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Schmetterlingsschutz im NABU

Schmetterlingsschutz beim NABU

Die Bundesarbeitsgruppe (BAG) Schmetterlinge

Schwalbenschwanz

Schwalbenschwanz

Die Tagfalter spielen bei den Bemühungen um den Erhalt der Natur eine sehr große Rolle. Sie bilden die wohl wichtigste Bioindikatorgruppe unter den landlebenden Wirbellosen. Der Erhalt der Biotope der rund 170 Tagfalterarten Deutschlands sichert das Überleben von etwa 10.000 weiteren Insektenarten, die sonst kaum zu schützen wären. Das macht die Tagfalter so schützenswert!

"Damit Natur- und Umweltschutz erfolgreich sein können, ist es notwendig, die komplexen Zusammenhänge und Wirkungsweisen in der Natur zu verstehen, Arten und Ökosysteme richtig anzusprechen und die vielfältigen Einflüsse des Menschen auf die Natur einschätzen zu können. Die Einrichtung von Schutzgebieten, die Pflege von Betreuungsflächen, Stellungnahmen zu flächenrelevanten Planungen oder die Lobbyarbeit für eine bessere Naturschutzgesetzgebung - all das verlangt fundiertes naturwissenschaftliches Verständnis." So NABU-Vizepräsident Helmut Opitz.

Kleiner Sonnenröschen-Bläuling

Kleiner Sonnenröschen-Bläuling

Um diese und andere Aufgaben zu erfüllen, legt der NABU großen Wert auf die fachgerechte Behandlung des Naturschutzes und auf die ehrenamtliche Zusammenarbeit von Experten mit engagierten, lernfähigen Laien, die sich für bestimmte Bereiche des Naturschutzes interessieren und aktiv einsetzen. Zur Sicherung der Kompetenz auf vielen Fachgebieten, hat der NABU Bundesfachausschüsse (BFA) eingerichtet; in einigen Bundesländern gibt es Landesfachausschüsse (LFA). Innerhalb einiger größerer BFA gibt es darüber hinaus Bundesarbeitsgruppen (BAG), die sich bestimmten Spezialgebieten widmen. Die BAG werden durch Gremien von Experten geleitet.

Die BAG Schmetterlinge existiert erst seit Herbst 1997 und wird von Dr. Otakar Kudrna (Sprecher), Karl-Heinz Jelinek, Patrick Leopold, Werner Schulze und Volker Wachlin geleitet. Im Folgenden erhalten Sie einen Überblick zu Foren, Projekten und weiteren Aktivitäten der BAG:

Symposium für Schmetterlingsschutz


Von 1988 bis 1997 hat die Gesellschaft für Schmetterlingsschutz e.V. (GfS) jedes Jahr am letzten September-Wochenende das Rhöner Symposium für Schmetterlingsschutz (RSS) veranstaltet. Seit 1999 findet das Symposium in gemeinsam mit der BAG Schmetterlinge in geraden Jahren statt. In den ungeraden Jahren wird den Schmetterlingen unter der Leitung der BAG eine Sektion im Rahmen der durch den BFA Entomologie organisierten NABU-Entomologentagung gewidmet. Bisher konnten auf unserem Symposium Teilnehmer aus mehr als 15 europäischen Staaten begrüßt werden. Darüber hinaus veranstalten wir Workshops in Bielefeld.

Mapping European Butterflies (MEB)

Verbreitungsatlas der Tagfalter Europas

Admiral auf Efeu

Der Admiral, ein ausgesprochener Wanderfalter

Der 21. März 2002 ist ein wichtiger Tag für den Schmetterlingsschutz in Europa - der Tag der Veröffentlichung des ersten Verbreitungsatlasses der Tagfalter Europas, "The Distribution Atlas of European Butterflies".

Der Atlas ist das Ergebnis einer intensiven sechsjährigen Forschung und beinhaltet auf 342 Seiten 451 Verbreitungskarten der Tagfalterarten Europas (Oedippus 20). Die Verbreitungskarten basieren auf 229.000 Datensätzen unserer einzigartigen Datenbank mit 486 Tagfalterarten. Die Daten stammen von 254 freiwilligen Mitarbeitern des MEB-Projekts aus ganz Europa und berücksichtigen darüber hinaus alle wichtige Datenbanken. Zum erstenmal ist ein Verbreitungsatlas der Tagfalterarten eines Kontinents erschienen.

C-Falter auf Schlehe

C-Falter

Die Projektträger - der NABU (vertreten durch die BFA Internationales und Entomologie bzw. BAG Schmetterlinge) und die Gesellschaft für Schmetterlingsschutz - sind stolz auf diesen Beitrag zum Schutz der Tagfalter Europas. Der Verbreitungsatlas bildet in erster Linie eine angewandt-wissenschaftliche, biogeographisch betonte Grundlage für den Erhalt unserer Tagfalter.

Wissen Sie zum Beispiel, dass 198 Tagfalterarten (rund 41 Prozent) nur auf 1 Prozent (oder noch weniger) der Fläche Europas leben während nur 20 Arten (4,1 Prozent) ein Drittel oder mehr der Fläche Europas bewohnen? Diese einfache Feststellung bestätigt, wie unverzichtbar Kartierungen bei Schmetterlingen sind. Kein Wunder, dass es Verbreitungsatlanten der Tagfalterarten für alle Nachbarstaaten von Deutschland gibt, aber kaum zu glauben, dass es noch keinen Verbreitungsatlas der Tagfalter der Bundesrepublik Deutschland - und der meisten Bundesländer - gibt.

Wir werden uns mit dem Erfolg des MEB nicht zufrieden geben: Wir planen bereits die zweite, erweiterte Auflage. Die gesamten Einnahmen aus dem Verkauf der ersten Auflage werden dem Fortschreiben von MEB zugute kommen. Wir bitten auch Sie um Ihre Unterstützung, zum Beispiel durch aktive Mitarbeit (wenn Sie ein Lepidopterologe sind) oder durch Spenden. Möchten Sie diesen Atlas bestellen?

Die Bestelladresse ist Apollo Books, Kirkeby Sand 19, DK-5771 Stenstrup. Der empfohlene Einzelverkaufspreis ist 50 Euro. Der Atlas kann auch in jeder Buchhandlung bestellt werden. Direktverkauf durch den NABU oder die GfS ist nicht möglich.

Offizielle Website des Projektes: www.mapeurbutt.de

Bankverbindung für Spenden
Bank für Sozialwirschaft AG, Köln
BLZ 37020500 - Konto-Nr. 100 100
Spendenempfänger: NABU
Zweck (Spendenbezeichnung): MEB T70632
Spenden sind steuerlich absetzbar.

Tagfalter-Monitoring

Stichpunktbezogene Dauerbeobachtung

Zitronenfalter

Zitronenfalter

Der erste moderne, computergestützte Verbreitungsatlas der Tagfalter eines Staates ist vor mehr als 30 Jahren in Großbritannien erschienen. Unumgänglich für die Beurteilung ökologischer Fragestellungen sind Dauerbeobachtungen (so genanntes Monitoring) von Tier- und Pflanzenarten. Die Einhaltung nationaler Gesetzgebung (BNatSchG), multinationaler Richtlinien wie der FFH-Richtlinie sowie internationaler Abkommen (zum Beispiel UNCED-Konvention zum Erhalt biologischer Vielfalt von 1992) zwingen uns sogar dazu. Seit 1976 Jahren läuft in Großbritannien und seit 1990 Jahren auch in den Niederlanden ein Tagfalter-Monitoring. Im Jahre 2001 wurde durch den NABU Nordrhein-Westfalen erstmals in Deutschland eine stichpunktbezogene Dauerbeobachtung der Tagfalter- und Widderchenfauna begonnen und mit derzeit über 150 Freiwilligen durchgeführt (www.tagfaltermonitoring.de). Ende 2004 gründete sich die Stiftung Butterfly Conservation Europe zur besseren Zusammenarbeit der genannten und weiterer sechs Tagfaltermonitoring-Projekte in Europa. Seit 2005 koordiniert das Umweltforschungszentrum Leipzig-Halle (UFZ) das bundesweite Tagfalter-Monitoring Deutschland, in welches auch das nordrhein-westfälische Projekt eingebunden ist.

Kleiner Eisvogel

Kleiner Eisvogel

Wie funktioniert Tagfalter-Monitoring und wozu dient es?
Über die gesamte Vegetationsperiode werden in Abständen von höchstens einer Woche entlang bestimmter Routen Zählungen von allen Tagfaltern (sowie gegebenenfalls Widderchen und weiteren tagaktiven Nachtfaltern) vorgenommen, die nach festgelegten Standards erfolgen. Diese Methode wird als Transektzählung bezeichnet, die Routen heißen Transektstrecken. Die Methode der halbquantitativen Erfassung wurde vom englischen Tagfalter-Ökologen E. Pollard Anfang der siebziger Jahre aufbauend auf der so genanntenb Linientaxierung (aus der Vogelkunde) entwickelt.

Kleiner Fuchs auf Statize

Kleiner Fuchs

Das Tagfalter-Monitoring liefert Informationen über die fortlaufende Entwicklung der Tagfalterbestände und ermöglicht Schlussfolgerungen im Hinblick auf den Zustand der untersuchten Lebensräume sowie der Biodiversität insgesamt. Langfristig können Trends ermittelt werden, die eine statistisch basierte Gefährdungsanalyse zu den Arten, aber auch Aussagen zum Zustand unserer Landschaft und der Nachhaltigkeit ihrer Nutzung erlauben.

Der NABU möchte sich deutschlandweit verstärkt in das Tagfalter-Monitoring einbringen: zum einen ist der NABU im Beirat des "Tagfalter-Monitoring Deutschland" vertreten und bringt mit dem weiteren Ausbau des nordrhein-westfälischen Monitoring einen starken Partner ein, zum anderen können sich NABU-Mitglieder bundesweit als Kartierer/-innen oder Regionalkoordinatoren engagieren. Für eine Beteiligung an der Erfassung sind lediglich eine bis zwei Stunden pro Woche und Begeisterung an der Natur mitzubringen. Regionalkoordinatoren sollen die Kartierer/-innen bezüglich der Streckenauswahl und der Bestimmung der Arten unterstützen.

Informationen erhalten Sie beim NABU, 10108 Berlin, Tel. 030-28 49 84-0, Fax -20 00, NABU@NABU.de, sowie bei Patrick Leopold (Bonn) patrickleopold@yahoo.de oder Reinhart Feldmann (Leipzig) unter tagfalter-monitoring@ufz.de.

Oedippus

Die schmetterlingskundliche Schriftenreihe

"Oedippus" heißt die Schriftenreihe der Gesellschaft für Schmetterlingsschutz; Oedippus erscheint meistens einmal im Jahr und bringt umfassende Originalbeiträge zum Schmetterlingsschutz (s.l.) auf englisch oder deutsch:

  • 1. - 1990 - Grundlagen zu einem Artenhilfsprogramm für Colias myrmidone (Esper, 1780) in Bayern.

  • 2. - 1991 - Ökologie und Schutz von Parnassius mnemosyne (Linnaeus, 1758) in der Rhön.

  • 6. - 1993 - Verbreitungsatlas der Tagfalter der Rhön.

  • 7. - 1993 - Tagfalterfauna des Sachsenwaldes und ihr Schutz.

  • 9. - 1994 - Zur erfolgreichen Wiederansiedlung von Parnassius apollo (Linnaeus, 1758) in Tschechien.

  • 10. - 1995 - Grundlagen für den Schutz der Tagfalter und ihrer Biotope in der Rhön.

  • 11. - 1995 - Biosystematik der europäischen Arten des Tribus Melitaeini Newman, 1870.

  • 12. - 1996 - Mapping European butterflies: Handbook for recorders.

  • 13. - 1996 - Zur Verbreitung, Populationsökologie und Mobilität von Melitaea didyma (Esper, 1779) im Raum Hammelburg, Unterfranken.

  • 14. - 1997 - Die Tagfaltergemeinschaften der Rhön - zur Methodik einer zoosoziologischen Betrachtung.

  • 15. - 1998 - Die Tagfalterfauna der Rhön.

  • 16. - 1999 - Die Tagfalter Sardiniens aus biogeographischer Sicht.

  • 17. - 2000 - Biology and behaviour of a Hungarian population of Parnassius mnemosyne (Linnaeus, 1758).

  • 18. - 2000 - Die Schmetterlinge der FFH-Richtlinie 92/43/EWG der EU.

  • 19. - 2001 - Zur Bestandssituation von Tagfalterarten auf einigen durch die Schwammspinnerkalamität von 1993 bis 1995 betroffenen Flächen im südlichen Steigerwald.

  • 20. - 2002 - The distribution atlas of European butterflies. (s. Sonderbestelladresse)

  • 21. - Prolonged life cycles, oviposition sites, foodplants and Cotesia parasitoids of Melitaeini butterflies in Sweden.

  • 22. - Grundlagen zum Schutz von Tagschmetterlingen in Städten.

  • 23. - On the "Wiener Verzeichnis", its authorship and the butterflies named therein.

Die Autoren der Beiträge sind: E. Acs, Z. Balint, C.U. Eliasson, K. Fiedler, H. Höttinger, J. Kleinekuhle, M. Kralicek, M. Krämer, O. Kudrna, J. Kulfan, M. Kulfan, A. Lausmann, J. Lukasek, L. Meyer, V. Pelz, W. Seufert, M.R. Shaw, B. Slavik, K. Vogel und A.M. Vojnits.

Bestelladresse (außer Nr. 20, siehe bei MEB): Gesellschaft für Schmetterlingsschutz e.V. - c/o Dr. G. Feichtinger, von-Humboldt-Straße 32, 97686 Bad Kissingen.

FFH-Schmetterlingsarten in Deutschland

Verantwortung für das europäische Naturerbe

Seit 1992 sind in allen EU-Staaten durch die Richtlinie 92/43/EWG auch bestimmte Insektenarten geschützt; hierzu gehören die folgenden in Deutschland festgestellten beziehungsweise vorkommenden Schmetterlingsarten:

  • Callimorpha quadripunctaria (Spanische Flagge) II

  • Coenonympha hero (Wald-Wiesenvögelchen) IV

  • Coenonympha oedippus (Moor-Wiesenvögelchen) II + IV

  • Eriogaster catax (Hecken-Wollspinner) II + IV

  • Euphydryas aurinia (Skabiosen-Scheckenfalter) II

  • Euphydryas maturna (Eschen-Scheckenfalter) II + IV

  • Hyles hypophaes (Kreuzdorn-Schwärmer) IV

  • Lasiommata achine (Gelbringfalter) IV

  • Lycaena dispar (Großer Feuerfalter) II + IV

  • Maculinea arion (Großer Ameisenbläuling) IV

  • Maculinea nausithous (Dunkler Ameisenbläuling) II + IV

  • Maculinea teleius (Heller Ameisenbläuling) II + IV

  • Parnassius apollo (Apollofalter) IV

  • Parnassius mnemosyne (Schwarzer Apollo) IV

  • Proserpinus proserpina (Nachtkerzen-Schwärmer) IV

Für die im Anhang II aufgelisteten Arten müssen die entsprechenden Mitgliedstaaten gesonderte Schutzgebiete ausweisen; die im Anhang IV geführten Arten unterliegen einschließlich ihrer Lebensstätten einem allgemeinen strengen Schutz. Weitere Informationen zur FFH-Richtlinie befinden sich im Mitteilungsblatt 96/1 des BFA Entomologie (1996).

Bei der Bearbeitung der FFH-Arten - unter Mitwirkung der BAG Schmetterlinge - stellte sich als großes Handicap heraus, dass es für Deutschland keine auf Schmetterlinge oder zumindest auf die Tagfalter bezogene zentrale Datenbank beziehungsweise keinen Verbreitungsatlas gibt. Für alle Nachbarstaaten Deutschlands existieren derartige Materialien bereits. Damit nimmt Deutschland im europäischen Maßstab nur einen hinteren Platz ein. Sicher hat dabei die restriktive Gesetzgebung, wie etwa die Bundesartenschutzverordnung, eine negative Rolle gespielt, da sie die Erfassung und Erforschung der Schmetterlingsfauna behindert oder sogar verhindert.

Bei der Betrachtung der derzeit gültigen Anhänge der FFH-Richtlinie ist ersichtlich, dass die Auswahl der zu schützenden Arten einschließlich ihrer Zuordnung zu den verschiedenen Anhängen einer kritischen Überprüfung unter wissenschaftlichen Kriterien unterzogen werden sollte (vgl. Oedippus 18). Wir möchten uns bei der künftigen Revision dieser Listen beteiligen. Das Projekt Mapping European Butterflies wird uns hier weiter helfen.

Beiträge zu FFH-Insekten sind in Insecta 6 veröffentlicht, die zum kostenlosen Download bereit steht Insecta 6, 2000 Download-Seite.

Kontakt


Bundesfachausschuss Entomologie - BAG Schmetterlinge
Volker Wachlin
Apfelweg 5
17489 Greifswald
Tel. d. 0 38 34-89 19-22
E-Mail: ilngreifswald.wachlin@t-online.de

Werrner Schulze
Samlandweg 15a
33719 Bielefeld
Tel. 0521-33 64 43
E-Mail: wschulze@entomon.de

Alles zum Projekt MEB unter www.mapeurbutt.de

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