gartengestaltung sind historische Friedhöfe heute kulturelles Gedächtnis einer Stadt; darüber hinaus sind sie aber auch jahrhundertelang gewachsenes Biotop und Arche Noah für seltene Pflanzen und Tiere.
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Mit Giftpflanzen leben lernen
Giftigkeit ist ein relativer Begriff. Die altbekannte Erkenntnis von Paracelsus, dass die Dosis die Giftigkeit bestimmt, gilt nach wie vor. Pflanzen als giftig abzustempeln, lässt unberücksichtigt, dass eben jene giftigen Wirkstoffe bei der Behandlung vieler Krankheiten von unschätzbarem Nutzen sind.
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Frühere Arzneipflanzen des Jahres
Ätherische Öle und würziges Kraut
Fenchel ist häufig das erste Arzneimittel, mit dem der Mensch in seinem Leben in Berührung kommt, denn Säuglinge erhalten während der Nahrungsumstellung bevorzugt Fencheltee, um Blähungen zu lindern. Mütter andererseits trinken Fencheltee, um die Milchproduktion anzuregen.
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Ein Biergartenbaum hilft gegen Venenleiden
Die Rosskastanie blickt auf eine interessante Geschichte zurück. Ursprünglich über ganz Europa verbreitet, zog sie sich in der letzten Eiszeit auf die Mittelgebirge Griechenlands, Mazedoniens und Albaniens zurück und überlebte dort. Erst vor rund 450 Jahren kehrte sie nach Mitteleuropa zurück.
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Schlafmittel, Bierwürze und Fassadengrün
Hopfen ist eine Kulturpflanze, deren Nutzung sich nicht nur auf das Brauereiwesen beschränkt: Extrakte aus den Hopfenzapfen bilden heute in Kombination mit der Baldrianwurzel auch die häufigste Darreichungsform pflanzlicher Schlaf- und Beruhigungsmittel.
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Heilsame Blütenpracht im Steingarten
Der Echte Thymian hat in Scheinquirlen angeordnete, zartlila, rosa oder weißliche Blüten. Seine natürliche Verbreitung reicht vom Mittelmeer und den wintermilden Lagen Mitteleuropas bis zum Kaukasus. Kommerziell wird er vor allem in Südeuropa, Nord- und Ostafrika und Nordamerika angebaut.
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Der Kormoran ist Vogel des Jahres 2010 Mehr
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