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Weniger Wildbienen – weniger Blütenplanzen

Weniger Wildbienen, weniger Blütenpflanzen

EU-Studie weist gravierende Rückgänge nach

Blattschneiderbiene (m)

Männliche Blattschneiderbiene (Megachile pilidens) auf Hornklee.

Die Vielfalt von Wildbienen und der von ihnen bestäubten Blütenpflanzen ist während der letzten 25 Jahre signifikant zurückgegangen. Zu diesem Ergebnis kommt eine im Rahmen des EU-Forschungsprojektes ALARM entstandene Studie, die jetzt in der Fachzeitschrift "Science" veröffentlicht wurde (Vol. 313. no. 5785, pp. 351-354).

Die Studie ist der erste Beleg für einen auch in der Fläche weit verbreiteten Rückgang der Wildbienenarten. Bedenken, dass der Verlust der Bestäuber auch gravierende Konsequenzen in ganzen Ökosystemen haben wird, bestehen seit langem. Belege gab es aber bisher nur für einige wenige hoch spezialisierte Arten. Um den generellen Rückgängen nachzugehen, hat ein Team von Wissenschaftlern nun Daten über hunderte Lebensräume in den Niederlanden und Großbritannien zusammengestellt und dabei herausgefunden, dass die Wildbienenvielfalt in fast 80 Prozent dieser Gebiete zurückging.

Knautien-Sandbiene

Die Knautien-Sandbiene ist auf die Pollen der Wiesen-Knautie spezialisiert. Ihre Bestände nehmen deutlich ab.

"Wenn dieses Muster sich andernorts auch bestätigt, dann droht der Verlust wichtiger ‘Dienstleistungen" durch unsere Bestäuber, die wir geradezu selbstverständlich in Anspruch nehmen - und damit auch das Verschwinden von Pflanzen, an denen wir uns in der Landschaft erfreuen", so Koos Biesmeijer von der Universität Leeds. Der ökonomische Wert der Bestäubung von Nutzpflanzen wird weltweit auf jährlich 30 bis 60 Milliarden Euro geschätzt.

Für ihre Studie verglichen die Wissenschaftler Daten aus der Zeit vor und nach 1980 miteinander. Dabei zeigte sich, dass in beiden Ländern die Bienenvielfalt zurückgegangen ist, während die Vielfalt von Schwebfliegen - einer weiteren Gruppe bestäubender Insekten - in Großbritannien etwa konstant blieb und in den Niederlanden sogar zugenommen hat.

Der Verlust der Wildbienenvielfalt ist zunächst nicht allzu alarmierend, solange andere bestäubende Insekten mit ähnlichen Eigenschaften überleben und in der Lage sind, dieselben Pflanzenarten zu bestäuben. Dies ist jedoch nicht der Fall. Sowohl bei den Bienen wie auch bei den Schwebfliegen gingen diejenigen Arten am stärksten zurück, die ein begrenztes Spektrum von Pflanzenarten bestäuben oder die besondere Lebensraumansprüche haben. Es hat also eine kleine Anzahl von Generalisten eine größere Zahl von selteneren Spezialisten ersetzt. "In Großbritannien sind die Bestäuber, die früher schon selten waren, meist noch seltener geworden, während die weiter verbreiteten Arten sich noch weiter ausdehnen konnten. Selbst bei den Insekten werden die Armen ärmer und die Reichen reicher", meint Stuart Roberts von der Universität Reading.

Langhornbiene auf Klee

Die Langhornbiene Eucera nigrescens gehört in den Niederlanden zu den stark bedrohten Arten, in Großbritannien ist sie bereits ausgestorben.

Ebenso verschwinden Pflanzen, die von der Bestäubung durch ganz bestimmte Bienen abhängig sind. In Großbritannien wurden Rückgänge bei 70 Prozent derjenigen Wildpflanzen festgestellt, die Insekten für die Bestäubung benötigen. Wind- oder selbstbestäubende Pflanzen hingegen blieben gleich häufig oder nahmen sogar zu. In den Niederlanden ging die Anzahl der Bienenarten im Durchschnitt auch zurück, die Schwebfliegen-Vielfalt hingegen stieg an. Hier wurden Rückgänge bei Pflanzen beobachtet, die spezifisch Bienen für die Bestäubung benötigen, jedoch nicht bei Pflanzen, die auch andere bestäubende Insekten nutzen können. Folglich spiegeln die Pflanzenrückgänge sehr deutlich die Rückgänge ihrer Bestäuber wider.

Noch lässt sich aber nicht sagen, ob die Bienenrückgänge die Rückgänge bei Pflanzen verursachen, oder umgekehrt, oder ob nicht sogar beide in einem Teufelskreis miteinander verstrickt sind, in dem sie sich gegenseitig negativ beeinflussen. Ebenso ist es noch nicht klar, worin die ultimativen Ursachen der Rückgänge liegen, wenngleich Landnutzungsveränderungen, landwirtschaftliche Chemikalien und Klimaänderung wichtige Faktoren sein dürften.

Die Wissenschaftler hoffen diese Fragen zukünftig im Rahmen des EU-Forschungsprojektes ALARM klären zu können. ALARM beschäftigt sich mit den wesentlichen Ursachen des Rückgangs der biologischen Vielfalt: Klimawandel, Verlust an Bestäubern, Schadstoffe und Invasion gebietsfremder Tier- und Pflanzenarten, sowie deren gegenseitige Abhängigkeit. An ALARM sind derzeit 54 Partner in 26 Ländern beteiligt. Das Großprojekt wird von einem Team um Josef Settele vom Umweltforschungszentrum Leipzig-Halle (UFZ) geleitet.

"Die Studie mag noch keinen globalen Rückgang bei der Bestäubung belegen, aber zumindest in zwei Ländern gibt es starke Indizien dafür, dass sowohl natürliche Bestäuber als auch die von ihnen besuchten Wildpflanzen in ernsthaften Schwierigkeiten stecken", so Koos Biesmeijer.

Kontakt: Pressestelle des Umweltforschungszentrums Leipzig-Halle (UFZ), Doris Böhme & Tilo Arnhold, presse@ufz.de, Tel. 03 41-235-22 78.

mehr Ausführliche Pressemitteilung des UFZ

Beitrag erstellt am 25. Juli 2006.

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